#170 Judith Lein, wie entsteht aus Leder ein echtes Lieblingsstück?

Shownotes

60 Bewerbungen, ein fast vergessenes Handwerk und der feste Wille, den eigenen Weg zu finden: Judith Lein wollte unbedingt Feintäschnerin werden – obwohl es in Deutschland kaum noch Ausbildungsplätze gibt. In „Handwerk erleben“ erzählt sie, wie sie sich quer durchs Land beworben hat, warum sie schließlich im Allgäu landete und weshalb sie heute mit voller Überzeugung sagen kann: Genau das ist ihr Beruf.

Gemeinsam mit Max Herrmannsdörfer spricht Judith über die Faszination Leder, individuelle Maßanfertigungen und die besondere Beziehung, die Menschen zu ihren Taschen und Lieblingsstücken entwickeln. Sie erzählt von ihrer Weiterbildung zur Feintäschnermeisterin, ihrem neuen Atelier in der Allgäuer Genussmanufaktur in Leutkirch und ihrer ersten eigenen Lederkollektion.

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Max Herrmannsdörfer: Handwerk erleben. Der Podcast mit den spannendsten Geschichten aus dem Handwerk und darüber hinaus. Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Handwerk erleben. Ich bin Max Hermannsdörfer und bin heute nicht alleine im Studio. Ich habe einen Gast bei mir im Studio, auch für mich eine schöne Erfahrung. Vieles läuft digital. Heute sind wir hier im Studio. Mir gegenüber sitzt Judith Lein. Sie ist Feinteschner Meisterin mit einem eigenen Atelier in der Nähe von Leutkirch im Allgäu. Hallo Judith. Hallo. Schön, dass du da bist, das mal zu erklären. Leutkirch ist nicht so unfassbar weit weg von uns hier im Bad Würzhofen. Magst du es geografisch mal einordnen für jeden, der Leutkirch nicht kennt? liegt Leutkirch? Oder fragst du jetzt eigentlich die falsche, weil ich ja gebürtig gar nicht von hier bin. Aber wenn man von Memmingen Richtung Bodensee runterfährt... Dann kommt Leutkirch entlang der A96. genau, nicht weit von der Abfahrt ist dann auch die Allgäuer Genussmanufaktur, wo ich mein kleines Atelier habe. Geografisch ganz schön gelegen. Man ist schnell am Bodensee, aber auch schnell in den Alpen. eigentlich eine Urlaubsregion für viele. Ja, da arbeiten, wo manche Urlaub machen, dann auch für dich quasi. also jeden Tag mit Bergblick zur Arbeit zu fahren. Es gibt Schlimmeres. Kann ich auch bestätigen. gerade jetzt ist der Föhn immer sehr stark und da man echt einen schönen Bergblick. Jetzt machen wir alle neidisch, die natürlich irgendwo in anderen Regionen sitzen, aber auch anderswo ist es sicher sehr, schön. Wenn du sagst, du kommst nicht ursprünglich aus der Region, wo kommst du gebürtig her? Ja, gebürtig komme ich aus Langenfeld. Das ist in Nordrhein-Westfalen genau auf der Hälfte von Köln und Düsseldorf gelegen und ich bin damals eben für die Ausbildung umgezogen. Ach, tatsächlich. Für die Ausbildung dann ins Allgäu oder nach Baden-Württemberg? Nach Baden-Württemberg, nach Bergheim, wo ich auch jetzt immer noch ansässig bin. Und da habe ich in einem ganz tollen Familienbetrieb dann eben meine Ausbildung machen dürfen. Okay, und da hast du die Ausbildung zur Feinteschnerin gemacht. Genau. Okay, dann gehen wir doch gleich rein in dieses Gewerk. Weil ich kann mir vorstellen, nicht jeder weiß, was macht eine Feinteschnerin. Was ist überhaupt die Feinteschnerei?

Max Herrmannsdörfer: Erklär es doch gerne mal kurz. Ja, also wenn ich erzähle, was ich mache, dann bekomme ich immer einen sehr verwirrten Blick, weil das eben ein sehr selten gewordenes Handwerk ist, leider, muss man sagen. Und der Feinteschen ist eine Fachrichtung vom Sattler. Und ja, der beschäftigt sich mit allen Kleinlederwaren, also Taschen, Geldbeutel, Gürtel, sämtliche Accessoires. Da ist die ganze ganze Bandbreite mit dabei. Da wird es nicht langweilig. Okay, also Sattler ist quasi so das der Überbegriff und dann gibt es Unterbereiche. Kann man das so leihenhaft Genau, also das Sattlerhandwerk, das teilt man im Allgemeinen in drei Bereiche auf. Also den Reitsport-Sattler, da ist der Western-Sattler auch mit dabei. Also die kümmern sich alles rund ums Pferd. Die ganzen Sättel, Trensen, Kummete, Geschirre, da ist alles mit dabei. Dann der Fahrzeug-Sattler. der macht alles, rund ums Fahrzeug zu tun ist. Also Dachhimmel, Armaturen, Verkleidungen, Sitze, Lenkrad, etc. da zählt alles mit rein. Und dann gibt's die zwei seltenen Gewerke, einmal den Feinteschner und den Säckler. Und die sind leider so bisschen in Vergessenheit geraten, sind aber wieder im Kommen. Also sie werden wieder bekannter. Ja, toi toi. Okay, woran liegt das? ist dann auch dein Gewerk? den Aufschwung hat? Das ist eine gute Frage. Vielleicht, weil es auch wieder mehr beworben wird. Weil dieses Handmade in Germany doch wieder mehr Bedeutung bekommt, dass die Leute auch mehr reparieren und entsprechend eben dann auch nach Leuten suchen, die da in der Richtung ausgebildet sind. Ganz genau kann ich das auch nicht sagen, aber das ist jetzt so die Beobachtung aus den letzten Jahren, dass es zumindest auch im Ausbildungsbereich deutlich mehr Interessierte gibt, dass es viele Anfragen gibt und Das wäre wünschenswert, wenn es in diesem Gewerk auch wieder Nachwuchs gibt. Gerade wenn es so ein seltenes Gewerk ist. Und klar, glaube, die Industrialisierung und die technische Verarbeitung von Lederwaren, Geldbörsen, Handtaschen etc. Da hat es so ein Handwerk wie die Feinteschnerei jetzt nicht so einfach. Aber du sagst, die Leute legen vielleicht auch wieder mehr Wert auf die Qualität und auf Made in Germany? Ja.

