#172 Tamina Beckerat & Jürgen Christian, was verbindet Deutschland – und welche Rolle spielt das Handwerk dabei?
Shownotes
Was verbindet Deutschland – und wie gelingt echter Dialog in einer Zeit, in der viele Diskussionen immer schneller in Gegensätzen enden? Für das ARD-Format „Was Deutschland verbindet“ kamen 84 Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten zusammen, um genau darüber zu sprechen. Mit dabei: Malermeisterin Tamina Beckerat und Fliesenlegermeister Jürgen Christian, die stellvertretend für das Handwerk ihre Perspektiven in die Diskussionsrunden einbrachten.
Im Podcast erzählen beide von ihren Erfahrungen hinter den Kulissen, bewegenden Begegnungen und kontroversen Debatten. Es geht um Gleichberechtigung im Handwerk, Vorurteile gegenüber Frauen auf der Baustelle, Migration, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Frage, warum Zuhören oft wichtiger ist als Rechthaben. Eine Folge über unterschiedliche Meinungen, persönliche Erkenntnisse – und darüber, was Handwerkerinnen und Handwerker in gesellschaftliche Debatten einbringen können.
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Max Herrmannsdörfer: Handwerk erleben. Podcast mit den spannendsten Geschichten aus dem Handwerk und darüber hinaus. Was verbindet Deutschland? Über diese Frage haben im Mai in Leipzig und in Baden-Baden 84 Menschen stellvertretend für 84 Millionen Einwohner für ein Fernsehformat der ARD diskutiert. Zwei von ihnen sind heute bei mir zu Gast im Podcast und damit ganz herzlich willkommen bei Handwerk erleben. Ich bin Max Hermannsdörfer. und ich begrüße heute ganz herzlich Malermeisterin Tamina Beckerath und Fliesenleger-Meister Jürgen Christian. Hallo Tamina und Hallo Jürgen, grüße euch. Hallo Max. Hallo Max. Schön, dass ihr euch die Zeit nehmt und mit mir so bisschen über dieses Format der ARD quatscht. Ich hab's mir selbst angeguckt und wir werden da gleich auch in die Details gehen. Was Deutschland verbindet, das ist der Überbegriff dieser Name dieses Formats. Jetzt die Frage an euch. Das ist jetzt ungefähr vier Wochen her. Hat sich seitdem in eurem Alltag irgendwas verändert? Tamina? Es kamen sehr, sehr viele Anfragen von Zeitung, Fernsehen und Podcast. Und man muss das abarbeiten können. So langsam kommt man von seinem Höhenflug runter, dass man jetzt ein Fernsehstar wird. Nein, also das war für meinen Mann, glaube ich, auch ganz gut dann zu akzeptieren. fand das ganz gut und Ja, aber man wird halt präsenter. Es kam bei Instagram ganz viele Nachrichten, dass die Leute das total gut fanden und meine Redebeiträge auch total mitgefühlt haben und mich da auch unterstützen. Also es war schon mal ein Erlebnis und ich es war für meinen Betrieb eine gute Sichtbarkeit. Ja, sehr schön. Also ist natürlich nichts Alltägliches, in so einer Fernsehproduktion dann mal mit dabei zu sein. Es war ja auch nicht nur ein Dreh, sondern ging ja ein ganzes Wochenende lang. Da wird man gleich darauf zurückkommen. Jürgen, wie war es für dich persönlich? Genau, bei mir haben sich im Nachhinein dann auch ein Radiocenter und ein Fachzeitschriften gemeldet, unter anderem auch die Handwerkszeitung, die Deutsche. Und so für mich persönlich war da schon seitdem so ein innerer Dialog noch immer da. Also man hat oft noch die Themen so innerlich noch bisschen besprochen, verarbeitet und wir haben auch so eine WhatsApp-Gruppe, sind noch ein paar dabei. Da werden schon ab und zu noch mal so Themen noch mal aufgegriffen, noch mal diskutiert.
Max Herrmannsdörfer: Ganz interessant eigentlich. Es hat sich schon was geändert oder es was bewegt irgendwas. Also es besteht tatsächlich auch jetzt im Nachhinein noch ein Austausch mit den Personen von vor Ort? Ja. Das ist auch eine total schöne Gruppe, weil man sich so gegenseitig pusht. Jeder schreibt so seine Artikel rein, die von jemandem gemacht wurden. Die anderen freuen sich richtig für einen. Also das ist total schön und wir hoffen, dass wir uns alle irgendwie auch noch mal vielleicht mal wiedersehen, weil wir ja wirklich deutschlandweit verstreut überher kamen. Und natürlich auch aus sämtlichen Gesellschaftsschichten. Also dieses Format war ja so gedacht, 84 Personen, 42 in Leipzig, 42 in Baden-Baden, repräsentiert quasi die deutsche Bevölkerung. Also es waren komplette Bevölkerungsschichten, Altersstrukturen, Herkunftsarten waren alle vertreten, was ich persönlich ganz schön fand. Ihr durftet dann stellvertretend für das Handwerk die Stimmen erheben, mal so allgemein auf dieses Wochenende geguckt. Konntet ihr eure Thesen, eure Eindrücke aus dem Handwerk mit einbringen in diese Gesprächsrunden, Tamina? Ja, definitiv. Also ich denke da nur an den Dialog mit Thorsten. Jürgen lacht direkt. Ja, das war halt schon so ein, ich würde sagen schon so ein einschneidendes Erlebnis für mich. Ich habe noch nie so stark erlebt, dass jemand eine starke Meinung gegen Frauen im Handwerk hat. Und in dem Moment musste ich da halt irgendwie kontern. Und obwohl ich im Moment, ich wusste in dem Moment gar nicht, was ich überhaupt sagen soll. Ich dachte, er meint das doch im Leben nicht ernst. Aber ich glaube, er hat es ernst gemeint. Und ja, da ging es ja quasi darum, dass er der Meinung ist, dass Frauen gar nicht auf die Baustelle gehören, weil das ja viel zu schwere Arbeit ist. Und ja, da konnte ich das dann halt widerlegen, dadurch, dass wir ja ein reiner Frauenbetrieb sind. ich mich ja auch viel dafür einsetze, dass viele Mädels auch ins Handwerk gehen. Das war ganz interessant. Ein glücklicher Zufall vielleicht für dich und für die Zuschauer. Du saß da in unmittelbarer Nähe und man hat den Thorsten, hieß er, hat ihn reden gehört und man konnte deine Mimik und Gestik beobachten. Und wir machen gleich mal gleich mal eine gedankliche Klammer hin, weil wir werden das
Max Herrmannsdörfer: gleich noch näher aufgreifen, wie das da vor Ort war und was überhaupt genau gesprochen wurde. Jürgen, würde da deine Meinung aber auch interessieren. Die Meinung des Handwerks, konntest du deine Punkte, deine Standpunkte platzieren in diesen Runden? Nein, die konnte ich nicht platzieren. Ich hatte jetzt auch nicht so viele Punkte. Meine Punkte für den Hafen, speziell das Handwerk habe ich jetzt nicht vertreten. Meine Punkte waren ja eigentlich Altersvorsorge, Rente, Krankenkasse. Die habe ich da auch nicht eingebracht. Die waren da vielleicht auch fehl am Platz. Aber der Punkt zwischen Tamina und Thorsten, das ist natürlich explodiert ein bisschen. Thorsten ist eine andere Generation, viel, älter. Ich habe da auch eine Pause mal mit Thorsten noch mal geredet, weil in einem Punkt habe ich vielleicht doch verstanden, in anderen natürlich nicht. Also dass Frauen nichts auf der Baustelle verloren haben, das ist ein völliger Blödsinn. Aber er hat auch den Punkt gebracht, zum Beispiel Frauen bei der Truppe oder im Gefecht bei der Polizei im Einsatz. Und da habe ich ihn schon ein bisschen verstanden, weil ich das schon mal von so einem ehemaligen Bundeswehr-General gehört habe, bei dem ich mal gearbeitet habe, dass es durchaus sein kann, dass im Gefecht, wenn eine Frau am Boden liegt, der Mann zu Hilfe eilt. Der Partner an der Seite, der Kollege. Und das sehe ich vielleicht auch ein bisschen problematisch. Dann hat wieder mal die Deborah eingebracht. Was kann die Frau dazu, wenn der Mann seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat? Es war für mich auch ganz wichtig, da mal zuzuhören, alle Seiten zu hören. Aber ich habe den Tosten deswegen nicht verurteilt. Er sieht es als so. Er war, glaube ich, mal Polizist, Tamina. Hat er nicht gesagt, er war mal bei der Polizei? Ja, meine, war bei DDR damals. Genau. Und da hat er wahrscheinlich seine Erfahrungen gemacht. Deswegen habe ich dann in der Pause noch mal mit ihm gesprochen. gesagt, dass ich da vielleicht ein bisschen bei ihm war und auch seinen Standpunkt verstanden habe. Aber das mit Frauen auf der Baustelle, das ist ein Quatsch eigentlich. Aber meinst du, dass es in der DDR damals schon Frauen bei der Polizei gab? Das kann ich mir nämlich jetzt nicht so wirklich vorstellen. Genau, das weiß ich eben. Ich kenne auch nicht die Hintergründe. Er hat nur gemeint, er war mal bei der Polizei. Ob das jetzt in der DDR war oder nicht, weiß ich nicht. Er hat nur gesagt, die bringen mir meine Truppe durcheinander. Und da dachte ich, vielleicht hat er bisschen eine Führungsposition gehabt. Also ich wollte mir schon seine, Hintergründe nochmal anhören. Deswegen habe ich mich in der Pause nochmal an ihn gewendet und nochmal die Hintergründe wissen wollen. Aber war leider die Zeit zu kurz.
Max Herrmannsdörfer: ist ganz interessant, weil genau das ging es ja dann, dass man miteinander diskutiert, Meinungen austauscht und sich auch andere Meinungen anhört. da in einem Raum ist, wo man diese Meinungen dann auch aushalten muss, aushalten kann, aber auch seine eigenen Standpunkte dann vertreten kann. erklären gleich allen, jetzt haben wir einen schönen Teaser aufgebaut, was in diesem Format schon so gesprochen wurde. Ich würde gerne einen Schritt noch weiter zurück machen und kurz eure Hintergründe als Handwerkerinnen, als Handwerker mit einbringen, mit beleuchten bei uns auch im Podcast. Jürgen, wir haben bereits schon mal gepodcastet. Wir haben ausführlich über deinen Weg zum Fliesenleger-Meister gesprochen, was du auch im Ausland schon alles getan hast, wieso dein beruflicher Werdegang war. Wir werden das jetzt nicht alles nochmal wiederholen. Wer da detailliert wissen möchte, wo du herkommst und was da so dahinter steckt, das ist die Folge 146. Vielleicht kannst du aber trotzdem einmal einen kurzen Satz zu dir sagen, wie du gerade aktuell als Fliesenlegermeister unterwegs bist, wo du ansässig bist. Einfach, dass wir nochmal einen kurzen Blick zu dir als Person haben. Genau, also ich bin hier in der Nähe von Bamberg, Langkreis Bamberg in Zapfenhof als Fliesenlegermeister ansässig. Bin eigentlich schon über 25 Jahre selbstständig und habe dann kurz vor 50, mit 49 Jahren mich dazu entschlossen, noch mal den Meisterbrief zu machen. Das hat alles so viel Spaß gemacht und ist problemlos gelaufen, dass ich dann gleich noch den Betriebswirt dran gehängt habe und war dann eigentlich 15 Monate nonstop in der Schule und musste schauen, dass mein Betrieb auch weiter läuft und dass meine Kosten gedeckt sind und alles bezahlt wird. Und so ist es dann entstanden zum Meister, zum Podcast, zum Film und Fernsehen. Sehr, sehr schön. Vielen lieben Dank. Wie gesagt, alle Hintergründe in Folge 146. Tamina, schauen einmal auf dich und deinen Betrieb. bist Malermeisterin, kommst aus der Nähe von Göttingen in Niedersachsen. Erklär doch gerne mal ein bisschen was über dich. Was muss man über dich und deinen Betrieb wissen? Ja, unseren Betrieb gibt es jetzt seit vier Jahren. Ich habe komplett alleine angefangen und habe relativ schnell einen großen Kundenstamm aufgebaut und habe dann jedes halbe Jahr eine neue Mitarbeiterin bekommen. Aber durch Zufall. Also es war nicht geplant, dass ich nur Frauen habe und