Max Herrmannsdörfer: schon definitiv, nachdem es ja in den 1960er, 70er Jahren so eine ganz, ganz große Welle mit Outsourcing gab, dass sämtliche Produktionen wirklich ins Ausland nach China, Italien oder sonst wohin verlagert wurden, da sind leider sehr, sehr viele deutsche Teschner Firmen dran zugrunde gegangen oder hatten es echt schwer ihren Stand zu halten. Und inzwischen ist es aber so, dass auch viele Kunden für die Herstellung eben eine deutsche Firma suchen. deutsche Hersteller, einfach weil es eben immer noch mit Qualität und hochwertiger Arbeit verbunden wird. Jetzt bist du selbst aber ja in einem sehr kleinen Setting, sage ich mal, unterwegs. Hast du wahrscheinlich nicht die großen Firmen, die großen Aufträge, einzelne Kundenproduktionen? Genau, also ich habe mich spezialisiert auf die Einzel- und Neuanfertigungen und auf den Muster- und Prototypenbau. Also ich bin quasi der Vorschritt zur Produktion. Und wenn die Leute was in großen Serien in Produktion geben möchten, dann habe ich da meine Partner, an die ich weiter verweisen kann, guten Gewissens und Kleinserien, die mache ich tatsächlich auch bei mir im Atelier. Okay, kannst du da mal so ein paar Beispiele nennen, ab wann geht irgendwas in die große Produktion? Wo sagst du, okay, das kannst du noch selbst bewerkstelligen? Das kommt immer ein bisschen drauf an, wie viel auch drumherum den Auftrag los ist. Theoretisch kann ich auch eine Serie mit 100 Stück machen. Aber das kostet mich halt viel Zeit und geht in der Industrie einfach viel, viel schneller. Da sind die Produktionsketten ganz anders gelagert. Da läuft das einfach viel schneller durch als bei mir, sodass der Kunde sein Produkt am Ende ja auch etwas schneller erhält. Genau, ich sag mal, 10, 15 Stück, das mache ich immer gerne selber und alles drüber hinaus, da spricht man dann eben drüber, dass das ausgelagert wird. was für Produkte geht es dann von Biss oder Von Biss, da alles dabei. Also ... Prototypenbau sind es natürlich oft Handtaschen. Ähm, ganze Kollektionen zum Teil. Aber eben auch kleine Lederwaren. Also Geldbeutel, Darmengeldbeutel, Herrengeldbeutel, Visitenkarten-Etouilles, Fahrzeugmappen, letztendlich Stifte-Etouilles der Fantasie sind da eigentlich keine Grenzen gesetzt. Das ist eine riesengroße Bandbreite. Ich sag immer ...

Max Herrmannsdörfer: Wenn die Leute fragen, warum ich nur so eine kleine Auswahl bei mir liegen habe, sage ich immer, wenn ich von jedem Produkt, was ich herstellen könnte, eins fertigen würde, dann bräuchte ich ein riesengroßes eigenes Museum. die Produktauswahl einfach so riesig ist und man kann ja jedes Produkt auch selber noch mal variieren. Die kann man gar nicht alle zeigen. Okay, sehr interessant, weil ich hätte jetzt natürlich auch erst mal an Geldbeutel und Handtaschen gedacht, vielleicht auch noch Kleidungsstücke. Aber dann geht es ja wirklich in jegliche Lebensbereiche, sag ich mal rein, Kippwerk. Was war so das besondersste Stück, das du gefertigt hast? Das ist schwierig, weil jedes Stück ist ja irgendwo besonders. Gerade wenn jemand mit einem Wunsch herkommt und das dann später der Alltagsliebling wird. Ja, ich sag mal das spektakulärste in dem Sinne war eine Kombination aus einer Laptop-Aktentasche. die ein rausnehmbares Innenreißverschluss für A4-Dokumente hatte. dazu passend ein Schlüsseletui und eine Geldbeutel. Okay. Und dann eben personalisiert mit einem Hirsch drauf. Und das Design sollte sich eben durch alle Teile widerspiegeln und in allen Teilen wiederfinden. Und das hat sehr viel Spaß gemacht in der Entwicklung und auch in der Umsetzung. Genau. Du bist dann ... nicht nur die, es ausführt, sondern auch Designerin mehr oder weniger? Im Endeffekt ja. Also wenn Kunden zu mir kommen, dann obliegt es meistens mir zu schauen, was draus gemacht wird. Die sagen dann immer, die wichtigste Frage ist eigentlich, was muss dieses Stück können? Was muss rein? Und dann schaue ich gemeinsam mit dem Kunden, in welches Design man das Ganze schön verpackt. Ja, genau. Und für meine erste eigene Kollektion, die in Planung ist. Da habe ich aber Hilfe von einer ganz wunderbaren Designerin, die ich vor zwei Jahren habe kennenlernen dürfen. Das überlasse ich dann ihr und ich bringe mein handwerkliches Wissen mit ein. Okay, das ist jetzt was Aktuelles, du planst die eigene Kollektion. Genau. Also wir sind erst am ersten Modell, haben aber gesagt, das soll auf jeden Fall noch größer werden, weil uns die Zusammenarbeit auch einfach so viel Spaß macht und wir ganz viel voneinander lernen können. Genau. Und da sind wir gerade

Max Herrmannsdörfer: mit dem ersten Prototypen unterwegs. Der wird jetzt auf Herz und Nieren getestet. Was ist der erste Prototyp? Darfst schon verraten? Ja, ist eine. habe ich dabei. Der muss ja getestet werden. Was hast du dabei? Das ist eine ganz klassische Umhängetasche, aber so eine weiche, knautschige, also aus einem schönen Darf ich mal fühlen? selbstverständlich. sind wir natürlich bei einem Audiomedium. Ich erkläre das jetzt mal so ein bisschen. Also es fühlt sich. Es fühlt sich sehr ledrig an. Was ist es für ein Material? Das ist ein klassisches Velour. Also im Endeffekt in dem Fall die Rückseite vom Narbenspalt. Also quasi, dass Leder einfach verkehrt herum verarbeitet. Okay. Das fühlt sich ein bisschen an wie die Lederhose. Ja genau, kommt dem ganz nah. Nee, ist ein anderes Material. Das ist jetzt Rind. Die Lederhosen sind ja aus sämisch gegerbtem Leder, also aus Hirsch auch. Genau und die Tasche, die lebt jetzt eigentlich von ihrer sehr organischen Form. Also die schmeichelt auch dem Körper sehr. Die fügt sich wie so eine zweite Haut an und liegt da ganz entspannt auf der Schulter. Spannend. Ja, ich sehe hier noch so einen schönen, ist eingestickt oder? Das ist eingebrannt. Ist eingebrannt? Ja, ist eingebrannt. Auch eine Technik, die du dann bei dir in der Werkstatt umsetzen kannst? Genau. Also die Tasche hast du 100 Prozent bei dir befertigt. Genau, vom ersten Design, von der Idee. Die haben wir gemeinsam entwickelt und eben daraus einen Schnitt gefertigt und genau, den ersten Prototypen gebaut, nochmal Änderungen vorgenommen und genau, der finale Prototyp, der darf jetzt dann durch die Weltgeschichte ziehen. Sehr cool. Und genau, wir haben noch ein paar Änderungen, die wir dann eben noch am Schnitt verändern, bevor wir dann eben das finale Modell auch mit in die Kollektion aufnehmen. Durch die Weltgeschichte ziehen heißt? Du fertigst jetzt davon mehrere Stücke oder bist du jetzt die nächsten Jahre oder Monate unterwegs? Wir haben zwei gefertigt, einen für meine Kollegin, einen für mich, weil wir auch gesagt haben, doppelt hält besser und dann kann man verschiedene Erfahrungswerte mitnehmen. gut, meiner war jetzt innerdeutschlands viel unterwegs. Sie hat ihren einfach mit nach Thailand genommen, kurzerhand und hat auch gesagt, das ist also eine gute Ergänzung zum Reisegepäck. Wurdest du schon öfter darauf angesprochen?