Max Herrmannsdörfer: Da kam jedes halbe Jahr eine neue Mitarbeiterin und mittlerweile sind wir zu sechst, alles nur Frauen und es macht sehr viel Spaß. Wir haben einen großen Wiedererkennungswert und die Kunden sind durchweg zufrieden, weil wir sehr sauber und ordentlich und ruhig arbeiten. Das kennen sie vielleicht von den Kollegen nicht so, dass man Überschuhe im Innenbereich überzieht oder dass man seine Laufwege alles abdeckt und dass man alles saugt und wischt, wenn man wieder geht. Genau. Also ihr positioniert euch mittlerweile aber schon als reiner Frauenbetrieb, auch wenn das vorher nicht der Plan von dir war, sagste. Ja, seitdem ich die zweite Mitarbeiterin habe, das war genau nach einem Jahr des Bestehens, habe ich dann gesagt, ich könnte ja mal bei Instagram so mal ein Video machen und mal ein bisschen Werbung und sagen, wir sind ein rein weiblicher Malerbetrieb, weil zu dem Standpunkt waren wir es ja. Wir waren nur drei Frauen. So und dann habe ich das gemacht und dann kamen wirklich sehr viele Zeitungen und so viele Anfragen und dann habe ich tatsächlich in einem Jahr so einen dicken Ordner voll mit Zeitungsartikeln sammeln können, weil wir hier total bekannt geworden sind. Dann standen hier auch noch auf einer Baumesse und haben ja riesig großen lila leuchtenden Stand gehabt und das war wirklich auch so ein bisschen unser Durchbruch. Wir sind total bekannt geworden dadurch, haben jetzt auch guten Instagram-Kanal aufgebaut. Und wir kriegen aber immer wieder die Frage, ob wir denn überhaupt Männer einstellen, wo ich auch immer wieder dieselbe Antwort habe und sage, ja natürlich würden wir Männer einstellen, weil es bewerben sich halt keine. Also ich habe in den letzten drei Jahren extrem viele Bewerbungen bekommen, aber von keinen Männern. Ihr habt da quasi so ein Safe Space für Frauen aufgebaut, kann man das sagen? Ja, auf jeden Fall. In Salespace, wo ich auch mal sage, für die Mitarbeiter, aber auch für die Kundinnen. Die fühlen sich auch vielleicht wohler, wenn die bei eigenen vier Wänden sind. Und da kommt dann eine Frau, die sich vielleicht auch noch mit nett unterhält oder so. Gibt es das häufiger im Handwerk? Also mir persönlich ist es nicht bekannt, dass es einen reinen Frauenbetrieb in einem Gewerk gibt. Ich weiß nicht, Jürgen, Tamina, kennt ihr noch einen anderen Betrieb?
Max Herrmannsdörfer: Ich kenne keinen. Also ich war da schon viel auf der Suche und habe schon überall geguckt. Es gibt natürlich immer mal Frauen geführte Unternehmen. Das gibt es schon, aber halt nicht das komplette Team. Es gibt in der Schweiz, mit der hatte ich auch schon Kontakt, einen Malerbetrieb. Die sind, glaube ich, zu dritt und die sind halt auch rein weiblich. Aber ansonsten gibt es das so deutschlandweit nicht nochmal. Okay. Was ist denn das Ziel? Also möchtest du dein Team gerne noch weiter vergrößern? Nimmst du überhaupt noch ... Malerinnen, Malermeisterinnen bei dir im Team auf. Ich glaube, ihr bildet auch aus, Ja, das Ziel ist eigentlich, einfach nur gute Arbeit zu machen und Spaß dabei zu haben. Also Stand jetzt könnte ich halt ganz viele einstellen, aber manchmal gibt es ja den Arbeitsmarkt das ja auch gar nicht so zu und ich möchte auch nicht so schnell wachsen. Also ich habe jetzt im November eine neue Mitarbeiterin bekommen, jetzt im März wieder eine. So, und da kann ich jetzt nicht im Sommer nochmal eine einstellen. Ich muss die ja auch nächstes Jahr, also dieses Jahr über den Winter wieder bekommen. Und so wie es jetzt ist, bin ich zufrieden. So sind wir quasi, drei Autos und ich bin selber nicht mehr so viel auf der Baustelle unterwegs. So passt das. Genau. Und Ausbildung fangen wir jetzt im August. Fängt jemand an? Die fängt direkt im zweiten Lehrjahr an. Also ich habe extrem, wirklich extrem viele Bewerbungen für eine Ausbildungsstelle. Teilweise könnte ich die nächsten fünf Jahre im Voraus Leute einen Vertrag anbieten. Und da kommt immer wieder dieses Ja, Fachkräftemangel sehe ich halt aber nicht, weil der Bedarf ist ja da. Man muss seine Leute nur so gut behandeln, dass die auch da bleiben wollen. Weil wenn nicht, dann suchen sie sich woanders, wo es denen besser gefällt. Und wir zeigen ja bei Instagram viel, wie es bei uns so ist. Was wir Besonderes machen, dass wir viele Teamausflüge machen, dass wir ein gutes Miteinander haben, dass wir alle auch gut befreundet so miteinander sind und dass es keinen Zickentheater gibt, wie alle immer denken. Und schon kriege ich halt viele Bewerbungen. Und die sind dann auch vorwiegend von Frauen, von jungen Frauen, sich bewerben fürs Handwerk? Genau, hatte jetzt einmal jemanden, der hat mich angerufen, ob er dann er und sein Kollege würden gerne bei mir anfangen, beides Meister. fangen dann schon an mit, ich hätte dann gerne 28 Euro die Stunde, wo ich sage, egal ob Mann oder Frau, das kann ich mir gar nicht leisten. Also hat sich das für mich erledigt. Oder ich habe natürlich auch schon eine Woche vor Weihnachten eine Anfrage bekommen.
Max Herrmannsdörfer: wo ich einfach sage, das lässt die Arbeit halt nicht zu und das kann ich nicht machen. Zeigt aber jetzt eigentlich, wie groß das Potenzial noch im Handwerk wäre, wenn man auch die jungen Frauen ordentlich anspricht und denen auch zeigt, dass das funktionieren kann, auch im Handwerk als Frau Karriere zu machen. Und das ist überhaupt keine Rolle spielt, Mann oder Frau. Jürgen, wie blickst du da drauf? Du bist ja alleine bei dir im Team. Richtig, du bist solo selbstständig als Fliesenleger-Meister. Aber trotzdem kannst du das ja auch beurteilen, wie das ist mit jungen Frauen im Handwerk und mit Bewerberinnen im Handwerk. Wie siehst du da das Konzept von Tamina? Also die letzten Jahre habe ich eigentlich nur eine junge Frau im Fliesenleger-Handwerk gesehen. war praktisch, die war noch in der Ausbildung und die ist dann auch nach der Ausbildung gegangen. Also die hat den Betrieb dann verlassen. Ich glaube, das war nichts für sie. Ansonsten sieht man bei den Fliesenleger eigentlich ganz, ganz wenig Frauen. Bei den Malern schon viel deutlicher bei uns. Da sind viele Malerbetriebe, die gut mit Frauen aufgestellt sind. Aber einen reinen weiblich geführten Malerbetrieb kenne ich jetzt eigentlich auch nicht. Und ich muss auch sagen, absoluten Respekt. Die Termine hat es ja alles in erster Generation aufgezogen. Also von Null auf. Das ist absolut bemerkenswert. Und bin ich absolut positiv. Gerade Maler, künstlerischer Beruf, kreativ. Finde ich absolut super eigentlich. Tamino, da hast ja deinen Instagram-Account schon erwähnt. Farbenfroh-Malermeisterin. Da sieht man euer komplettes Team. Man kann sehen, ihr so tut. Also wer mal sehen möchte, wie es in einem rein frauengeführten, aber auch von Mitarbeiterseite besetzten Malerbetrieb aussieht, gern reinfolgen. Ich finde, das ist ein sehr, sehr schönes Beispiel, wie es im Handwerk auch funktionieren kann und wie gerade auch junge Frauen oder generell Frauen im Handwerk ihren Weg finden können und dass es da überhaupt keine Rolle spielt, ob Mann oder Frau. Das gebe ich gerne als Tipp hier auch im Podcast weiter, gerne reinklicken. Umso schöner, dass du zusammen mit anderen aus dem Handwerk dann auch für die Frauen im Handwerk bei dem ARD-Format einstehen konntest. Ihr habt das vorher schon so bisschen angeteasert, was so ein paar Aussagen waren, worum es so ging.
Max Herrmannsdörfer: Wir erklären einmal dieses Format generell, weil ich glaube nicht jeder weiß, was steckt hinter was verbindet Deutschland oder was Deutschland verbindet. ist das genau? Jürgen, du hast mir es ja damals geschrieben per WhatsApp. Hey Max, ich bin ja eingeladen worden zu dem Format. Klingt ganz cool, lass uns mal sprechen. So, Jürgen, Max, musst einmal erklären, was war das vor Ort für ein Format? Wie war das umgesetzt? Was habt ihr dort gemacht? Mal ganz allgemein für jemanden, der davon noch nichts gehört hat. Also ich war vorab schon ein bisschen verunsichert. Ich wusste eigentlich nicht so viel oder gar nichts über das Format. War auch ein Wackelkandidat. Ich glaube, ich wollte am Anfang gar nicht so mitmachen. Dachte irgendwie so eine RTL 2 oder eine ProSieben-Schlammschlacht. habe ich keinen Bock drauf eigentlich. Das ist erstmal Reality TV, oder? Genau. Der Elias Meck hat dann immer gesagt, ne, ne, das ist öffentlich-rechtlich. Das ist schon alles sehr seriös. Und dann habe gedacht, da magst jetzt einfach mit. Und vor Ort in Leipzig war das erstmal alles höchst professionell. Also wir wurden das... Die Anfahrt wurde organisiert. Wir wurden vom Bahnhof abgeholt mit einer Limousine, ins Hotel gefahren. Aber keiner hat sich gesehen vorher. Wir hatten Kontakt zu keinen. Und dann, der Tag losging, der erste Tag des Dialogs, sind wir dann alle zusammengewürfelbar beim MDR in Leipzig. Und dann ging es halt so langsam los. Handys abgeben, Mikrofon ans Hemd, Kamera an. Und dann sind wir ins kalte Wasser gesprungen eigentlich. Es war quasi eine große ... Diskussionsrunde. Also in Leipzig und in Baden-Baden wurde aufgeteilt und ihr wart dann in einem Raum, man muss sich das vorstellen, ihr saß quasi in einem Kreis, beziehungsweise es waren, glaube ich, Stuhlreihen, drei Stuhlkreise ineinander. Also man konnte sich gegenseitig ganz gut sehen, alles war mikrofoniert und ihr habt dann vor Ort jeweils eine Stunde über verschiedene Themen gesprochen. Tamina, kannst du das einmal zusammenfassen? Was waren so die Themen, wie war es aus deiner Sicht so dieses Format, dieses Setting an sich? Ja, genau wie Jürgen das eben schon erzählt hatte, was halt für mich schon dramatisch war, war wir müssen die Handys abgeben. Wir waren ja auch, es ging ja auch jetzt nicht direkt dann los, dass wir sagen so wir gehen jetzt in diese drei einzelnen Themen danach Feierabend, sondern wir saßen ja den ganzen Tag von 9 Uhr bis 18 Uhr mit allen Leuten zusammen und hatten da auch während den ganzen Pausen unsere Mikrofone die ganze Zeit an.