Max Herrmannsdörfer: Tatsächlich ja. Also wir sind mal gespannt, wie das dann ankommt, wenn es im Shop ist. Aber bisher haben wir sehr positives Feedback bekommen. Um das Ganze ein bisschen einzuordnen, wie viel Handwerk, wie viel Zeit da drin steckt, wie lange brauchst du, bis so eine Tasche gefertigt ist? Was hat die ungefähr an Größe? ist größer als DIN A4 auf jeden Fall. DIN A3 ist es dann Ja, das kommt hin. Also zu der Ich sag mal der finale, finale Prototyp, wo man dann auch die Zeit im Arbeitsprozess stoppt, der steht halt noch aus. Da schauen wir jetzt, dass wir auch das finale Material besorgen, damit man dann eben auch wirklich den messbaren Wert für die Kalkulation hat. Das war jetzt ein reiner Prototypenprozess. Da haben wir uns einen ganzen Tag Zeit genommen, eben da gemeinsam dran zu arbeiten. Und am Ende haben wir eben zwei Taschen rausbekommen. Ich schätze mal, dass wir bei drei bis vier Arbeitsstunden landen werden. Je nachdem, wie aufwendig man dann das Design noch gestaltet. Also bei dem ist jetzt ein Schriftzug eingebrannt. Wir haben aber auch schon überlegt, dass man designtechnisch weitergehen kann, dass man einen Künstler da ein ganzes Bild irgendwie draufbrennen lässt und das erhöht natürlich dann den Arbeitsaufwand. Aber genau, das ist ein sehr vielseitiges und wandelbares Modell und das gefällt uns da eben auch sehr gut dran. Okay, also die finale Kalkulation, auch was so eine Tasche dann kosten sollte. oder könnt ihr steht bei euch noch aus? Genau, das folgt dann quasi mit dem letzten finalen Prototypen. Da wird dann das Material genau kalkuliert, die Arbeitszeit gestoppt und eben dann bemessen. Genau, Verpackung, Versand, Beschläge, alles was damit rein zählt, die Designarbeit, auch die soll natürlich vergütet werden. Ja, klar. Genau, das kommt dann mit dem letzten Stück. Und das ist jetzt ein Teil aus der Kollektion. Was habt ihr noch geplant für Stücke? Darfst schon verraten? Ganz konkret haben wir noch nichts. Wir haben schon viele Ideen gesammelt. Aber das ist vielleicht eine Kollektion, die sich einfach mit der Zeit entwickelt und dann wächst. Ja, da sind wir mal gespannt, was da noch so kommen wird. Wir sprechen gleich noch weiter über deinen jetzigen täglichen Arbeitsalltag. Mich würde aber mal interessieren, wie du überhaupt dazu gekommen bist. Ich habe bei Instagram gelesen, das stand offenbar in der Abi-Zeitung, dass du schon

Max Herrmannsdörfer: Früher dachtest du, ich möchte mal ein Atelier haben. Wenn ich als Nichthandwerker an ein Atelier denke, dann habe ich eigentlich eher so Kunst-Ateliers im Kopf und weniger das klassische Handwerk. Was waren deine Gedanken damals in der Schule? Wo wolltest du damals hin? Hast du dich als Feintestnerin schon gesehen? Nein, nein. Also wenn mir jemand zu Abi-Zeiten erzählt hätte, dass quasi genau zehn Jahre später dieser Traum vom Atelier wahr wird, ich meinen Meister gemacht habe und ich ein Handwerk gefunden habe, für das ich total brenne und was ich eigentlich wirklich meine Berufung nennen darf. Dem hätte ich einen Vogel gezeigt. Also, sag ich's wie es ist, das hab ich mir selber nicht erträumt. Ich hab mein Abi nur gemacht, weil ich keinen Plan hatte, was ich sonst machen soll. Na ja, und nach den drei Jahren ... war der Plan nicht weiter ausgereift, weil das in der Schule auch immer so bisschen schwierig ist mit Berufsorientierung. Also bei uns war es so, dass eben auch nur Studiengänge vorgestellt wurden. Ja, same. Ja, ich habe dann mich mit einer Freundin aus dem Kunst-LK auf den Studiengang auch beworben, Kommunikationsdesign. Wir haben die Mappe fertig gemacht. Wir waren dafür, dass, ja, ich sag mal für die Aufnahmegespräche. Und dann saßen wir in diesem Hörsaal zur Begrüßung. Und nach fünf Minuten haben wir uns angeguckt. Und sie guckt mich an, ich guck sie an. Und sie sagt einfach nur, ich glaub, wir sind hier falsch. Und ich so, ja, lass eine Ausbildung machen. Ihr habt das beide gefühlt tatsächlich. Und genau, sie hat dann eine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht. ja, ich hab mich dann auf die Suche gemacht, was ich denn machen möchte, weil ich einfach, ja, ich sag mein Anführungszeichen, das Problem hab, dass ich gerne kreativ arbeite und super, super weit und vielfältig interessiert bin, was das Handwerk angeht. Ich wollte mich eigentlich gar nicht festlegen, aber das muss man halt nun mal. Es gibt keinen Beruf, der irgendwie alles vereint. Und dann hab ich das Glück gehabt, dass meine Eltern gesagt haben, weißt du was, du machst jetzt ein Berufsorientierungsjahr. Andere machen den FSJ oder ein Auslandsjahr. wir würden dir ermöglichen, dass du eben ein Jahr lang verschiedene Praktika machen kannst, damit du eben in verschiedene Berufe reingucken kannst.

Max Herrmannsdörfer: Und dann hab ich von bis mir alles angeschaut. Ich war beim Goldschmied, bei einem Schreiner. Ich war in einer Kostümschneiderei für Maskottchen. Also die, die auf dem Fußballfeld immer laufen. war auch sehr interessant. Dann war ich noch bei einem Metallschmied. Hab mir noch viele andere Berufe angeschaut und bin letztendlich in einer Reitsport-Sattlerei gelandet. Die hatten in Kombination auch eine Fahrzeug-Sattlerei dabei. das war auch ein ganz, ganz tolles Praktikum. Die hätten mich auch genommen. Und ich hab aber gesagt, irgendwie Sättel sind nicht mein Ding. Also, ich reite selber nicht, ich voltigiere. Da nutzt man ja einen Gurt und keinen Sattel. anatomisches Pferdewissen, ein bisschen ist da. Klar, da lernt man auch viel in der Ausbildung, aber ... das hat mich nicht ganz abgeholt. Aber ich hab in diesem Praktikum gemerkt, ich hab mich total in das Material verliebt. ... dann hab ich eben gesucht und selber gegoogelt, was es denn für Lederverarbeitende Berufe gibt. Und dann bin ich nach einiger Suche auf den Feintechner gestoßen und dachte so, ach, wie cool, lass mal da eine Ausbildung machen. Und dann kam das nächste Problem. Es gibt kaum noch Ausbildungsplätze. Also gerade in NRW, in deinem Heimatgebiet, da gab es keinen Betrieb? Doch, es gab einen. Ich hab dann in einem kleinen Atelier eben auch in einer kleinen Manufaktur noch mal ein Praktikum gemacht. Die hätten mich auch ausgebildet und dann hat sie aber leider krankheitsbedingt kurzfristig vorher ihren Laden schließen müssen. war total schade. Ja, und dann stand ich halt wieder an dem Punkt, suche ich deutschlandweit oder mache ich irgendwas ganz anderes. Die Frage wäre wieder gewesen, was? Und irgendwie, irgendwie habe ich da schon mein Herz verloren gehabt und habe gesagt, ich versuche das jetzt mal. Dann kann ich wenigstens sagen, Wille war da, ich habe es versucht und dann habe ich deutschlandweit gesucht. Und dann habe ich letztendlich, ich glaube, 50, 60 Betriebe ganz deutschlandweit angeschrieben, die mit Leder arbeiten. Also auch Sattlereien, Fahrzeug-Sattlereien, alle in der Hoffnung, dass die mir irgendwen nennen können, der noch eine Ausbildung zum Feinteschner anbietet. Und dann hatte ich zwei Angebote, eins in Frankfurt und eben eins hier im Allgäu. Und dann habe ich mich eben für meinen damaligen Ausbilder den kleinen Familienbetrieb entschieden. Boah, krass. Da steckt wirklich viel Energie dann drin.

Max Herrmannsdörfer: zu der Zeit und 60 Bewerbungen deutschlandweit zu verschicken und immer zu hoffen, okay, hat irgendjemand irgendwas? Boah, ich stell's mir hart vor. Ja, war's auch. Eine sehr intensive Zeit, aber es hat sich gelohnt. Ich muss sagen, ich würde den Weg jedes Mal wieder gehen. würde den Aufwand jedes Mal wieder auf mich nehmen. Einfach weil es ein total tolles Handwerk ist, was ich jeden Tag mit Freude ausübe. Und ja, was gibt's Schöneres als jeden Tag motiviert zur Arbeit zu gehen. Der Betrieb in Bergheim, war dann auch eine kleine Manufaktur. Genau, das ist Göppellederwahn, ein sehr traditionsreicher Betrieb, seit inzwischen über 65 Jahren in dem Gewerk vertreten. Und da habe ich das Glück gehabt, dass ich eben in der Ausbildung auch sehr schnell im Musterbau gelandet bin. Das heißt das, was du jetzt machst? Genau das, was jetzt ein bisschen auch mein Steckenpferd ist. Da habe ich viel Erfahrung sammeln dürfen und eben auch viele verschiedene Sachen gesehen. Das ist einfach der beste Lehrmeister gewesen. Die Ausbildung ging dann drei Jahre. Hast du die komplette Zeit gemacht oder hast du verkürzen können? Genau, regulär geht die drei Jahre, weil ich ja Gott sei Dank mein Abi machen musste. Ein Vorteil hat es dann doch gehabt. Genau, habe ich verkürzen können und das habe ich dann auch gemacht und genau, habe dann eben den Gesellenbrief in der Hand gehabt und dann beschlossen, dass ich den Meister noch machen möchte. Wie lange ist das jetzt her? Also wann hast du die Ausbildung gestartet? Gestartet habe ich 2018 und fertig war ich dann 2020, also quasi gerade zu Corona. Genau, und dann habe ich ziemlich direkt den Meister dran gehangen. Wo kann man in der Feintechner Handwerkt den Meister machen? In Meinburg, wo auch die Berufsschule ist. Ist das einzige Standort für die Kurse? Ja, für den Meisterkurs schon. Die Berufsschule ist auf zwei, zweieinhalb Standorte verteilt. Es gibt noch eine in Herford oben. Da wird quasi die gesamte nördliche Hälfte Deutschlands zusammengezogen und eben Meinburg im Süden. Da kommt dann der gesamte südliche Teil hin. Und es gibt noch eine Schule in Stuttgart, aber die nehmen nicht so gerne Feinteschner, weil die da eben nur nebenher mitlaufen und es da keine fachlichen Lehrer für gibt. Wo liegt Meinburg? Was ist da die nächstgrößere? Das liegt...