Max Herrmannsdörfer: Immer wieder sind irgendwelche Kamerateams rumgelaufen und haben irgendwas gefilmt. Und da haben die wahrscheinlich versucht, irgendwas Interessantes rauszuschneiden. Und ja, wir sollten uns halt auch bewusst kennenlernen. Wir sollten miteinander sprechen und uns austauschen, was wir macht. Und jeder hat sich irgendwie so die Frage oder wir haben uns alle gegenseitig die Frage gestellt. Ja, warum bist du eigentlich hier? Warum sind die auf dich aufmerksam geworden? Das war so die Anfangs-, ich sag mal, die meistgestellte Frage, wie man überhaupt ins Gespräch gekommen ist. Aber im Laufe des Tages war es halt wirklich so schön, auch egal, wo man sich hingesetzt hat, man ist mit jedem direkt ins Gespräch gekommen. Und da hing man natürlich zwei komplette Tage zusammen. Dann hatten wir vorher ein kurzes Einzelinterview, was wir so denken, was uns erwartet. Wir wussten ja alle von gar nichts, also mich hat gar nichts erwartet, ich wusste gar nicht, was los ist. Und Dann hinterher quasi noch mal ein Einzelinterview, wo dann halt noch mal so ein Feedback eingefordert wurde. Genau. Und zu den einzelnen Themen war den ersten Tag hatten wir drei Themenblöcke. Ich weiß es nicht mehr ganz genau, jeden Fall Demokratie, dann Meckergesellschaft, Gleichberechtigung. Wehrpflicht. Genau Wehrpflicht, Migration. Brandmauer war noch ein Thema. Brandmauer. Ja, Ja, ich konnte jetzt halt persönlich nicht zu jedem Thema was sagen. weil ich halt einfach mit Bundeswehr nichts zu tun hatte, habe bisher und auch Migration, das war auch nicht mein Thema, wo ich sage, da konnte ich mich irgendwie mit einbringen und dafür halt umso mehr beim Thema Gleichberechtigung. Dann bleiben wir doch bei diesem Themenpunkt einmal, weil wir den vorher auch schon so schön angeteasert haben und jeder, sich diese Talksendung, dieses Format anschaut, egal ob als Doku oder dann die Einzelsessions tatsächlich, Da ging es relativ schnell an heiß her, als ein Mitdiskutant eben gesagt hat, ja, Frauen gehören für ihn nicht in die Polizei, in die Bundeswehr und ich glaube er das Beispiel, er möchte auch keine Frau als Maurermeisterin haben. Die sollen nicht die 40 Kilo Zementsäcke über die Baustelle tragen. Und ich habe schon gesagt, Tamina, du saßt da in unmittelbarer Nähe.
Max Herrmannsdörfer: war für den Thorsten in dem Fall vielleicht bisschen, hat er vielleicht nicht erwartet, dass da direkt Contra von Schrieg von der Seite quasi kommt. Beschreib doch gern diese Situation nochmal, wie du das wahrgenommen hast, wie dann auch die Diskussion weiter lief. Also vorher hatten wir halt, das war so eine, ich sag mal, eine Anereinigung von Monologen. Jeder hat so eine Minute, zwei Minuten Redebeitrag gehabt, so dann Bis man dann irgendwann drangenommen wurde, da hat man dann schon wieder vergessen, was man überhaupt wollte. Oder da ging es schon drei andere Themen. Und ich glaube, diese Meinung von Thorsen hat dann so bisschen mehr Schwung auch reingebracht und so ein bisschen mehr. Ich sage mal, dass es auch Spaß macht, das sich anzuschauen. Genau, wie gesagt, ging es ja erst darum, dass er zum Thema Polizisten da was sagen wollte oder gesagt hat. Und dann kam halt wirklich, wie du eben gesagt hast, ich kann mir auch nicht vorstellen, eine Maurermeisterung auf der Baustelle zu haben, die 40 Kilo Säcke schleppen soll, weil die soll ja auch noch mal ein Kind bekommen. Das war noch Zusatz, stimmt. Da war schon oben drauf, wo ich sagen, du hättest dich nicht noch weiter reinreiten können. So und es war auch nicht nur mein. Mein Gesicht, was sich in alle Richtungen verzogen hat, wenn man das sich anguckt, sieht man genau vorne saß Hartu und daneben saß Leonid. haben alle die Augen verdreht, die haben sich die Hände vors Gesicht gehalten. Es war ein ganzes Raum, im ganzen Raum. haben alle, haben, so habe ich mich jetzt verhört, war wirklich so dieser Gedanke, so hat man das richtig gemerkt. Ja, und dann war ich eigentlich gar nicht dran. Dann nimmt mich die die Moderatorin, guckte mich dann an und hat dann gleich gesagt, Tamina, was hast du dazu zu sagen? Und dann habe ich halt gleich gesagt, na ja, ich bin Malermeisterin, rein weiblicher Betrieb und ich kann sehr wohl 40 Kilo Säcke schleppen, aber die gibt es ja gar nicht mehr, große Verbaustelle. Also die sind aber bei uns im Gewerk. Und auch den Maurern wird ja mittlerweile die Arbeit mit sämtlichen Kränen und sowas auch einfacher gemacht, die Rücken von allen zu schonen, nicht nur den Frauen, sondern auch die Männer. Weil ich hatte das halt im Betrieb, wo ich gelernt hatte.