Max Herrmannsdörfer: im Dreieck von München Ingolstadt und Freising. Geografisch müsste das ganz gut hinkommen. Ja, also dann von Berghain aus auch relativ gut zu erreichen. Hast du den dann in Vollzeit dort gemacht, den Meister? Oder neben dem Beruf? Ja, die Teil 1 und 2, also das fachtheoretische und das praktische, das gibt's nur im Monatsblock. Das sind dann zweieinhalb, drei Monate mit den Prüfungen. Und die anderen Teile, da ist man ja dann frei in der Auswahl, ob man die in Freizeit, in Teilzeit oder in Vollzeit machen möchte. Und wie hast du es gemacht? Den Ausbilderteil, also Teil 4 in Vollzeit. Das war so zwei Wochen Crashkurs und dann zwei Wochen Pause und dann die Prüfung. Das habe ich über die Kreishandwerkerschaft gemacht und dann eben nochmal Teil 3, der betriebswirtschaftliche Teil, den habe ich dann in Teilzeit gemacht, weil das eben doch sehr, sehr viel auch völlig fremder Stoff ist, mit dem man so noch nicht viel zu tun hatte. da fand ich es ganz nett, dass man immer so bisschen Zeit hat, alles wieder aufzuarbeiten. Okay. Wie ging es dann nach deiner Meisterprüfung weiter? Warst du dann noch in Bergheim in Betrieb? Nee, das war quasi dann mein Abschluss. Und dann bin ich weitergezogen in ein junges Start-up in Mannheim. Hab dann tatsächlich im Homeoffice arbeiten dürfen. Hast du das Allgäu wieder verlassen quasi? Nein, nein, nein. Ich bin dem Allgäu treu geblieben. Nur mein Arbeitgeber war in Mannheim. Und da war ich jetzt für zwei Jahre. Und da war das Besondere, dass ich eben sehr, viele Einblicke in nachhaltige und vegane Materialien bekommen habe. Also vieles, was auch noch gar nicht auf dem Markt war. Da haben wir Produkttests gemacht, Materialtests und da so ein bisschen in der Entwicklung mitgeholfen. in dem wir da Feedback gegeben haben nach der Verarbeitung. Das war auch eine sehr, sehr spannende und lehrreiche Zeit. genau, jetzt bin ich eben in meinem Lederatelier im Allgäu und hab da aber auch, ich sag mal, zwei Standbeine. Ich bin nämlich zusätzlich noch in Teilzeit für die Liebe Franzi von Frau Barmer angestellt. Die ist auch selbstständig, gelernte Feinteschnerin und in Potsdam. Und auch für sie mache ich jetzt im Homeoffice dann eben Aufträge. Ach, cool.

Max Herrmannsdörfer: Genau. Also du arbeitest mit einer anderen Feinteschnur Meisterin zusammen. Also sie ist keine Meisterin, aber auch gelernte Feinteschnurin und das ist halt einfach im Arbeitsumgang total toll, weil sie weiß, wie viel Aufwand da drinsteckt. Man muss nicht groß erklären. Sie schickt halt Reparaturen und schreibt dazu Ja, mach was du meinst, was gut passt. Und das ist einfach total toll, da auch das Vertrauen entgegengebracht zu bekommen. okay. Deine Arbeit, erklär's gern mal, wie sie sich dann aufteilt. Also du bist jetzt in Leutkirch oder in Nähe von Leutkirch in der Allgäuer Genussmanufaktur. Vielleicht bleiben wir da einmal. Die Allgäuer Genussmanufaktur ist ja ein ganz spannendes Konzept. Da sind verschiedene Gewerke unter einem Dach. Erklär gerne mal, wie ist das Ganze aufgebaut? Was steckt da dahinter? Genau. Also die Idee von der Allgäuer Genussmanufaktur ist einfach, dass man das Handwerk und das Genuss- und das Kunsthandwerk in der Region fördert. und eben auch den Leuten zeigt. Die Allgäuer Genussmannervogtur wurde von einer Genossenschaft gegründet, dieses Gemeinschaftsgefühl und das Prinzip noch mal zu unterstreichen. Es gibt verschiedene Räumlichkeiten. Es gibt Handwerker, die sich dort fest eingemietet haben, so wie ich zum Beispiel. Oder meine Nachbarin, die Sabine Wieler, die ist Goldschmiedin. Auch ein ganz tolles Gewerk. Wir sind zum Beispiel Teil ... also fester Bestandteil der Manufaktur. Und es gibt aber auch Wanderboxen eben für all jene, die über eine Zeit mal ihr Gewerk ausstellen und präsentieren möchten und eine Verkaufsfläche möchten, ohne dass man direkt ein Ladengeschäft eröffnen muss. Und man zahlt drei Euro Eintritt, damit eben die Mieten für die Künstler und die Handwerker dort möglichst gering bleiben, einfach das Handwerk auch ein bisschen zu fördern. Okay, und die Besuche? Die kommen von egal woher, sich einfach das Handwerk anzuschauen, vielleicht so speziellere Stücke auch zu sehen. Manufakturen sind ja sowieso immer eigentlich besonders. Genau, also es ist alles sehr individuell, sehr kundenorientiert im Sinne von der Einzigartigkeit, die wir bieten, dass man eben auf Wünsche zu 100 Prozent eingehen kann und der Kunde keinen Kompromiss eingehen muss.

Max Herrmannsdörfer: Also eben diese Einzelanfertigungen, die Individualität, das wird da ganz groß geschrieben. Und letztendlich kommen die Leute tatsächlich aus ganz Deutschland. Viele Urlauber kommen her. Es ist der Center Parks in der Nähe. Da gibt es auch dann regelmäßig Führungen. Also nicht nur für die Center Park Gäste, auch jeder andere ist herzlich willkommen, sich da bei einer Führung mal anzumelden und mehr über das Gebäude und eben auch über die ganzen Hand- und Genusswerke zu erfahren. Genau und das ist eine ganz, ganz tolle Sache. Also es läuft so ab, du mietest dir deine Räumlichkeiten, dein Atelier und du finanzierst dich aber dann durch die Kundenaufträge, die bei dir durch den Laden marschieren, durch das Atelier marschieren. Genau. Okay. Mit was für Anliegen kommen die Leute so zu dir? Wie läuft das ab? Also da ist von bis alles dabei. Viele kleine Reparaturen, sei es, dass man mal eine Naht nachnäht oder irgendwo was repariert. Abgerissene Hänkel gibt's häufig, Löcher im Innenfutter, die man dann flickt oder das Innenfutter erneuert. Bis hin zu, grad über Franzi bekommen wir ganz, ganz viele Luxushandtaschen. Mhm. Also Louis Vuitton, Gucci, Hermès und Co. Okay. Die werden dann oft auch eben komplett restauriert. Also im Endeffekt einmal komplett auseinandergenommen, die Lederteile erneuert und dann eben wieder zusammengesetzt. Genau, und dann ist eben noch das Standbein mit den Einzelanfertigungen. Da kommen dann eben auch viele Wünsche zusammen. Da ist eine ganz, ganz große, tolle, vielfältige Bandbreite dabei. Ich hatte zum Beispiel eine Kundin, hat drei ihrer Lieblingstaschen mitgebracht. Und an jeder hat sie was gestört, sodass sie die doch nicht so richtig getragen hat. Ja, und dann kam sie und brachte die mit. Und hat mich gefragt, ob wir daraus ein neues Modell formen können. drei Taschen? Genau. Dann haben wir tatsächlich diese drei Taschen zu ihrem neuen Lieblingsstück fusioniert. den Henkel von der einen, die Innenfutteraufteilung von der zweiten und die Korpusform von der dritten Tasche. genau, seitdem trägt sie dieses Modell ganz stolz und jeden Tag. Und das ist einfach schön, jedes Mal die Kunden mit glücklichen Augen und einem Strahlen das Atelier verlassen zu sehen. Ich kann mir vorstellen, dass das dann auch so die Momente sind, wo du selbst auch einfach stolz bist oder wo es dich selbst noch mal drin bestärkt.