Max Herrmannsdörfer: werden 10 Kilo Säckchen, weil die Männer alle Bandscheibenvorfall hatten und alle irgendwie rückenkrank waren. Und es gibt so viele Berufe, die so schwer schleppen müssen, wenn ich da nur an Pflege und Altenpflege denke. Also ich möchte nicht einem erwachsenen Mann irgendwie umlagern oder beim Aufstehen helfen, weil die haben deutlich schwerere Arbeit wie wir. Also da wurden dann Stereotype reproduziert und ich bin da sehr dankbar, dass ihr da Konter gegeben habt. Es war nicht nur du, sondern auch viele andere. Jürgen, dein Gesicht habe ich zwar nicht gesehen, aber ich kann mir vorstellen, dass du da auch ähnliche Meinung warst wie die Tamina. Ja, wie gesagt, der Thorsten ist eine andere Generation, viel, viel älter. Vielleicht noch zu seiner Zeit gab es noch 40 Kilosack. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es noch 40 Kilosack gibt. Ich habe noch nie angetragen, ganz ehrlich. 40 Kilosack, aber... Das interessante ist ja, es im Nachhinein, die Diskussion mit der Tamina war ja so, bist du ja oft mit dem Bäcker, die Kontroverseste fand ich, aber der Thorsten wurde ja dann im Nachhinein dann nochmal zu einer Show eingeladen, weil er eben kontrovers diskutiert. Also bei Harder Parfait war er ja glaube ich dann auch nochmal und hat eben auch seinen Standpunkt, seine Meinung abgegeben. Das habe ich nicht gesehen, war er da immer noch, also ist er von seiner Meinung da abgerückt? Hat er sich... Bewegt oder war er noch bei seinem? Ich kann mich jetzt gar nicht erinnern. Ich glaube, das mit den Frauen im Handwerk, das war gar nicht Thema bei Hard Afrika. Gar nicht. Die mich vorher auch angefragt, ob ich da hinkommen möchte. Das hat bei mir zeitlich aber überhaupt nicht gepasst, weil ich ja nun mal auch selbstständig bin und ich jetzt nicht für jeden Fernseher aus dem Tritt alles frei schaufeln kann. Die hatten aber auch gefragt, ob die meinen Namen dann nennen können und so was. Habe ich dem allen zugestimmt. Aber er saß ja dann mit Deborah und ein paar Politikern am Tisch zusammen. Und ich denke immer, das ging generell eher so generell viel Politik, aber es ging jetzt gar nicht Gleichberechtigung an sich. Das Format wollte, das Format hat natürlich auch bisschen davon gelebt, dass so eine Diskussion stattfindet, sonst wird es ja zu langweilig. Ja eben, und es hat es echt gut aufgelockert. sag auch mal so wie es ist, mir hätte es nicht besser passieren können, wie dass er so einen Spruch sagt, weil
Max Herrmannsdörfer: Sonst wäre ich da im Hintergrund sitzen geblieben und da hätte nie einer irgendwas mit mir gesprochen wollen. Ja, aber... wurden wir, glaube ich, auch noch mal im Nachhinein Interview tun, Thorsten, glaube ich. Und ich glaube, das hat dann wieder ganz gut harmoniert dann. nicht? Naja, also wir haben uns direkt im Anschluss, sind wir rausgegangen in dem langen Gang und haben uns darüber unterhalten und da hat dann die Kamera drauf gehalten komplett. Und da dachte ich, dass sie das mit reinschneiden, weil wir uns da so ein bisschen mehr ausgesprochen haben, wo ich gesagt habe... Ich verstehe schon, wie du das meinst, dass eine Frau das nicht machen muss. Aber es hörte sicher an, als ob du unsere Kompetenz infrage stellst und dass du sagst, wir sollen das nicht machen. Auch genauso wie mit diesem Polizeithema, wo Deborah sagte, sie möchte aber die Chance haben, das zu machen, wenn sie das möchte. Sie möchte nicht, dass es grundsätzlich verboten wird. Und da kann man ja genauso gut sagen, ich kann mir halt nicht vorstellen. Also bei der Polizei zum Beispiel so eine Hundertschaft, dass da eine kleine Frau steht, die 1,50 Meter groß ist und 40 Kilo wiegt, kann ich mir nicht vorstellen. Aber es gibt ja auch genau solche Männer, die vielleicht auch sehr dünn und zierdlich sind und wenig Muskelmasse haben. Die kann ich mir halt da auch nicht vorstellen. Und dann sitze ich da hinter Thorsten mit 1,80 Also dementsprechend hat es nicht so gut gepasst in dem Moment. Aber genau darum ging es ja eigentlich. den Standpunkt von der Termine anzuhören, den von Thorsten und dann hat noch Deborah das reingeworfen und das war eigentlich dann perfekt. So hat jeder den Standpunkt verstanden und jeder hat sich sein Bild gemacht. Es gibt natürlich Frauen, die zur Truppe wollen und die müssen es auch dürfen. Genau, das sehe ich genauso und wir haben uns danach auch noch gut unterhalten. ich sage mal so, er hat wahrscheinlich persönlich kaum Erfahrungen im Handwerk, gerade nicht wenn er irgendwie mal beamtet war, da wissen wir alle, was die anhand wirklich Erfahrungen Vielleicht hat er mal im Baumarkt, da gibt es kurz so einen Maurermotor, Säcke, 40 Kilo. Vielleicht hat er die mal im Vorbeigehen gesehen, kann ich mir vorstellen. Ja, und ansonsten würde ich mir gerne wünschen, wenn er dann das nächste Mal jemand beauftragt, dass da eine Datenfrau kommt. Das würde ich mir sehr gerne wünschen. Er hat ja in der Sendung gesagt, er betreibt ja auch eine Pension irgendwo in Dresden oder keine Ahnung. Ich meine, er hat mehrere Immobilien und sagte, mich auch verstehen, von Selbstständiger zu Selbstständiger und so.
Max Herrmannsdörfer: weil er wohl mehrere Immobilien hat. Die müssen auch mal gestrichen werden. Genau, dann soll er doch mal bei dir arbeiten eine Zeit lang. Genau. Ich meine, ihr kennt euch ja mittlerweile. habt ja dann die Kontakte. Vielleicht kommt ihr da im Nachhinein dann noch was. es geht ja. Wir halten aber fest, ging oder euer Standpunkt war einfach die Selbstverantwortung und die Möglichkeit, einfach alle Optionen zu haben und nicht irgendwas vorgegeben bekommen, egal ob es ist, ich möchte im Handwerk arbeiten, ich möchte zur Bundeswehr oder ich möchte zur Polizei. Das muss einfach für alle möglich sein. Also das fand ich, ich fand es gut, dass dieser Standpunkt da klar wurde. Aber ja, das spiegelt dann dieses Format halt doch auch wieder, dass es diese Meinungen ja gibt in der Gesellschaft und dass es aber genauso dann andere Standpunkte gibt und andere Argumentationen. Und man muss aber dann in den Austausch gehen, man muss erklären, man muss den Dialog führen. Jetzt würde mich interessieren, ich habe es jetzt nur in einem Zusammenschnitt gesehen und mal in die Einzelgespräche reingehört. Wie habt ihr das jetzt im Nachhinein wahrgenommen? War das ein Austausch, wo alle Meinungen gehört wurden? War das so, wie sich das die Programmverantwortlichen von der ARD vorgestellt haben? Repräsentiert das die deutsche Gesellschaft? Was meint ihr? Ich denke eigentlich schon, wir hatten halt wirklich eine Mischung aus allem. Wir hatten halt jemanden, der, wie soll ich das nett ausdrücken, schon sehr konservativ eingestellt war. Der hatte dann eine bestimmte Meinung, sein Auszubildenden aus dem Kongo. Und da wiederum hatten wir halt ein paar, zum Beispiel, wie hieß sie denn? Maria, glaube ich, aus Ukraine kamen. Und sie kamen halt vor zwei Jahren ganz frisch, hat sich jetzt super integriert und sowas. Und das hat ja vielleicht sein Weltbild auch noch mal ein bisschen geändert und seine Einstellung dazu. Oder wir hatten ja auch dieses komplette Jung und Alt. so ganz viele auch so gerade 21 und manche waren natürlich so in der Rente. Und die ältere Generation schimpft ja immer auf die jüngere und die sind ja alle zu faul. vielleicht hat sich das untereinander ein bisschen gemischt und dass wir uns da einfach ein bisschen besser verstanden haben auch, denke ich mal.
Max Herrmannsdörfer: Oder halt, weil es auch recht gut aufgeteilt war zwischen Männern und Frauen in der Menge und vom Alter. Es war eigentlich ein richtig guter Durchschnitt. Die haben sich da schon da echt viel Gedanken gemacht, wen sie da überhaupt so reinholen. Und danach haben sie ja die Themen auch ausgesucht, wer dann zu welchen Themen was sagen kann, zum Beispiel. Wir haben alle vorfeldgroße Zoom Meetings dann gemacht und genau. Also das war schon eine gute Mischung und war jetzt auch keiner, irgendwie berühmt war oder irgendwas. hatten alle noch keine Fernseherfahrung, also wir waren alle ganz normale Menschen quasi. Das macht das Ganze tatsächlich auch sehr sympathisch finde ich, dass es eben jetzt nicht die klassischen Talkshow Gäste sind oder die Leute, die in sämtlichen Diskussionsrouten schon mal drin saßen, sondern wirklich in Anführungszeichen normale Menschen aus der Bevölkerung. Jürgen, wie war es für dich? Wie beurteilst du so den Querschnitt, die Qualität der Diskussion? Ja, sag doch gerne auch ein paar Worte zu. also ich fand auch, war ein sehr guter Querschnitt durch die Gesellschaft, war alles dabei. Ob es Regisseur oder die Verantwortlichen, ob das das war, was die begehren wollten, kann ich eigentlich gar nicht so beurteilen, weiß ich nicht. Ob sie mehr Kontroverse wollten oder mehr hoch hergehende Diskussionen, keine Ahnung. Ich fand es im Nachhinein gut, auch Den Zusammenschnitt fand ich gut und am Anfang diese Teaser, die gelaufen sind, zum Teil berührend auch, zum Beispiel mich total berührend, die Aussage von Ali Reza, der aus dem Iran, der nach Deutschland gekommen ist. das fand ich auch, das hat mich ganz, ganz lang beschäftigt und da muss ich ihn auch recht geben. Kannst es nochmal wiedergeben, was er ungefähr gesagt hat? Viele hatten halt bisschen über Ausländer geschimpft, dass sie zu viel bekommen vom deutschen Staat. Und ich glaube sogar Maria hat das gesagt. Maria hat auch gesagt, wir bekommen als Ausländer viel zu viel Hilfe vom Staat. Und sie hat dann irgendwo mal Mittag gesehen, dass dann in der Mittagszeit Ausländer auf der Straße rumlaufen und nichts zu tun haben. Und er hatte dann eigentlich, wie er zu Wort gekommen ist, eingegangen und gesagt, ja Leute, wir sind geflohen. Also wir kommen aus dem Krieg. Vielleicht ist es auch einfach mal so, dass man mittags in die Luft schaut und Bier trinkt. Wir brauchen erst mal eine Therapie. Also ich glaube, die haben auch ganz schlimme Dinge gesehen. Und das muss man sich nämlich auch mal anhören. Also da kommt aus einem