Max Herrmannsdörfer: dass du richtigen Weg da gewählt hast. Definitiv, ja. Das sind einfach die schönsten Momente. Vor allem, dann nach einer Woche unverhofft noch mal eine E-Mail kommt, so, ja, vielen, vielen, lieben Dank noch mal. Ich nutze das total gerne und bin total froh, dass wir das gemacht haben. ja, das ist einfach schön, da so positives Feedback immer zu bekommen. Grad auch, wenn man alte Lieblingsstücke erhält, also so Erbstücke von der Oma oder einfachen Ja, Alltagsbegleiter, den man total lieb gewonnen hat und den man eben nicht wieder hergeben möchte. Die erhalten zu können, das ist einfach total wertvoll. Wie sieht es denn auftragsmäßig aus? Also hast du einen Vorlauf? Bist du gut ausgelastet oder bist du abhängig von der Laufkundschaft, die dann durch die Algoia Genussmanufaktur läuft? Also zusätzlich zu dem zweiten Standbein mit der Franzi. Wie läuft das ab? Wie viel Vorlauf hast du? Also das ist tatsächlich ein bisschen im Wechsel. Also mal ist mehr zu tun, mal weniger. Gefühlt kommt das immer so wellenartig. Manchmal wär's nett, wenn es sich besser verteilt. Aber gut, so ist das in den freien Zeiten. Da kann man dann eben an eigenen Sachen werkeln. Genau, und es ist aber tatsächlich meistens so, dass eher Kleinigkeiten vor Ort gekauft werden. Also zum Beispiel so Schlüsselanhänger, die man als Mitbringsel oder als Urlaubserinnerung mitnimmt. Genau, und die Leute ... Die dann viel. Die fragen über das Handwerk, über die Sachen, die ich machen kann. Und dann kommt man eben ins Gespräch, und von denen kommen dann hinterher die Aufträge. dass die eben sagen, ich hab noch eine Tasche daheim, da sind die Kanten total abgenutzt, können wir die vielleicht noch mal nachfärben? Oder eben der klassische Fall, dass irgendwo eine Naht sich gelöst hat und man die dann nachnäht. Dass, ja, die schicken das dann zu und ... Das meiste läuft über den Weg. Es eher weniger ein Vor-Ort-Verkauf, sondern vor Ort ist für mich mehr eine Werbung. Also, dass man den Leuten das Handwerk näherbringt, dass die auch einen Einblick hinter die Kulissen bekommen, wie viel Aufwand hinter einem Geldbeutel steckt. Das ist ja so ein Gegenstand, den man klassisch jeden Tag benutzt und in der Hand hat. Für den man meistens, ehrlich gesagt, wenig Wertschätzung übrig hat und ...

Max Herrmannsdörfer: Genau, da können die Leute eben in die Produktion mal reinschauen und dann die einzelnen Arbeitsschritte eben miterleben. Ermutigst du die Leute dazu, reparieren, anstatt wegzuwerfen? Ja, auf jeden Fall, auf jeden Fall. bei manchen Sachen muss man immer schauen, dass es sich eben kostennutzentechnisch im Rahmen hält, dass es sich rentiert. Aber gerade bei wirklichen Erb- und Lieblingsstücken, da sind die Leute auch dann bereit eben Geld zu bezahlen für die Reparaturen, ja dann wirklich sehr zeitaufwendig sind, weil man eben das Stück meistens komplett auseinanderbauen und eben reparieren und wieder zusammensetzen muss. Ja, und es ist aber total wichtig, weil es einfach ja auch ein großer, großer Beitrag zur Nachhaltigkeit ist, mal von dem emotionalen Wert abgesehen. Von dem her bewerbe ich das total gerne. lasst eure Taschen reparieren, gerne auch beim Feintäschner, damit die Reparatur dann auch fachgerecht bleibt. Genau. Leder ist ja eigentlich schon auch sehr widerstandsfähig und ein sehr starkes Material. Ich kenne es von der Lederhose zum Beispiel. bin viel, also ich bin selbst Musiker und viel auf Bühnen auch unterwegs und da muss eine Lederhose auch manchmal was mitmachen. Also an sich eigentlich ja schon ein Material, was viele Jahre überdauern kann. Ja, also zum Teil Generationen. Genau, wenn Leder richtig gepflegt wird und vor allem auch regelmäßig gepflegt wird. dann kann man das an seine Enkel weiter vererben. da, wie gesagt, Erbstücke sind häufig dann auch da eben zur Pflege oder kleine Schönheitsreparaturen zu machen. Und ja, Leder ist einfach total widerstandsfähig. Also selbst wenn man es für einen Geldbeutel zum Beispiel auf 0,5 Millimeter runterspaltet. Was möglich ist? ja. Also es geht bis 0,1 Millimeter. Krass. Das ist ja fast unverstellbar, dass man so dünn tatsächlich... Wie nennt man es dann? Zerschneiden, zerteilen, spalten. Also quasi auf der gesamten Fläche dünner machen. Und in der Meisterschule wurde das liebevoll als Taschentuch betitelt, mit dem wir da arbeiten würden. Ja, ja. Okay. Du hast gesagt, Leder hat es dir angetan als Material. Warum? Was war das, was dich an Leder so begeistert hat? das ist ganz schwierig, das in Worte zu fassen. Es ist ein...

Max Herrmannsdörfer: sehr vielseitiges Material in der Verarbeitung zum einen. Vor allem weil man es ja auch super vielfältig mit anderen Materialien kombinieren kann, sei es Holz, Stoff, in jeglicher Form kann man da kreativ werden. Und das andere ist einfach, ich sag mal so eine Sinnesache. ist einfach Leder hat eine tolle Haptik, gerade so naturbelassenes Leder, das ist, bildet ja auch eine Patina, erzählt eine Geschichte. Es riecht, ja es sieht schön aus, es ist so ein Rundum Erlebnisse für die Sinne. Und so kommen die Leute tatsächlich auch ins Atelier. Viele stehen vorne am Eingang, nehmen eine tiefe Nase und sagen, boah, hier riecht es richtig gut nach Leder. Ich selber rieche das leider meistens nur noch, wenn ich die Türe aufschließe. Danach ist man ja selber quasi Teil davon und lebt darin. Aber das ist schön, dass die Leute das eben auch so wahrnehmen. Und ganz viele stehen dann auch draußen und ich hab so Chopper. auch relativ weich sind aus einem ganz ganz tollen Leder hier aus dem Allgäu und da stehen die dann auch und fühlen und das ist aber das ist ein wirklich schönes Leder und das ist einfach schön zu sehen, dass die Leute diese Begeisterung durchaus auch teilen. Leder ist ja in manchen Bereichen nicht ganz unumstritten vom Material her. hast vorher auch schon erwähnt, du hattest auch schon mal mit veganen Leder-Alternativen zu tun. Wie ist da die Entwicklung? Ist das vergleichbar oder wie schätzt du das ein? Es ist in dem Sinne nicht vergleichbar, weil es einfach anders ist. Man muss auch dazu sagen, es gibt nur sehr wenige vegane Materialien, die dann halt auch wirklich erdölfrei sind. Weil dann ist es eigentlich schon ein Kunstleder, wenn es auf Erdölbasis ist. Und es gab vor allem zwei Materialien. mit denen wir gearbeitet haben. Das eine war auf Naturkauschukbasis. Und das andere war tatsächlich ein gewachsener Pilz, ein Mycel, was dann auch wie eine Lederhaut gegerbt wurde. Und da muss ich sagen, ich hoffe, sie entwickeln das Pilzleder weiter. Also ich betitele es mal so. Weil das tatsächlich in der Verarbeitungsart, wie man es nutzen konnte ...

Max Herrmannsdörfer: zu 99 Prozent an Leder rankommt. Krass. Das war total faszinierend. Und ich bin ja begeisterter Ledervertreter und arbeite sehr gerne damit. Aber das kam von Haptik, vom Verhalten in der Verarbeitung. Man konnte es spalten und schärfen, auch ganz dünn. Man kann es einschlagen, ganz wunderbar. Aber es war halt leider sehr instabil in sich selbst. ohne Verstärkungen hat das leider nicht so gut funktioniert. Aber da ... sehe ich schon eine Zukunft und das ist auch was, wo die Branche sich mehr öffnen müsste. Mal ein bisschen neugieriger sein, nicht immer so, ja, das haben wir schon immer so gemacht, alles andere ist böse oder schlecht. Wäre jetzt vielleicht bisschen übertrieben, aber ja, das ist ja dann oft so diese klassische Einstellung. Man hält an traditionellen Fest. Ja, genau. Und es ist nicht alles schlecht, was neu ist. Es ist vor allem ja auch spannend, so eine Entwicklung mitzusehen. Da müsste man einfach bisschen offener sein. Also könntest du dir auch mal vorstellen, mit solchen Alternativen zu arbeiten, wenn sie denn die richtige Qualität, sage ich mal, hergeben? Genau, wenn sie dann verarbeitet auch langlebig sind, dass man sie eben lange Zeit nutzen kann, ohne dass irgendwie nach einem Jahr schon irgendwie Probleme auftreten, dann bin ich da dabei. Dann kann man das gerne mit ins Sortiment aufnehmen. Was sind denn für dich persönlich so die nächsten Ziele? Ich denke... Die Kollektion ist schon mal ein Ding, wo du sagst, ja, da wird es hingehen. Hast du noch irgendwelche Pläne für die nächsten Jahre, wie du deine Manufaktur, dein Atelier ausrichten möchtest? Ja, das kommt jetzt alles erst mit der Zeit, weil das Atelier ist ja jetzt erst, also selbstständig bin ich ja schon länger im Nebenerwerb, aber das Atelier ist ja jetzt erst seit April frisch eröffnet und Ganz vieles kommt jetzt auch einfach so durch Zufall, wie eben jetzt hier heute unser Gespräch. Ich bin im Herbst auf Norderney bei den Beachside Classics als Ausstellerin unterwegs und darf da eben meine Produkte und mein Gewerk präsentieren. Es kommt gerade ganz, ganz viel zusammen. Da muss ich selber erst mal so ein bisschen das sortieren und auch realisieren, was da so alles passiert. Aber ich glaube eben, ich möchte da einfach, ja

Max Herrmannsdörfer: die Kollektion weiterentwickeln. Ich habe eine ganz, ganz lange Liste an Sachen, die ich schon immer mal ausprobieren wollte. Vielleicht schaffe ich es ja mal, irgendwie vorzuführen. genau, auch mit der Franzi sind wir da ganz großen Plänen auf der Spur. Zu viel will ich gar nicht verraten. Kannst du ein oder zwei Sachen vielleicht verraten, was steht so auf so einer Liste der Dinge, die du gerne mal ausprobieren möchtest? Einfach gemeinsam wachsen und vielleicht auch ausbilden, um einfach das Wissen weiterzugeben. Wir haben auch gesagt, gemeinsam kann man da ganz, ganz viel erreichen. Das ist immer schöner ein Miteinander zu haben als ein Gegeneinander. Und ja, also die Ausbildung ist von uns beiden ein Traum. Mal schauen, wo das hingeht. Wäre auf jeden Fall schön da einfach jemandem dieses Handwerk beibringen zu können und den fit zu machen für die Zukunft. Gerade in so einem Gewerk, was vielleicht nicht auf auf den Top 10 oder Top 5 der Handwerke steht aktuell. Da ist Bewusstsein zu schaffen für diese Branche, dein Gewerk. Das kann, glaube ich, sehr wertvoll sein. Und ich kann mir vorstellen, viele junge Menschen, die suchen etwas, sie was mit anfangen können, wo sie einen Wert drin sehen. Und gerade wenn du jetzt die Kundenerlebnisse auch schilderst, du schaffst wirklich Werte für die Leute. Ja, man begleitet ja den gesamten Prozess. Und das ist auch das, was ich eben an der Arbeit so liebe, dass man von der ersten Idee über eine konkrete Skizze dann zum Schnitt die gesamten Fertigungsschritte, also sei es der Zuschnitt, das Verkleben, Einschlagen, ja gut, vorhin noch Spalten schärfen, vernähen in verschiedenen Arbeitsschritten bis hin zum fertigen Produkt. Das ist einfach schön. Also das hat man ja selten, dass man wirklich als einzelne Person ... wirklich das Produkt in seinem gesamten Reiseweg, sage ich mal, von der Fertigung begleiten darf. ja, das ist einfach schön. Was würdest du denn sagen, was macht dein Gewerk für dich besonders? Was macht es wirklich aus? Schwierige Frage. Ja, für mich ist es einfach eine Berufung. Das ist ein Handwerk, für das ich brenne, ein Material, was ich liebe.

Max Herrmannsdörfer: Arbeit, die vielfältiger nicht sein könnte. Da ist von bis ja alles dabei. Man macht Kunden glücklich. Was gibt es Schöneres? Ja, man kann sich jeden Tag irgendwo ein Stück selbst verwirklichen. Und ja, ich glaube, das macht es aus. Judith, ich habe zum Abschluss noch so einen kleinen Abschlussblock. Wir haben Fragen, die stellen wir allen unseren Gästen und Gästinnen in unserem Podcast. Erst die Frage, wenn du mal die Möglichkeit hättest, mit jemandem zu tauschen, mal einen Tag, eine Woche in den anderen Beruf, ein anderes Leben mal reinzuschauen. Ganz egal aus welchem Bereich, mit wem würdest du gerne mal tauschen? Ai, ai. Das wäre eine lange Liste. okay. Weil, wie gesagt, ich habe mich ja schon vor, bevor ich mich jetzt für den Feintechner entschieden habe, für viele verschiedene Berufe interessiert. Ich glaube, ich würde nochmal zum Goldschmied gehen. War das auch so ein Gewerk, was dich fast gehabt hätte? Fast. Ja, ich weiß gar nicht, was dann letztendlich irgendwie ausschlaggebend war, dass ich gesagt habe, ich mache es nicht. Aber ja, ich würde mir den Goldschmied nochmal anschauen. Okay, also mit einer Goldschmiedin. Einmal tauschend da, einmal den Beruf reinschauen. Ich sage mal, du hast es ja nicht so weit von deinem Atelier. Das stimmt, ja. Ich müsste die Sabine mal fragen, ob sie vielleicht einen… ein Takt Praktikum machen. Ja, genau. Ja, okay, sehr cool. Aber da bist du ja wirklich in der Genussmanufaktur, hast dich mit verschiedenen Gewerken auch zu tun und ihr trefft euch ja vermutlich, lauft euch unweigerlich über den Weg. Von daher, okay, vielleicht ergibt sich ja mal was. Die nächste Frage. Wenn du eine Sache im Handwerk sofort ändern könntest, was wär's? Das ist schwierig, das sofort zu ändern, weil das eher mit, nicht mit dem Handwerk direkt zu tun hat, sondern mit den Leuten. Es wäre mehr Wertschätzung fürs Handwerk, egal welches Gewerk, egal welche Arbeit. Ohne Handwerk läuft eigentlich nichts. Wie sagt man immer so schön? Der Architekt kann das Haus auch nur bauen, weil er die Handwerker hat. Klar, ist immer ein Miteinander, aber ja, die Wertschätzung ist manchmal doch sehr gering oder fällt da unter den Tisch. Und das wäre einfach schön, wenn jeder Handwerker da wieder mehr von erfahren darf. Auch da trägt er dann die

Max Herrmannsdörfer: Eigeräugenussmanufaktur als Beispiel zu bei, weil da das Handwerk und auch kleine Gewerke eben präsentiert werden können. Genau. Also ich hoffe da ganz fest darauf, dass sich das wandelt und ich habe auch so das Gefühl, dass sich das in der Gesellschaft wieder etwas wandelt und das auch in den Schulen das mittlerweile mehr Thema ist. Ja zum Glück. Also gerade die Schulen greifen ja auch die Berufsausbildung inzwischen viel mehr auf. Es gibt ja zum Beispiel auch von den Handwerkskammern Ausbildungsbotschafter. Das habe ich selber eine Zeit lang gemacht. Da geht man in die Schulen, wenn Berufsberatung ist. Und neben dem Studiengang wird dann eben immer auch das Handwerk vorgestellt. Und ich glaube, ihr mit eurem Podcast leistet ja auch einen großen Beitrag oder mit dem Handwerkradio. Wir hoffen es. Einfach da verschiedene Einblicke zu bekommen und eben auch zu sehen, was steckt eigentlich alles dahinter. Das hilft ja auch viel für das Verständnis. Ja, Judith, eine Frage, die schließt vielleicht auch an die Frage nach deinem Gewerk an, was es für dich bedeutet. oder was es ausmacht. Wenn du mal auf das Handwerk allgemein guckst, fass es gerne noch mal in ein, zwei Sätzen zusammen. Was bedeutet das Handwerk für dich? Einfach alles. Es ist eine große Leidenschaft. Man schafft etwas. Es ist ein Handwerk. ja, man arbeitet mit seinen Händen, man schafft ein Produkt und eben dieses von Anfang bis Ende begleiten im Prozess. Das ist einfach eine ganz feine Sache. Ich habe zum Abschluss noch vier Begriffe. Bitte bitte auch kurz und knapp auf diese Begriffe zu antworten. erste Begriff. Was ist für dich Heimat? Eher eine Person als ein Ort. Das heißt da, wo die Person ist, fühlst du dich wohl. ist für dich Heimat. ja, so Bekannten und Familienkreise, mein Freund. Das ist für mich mehr Heimat als ein Ort. Hast du irgendein Vorbild? gute Frage. Nee, konkret nicht. Aber jeder erfolgreiche Unternehmer, jede erfolgreiche Unternehmerin. Von denen kann man viel lernen. Also das würde ich ganz allgemein halten. Konkret kann ich da jetzt aber niemanden benennen. Ist fein, ist fein. Nehme ich gerne so mit. Gut. Was ist für dich Glück? Einen Job zu haben, den ich liebe. Das ist so ziemlich das größte Glück, was man haben kann. Glaub ich. Der letzte Begriff. Hast du irgendein Motto? Ja, einfach mal machen könnte gut werden für mein Leben.

Max Herrmannsdörfer: Das hat sich auch in der Vergangenheit gezeigt, dass man manchmal eben auch einfach über seinen eigenen Schatten springen und mutig sein muss. Meistens funktioniert es immer irgendwie, es fügt sich. Ja und für die Arbeit, ich sage immer ganz vorsichtig, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, man findet für alles eine Lösung. Das glaube ich, grad wenn man in der Manufaktur tätig ist und wenn man mit einzelnen Lieblingsstücken zu tun hat, dann findest du die Lösungen. Genau, so sieht's aus. Judith, ich danke dir ganz recht herzlich, dass du heute hier zu Gast warst bei uns bei Handwerk erleben und im Studio. War auch mal wieder schön für mich, jemanden hier im Studio sitzen zu haben. Dir weiterhin ganz viel Spaß in deinem Handwerk und ganz viele schöne Lieblingsstücke für deine Kundinnen und Kunden. Danke dir. Danke dir. Vielen lieben Dank für die Einladung. Es war mir eine Freude. Danke. Mach's gut Judith. Tschüss. Ciao. Dann abonniere diesen Podcast, keine Folge mehr zu verpassen. Wir freuen uns auch über eine 5-Sterne-Bewertung bei deiner Podcast-Plattform. Dieser Podcast ist eine Produktion der Handwerker Radio GmbH. Weitere Informationen findest du unter www.handwerker-radio.de

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