Max Herrmannsdörfer: Er war Bauingenieur, dann war er Iranischer Meister im Ringen. ist jetzt hier in einer Containersiedlung in Deutschland als Flüchtling. Andere springen da von der Brücke. Wenn er da mittags ein Bier trinkt, heißt es gleich, schau die Ausländer. Da waren auch ganz emotionale Sachen dabei. Das ist es eben. Man muss in den Dialog treten. Wir müssen uns miteinander unterhalten, zuhören. Das hat man in Leipzig gesehen. Jeder ist vor seiner Eingemeinselten Meinung herausgesprungen und hat gesagt, dass es eine gute Geschichte war, einfach miteinander zu reden. Und es wurden die Meinungen ja auch stehen gelassen, zumindest in den Runden, die ich gesehen habe. Da wurde jetzt nicht zwischenmoderiert oder wurde nichts journalistisch jetzt irgendwie eingeordnet oder keinen Faktencheck gemacht, sondern es waren die Punkte, die die Menschen anbringen wollten, die konnten sie auch anbringen. So, habe ich zumindest als Zuschauer wahrgenommen. War es auch so in der Praxis tatsächlich? Ja, es hieß ja quasi, wir sollen nichts über Dritte und wir sollen keine Zahlen nennen, weil es ja kann ja man sich mal vertun, das ist ja, ne. Aber ansonsten fand ich das auch halt sehr gut organisiert. Und da wurde auch jetzt nichts irgendwie weggeschnitten oder reingeschnitten oder schlecht geschnitten, dass man irgendwie blöd dasteht oder sowas. Also das war schon echt. Ganz gut. Und ich denke mir auch alleine für diese Doku, zweimal sechs Stunden überhaupt in eine Stunde zusammenzureinzukriegen und dann überhaupt mal die Leute quasi auch ausreden zu lassen. Das ist auch nicht so einfach, das überhaupt zu schneiden, denke ich mal. Genau. Es wurde auch nichts moderiert. Es war ja eine Mediatorin, die hat nur den Ball ins Rollen gebracht und dann haben die Leute sich die Bälle zugespielt. Und das fand ich eigentlich auch gut. Kein so harter Faktencheck und Zahlen oder Also es wurde einfach miteinander geredet und ganz respektvoll auf Augenhöhe. Das fand ich schon echt ziemlich gut. Wahrscheinlich könnte man sich das als Vorbild nehmen, auch für Diskussionen außerhalb von solchen Talkrunden, dass man in den Austausch geht, dass man miteinander spricht. Ja, ich komme halt schon langsam so Richtung Ende auch unseres Podcasts. Was nehmt ihr davon mit aus diesen zwei Tagen in Leipzig, aus dieser Produktion?
Max Herrmannsdörfer: bleibt für euch tatsächlich hängen. Tamina? Also dieses ganze Thema Migration und Bundeswehr, wo ich halt vorher gesagt habe, habe ich gar nichts mit zu tun, sitze ich halt einfach nur in höhere zu. Da sind natürlich ein paar Themen gefallen, wo ich dachte, okay, da hat man im Nachhinein noch mal bisschen mehr darüber nachgedacht, wie Jürgen gerade gesagt hat, diesen Beitrag zum Beispiel oder auch generell. Man konnte sich ein bisschen besser reinfühlen, wie sich es angefühlt haben muss, vor zwei Jahren aus der Ukraine geflüchtet zu sein. Ich meine, wir kommen vom Dorf hier. haben dieselben Nachbarn seit 20 Jahren. Wir haben ja gar keine Verbindung mit, sage ich mal. Und das war schon so ein gutes Erlebnis. auch dieses Handy abgeben war für mich tatsächlich wirklich meine Herausforderung, obwohl man das immer irgendwie belächelt. Ich habe zwei Handys, ich bin selbstständig, ich habe zwei kleine Kinder. Ich bin immer am Handy. in der Woche ... Telefoniere ich mit Kunden, schreibe Angebote, Rechnung. Am Wochenende bin ich ja froh, dass ich auch mal mit meinen Freunden schreiben kann oder irgendwie einfach nur mein Instagram-Feed da füttern kann. man ist sich einfach viel bewusster geworden, dass man einfach viel direkter auf die Leute zugeht und mit denen redet. Und das habe ich mir dann auch schon mal so als Aufgabe gemacht. Man müsste einfach die Leute mehr ansprechen, mit denen reden, nicht immer nur alle aufs Handy, wenn wir die Handys nicht abgegeben hätten. Dann hätten wir alle gesessen und hätten alle nur auf unseren Handys und hätten alle bei TikTok gescrollt. Ja, das ist tatsächlich ein guter Punkt, ein guter Schachzug von den Produzenten. Da muss man sagen, da die Leute zu isolieren, sage ich mal, von außen, so dass da wirklich ein Austausch stattfinden muss und auch außerhalb der Gesprächsrunden, dass es da zu Gesprächen kommen soll. Da braucht man auch Leute, die sich darauf einlassen, die das auch mitgehen. Ja, aber ich glaube, wenn man das tatsächlich annimmt und wenn man sagt, ich lasse mich darauf ein und ich versuche da mal zwei Tage zu verzichten. Ich glaube, dann kann es eine ganz wertvolle Erfahrung tatsächlich sein. Jürgen, wie war das für dich? Was nimmst du mit? Was bleibt für dich hängen von diesen zwei Tagen? Also wir kommen ja auch viel draußen bei Kunden rum und wir hören ja viel und kommen ja oft mit denen ins Gespräch. Und ich traue mich jetzt glaube ich schon mehr bisschen mit den Kunden.
Max Herrmannsdörfer: politischer Ebene zu unterhalten, einfach wenn ich merke, dass da eine gewisse Unzufriedener da ist und sie eine gewisse Art von Partei unbedingt jetzt wählen wollen, damit sich hier endlich was ändert in Deutschland, muss man erstmal fragen oder hinterfragen, warum sei denn unzufrieden oder was stört dich denn oder wie können wir es denn ändern überhaupt oder und das sind genau die Punkte, wenn jetzt einer der klassischen Wähler von der und der Partei war, denen sind wir aus dem Weg gegangen, mit denen wollten wir gar nicht reden und jetzt höre ich es mir trotzdem eigentlich mal an, weil die Punkte ja da sind. Man muss sich da mit anderen unterhalten und findet dann vielleicht auch mal eine Lösung oder einen anderen Weg als nur das Haken an der falschen Stelle zu machen oder an der richtigen, meinetwegen, das jemand sieht. Den Dialog zu suchen, sich zu unterhalten. Kam euch irgendwas ganz arg zu kurz? Hättet ihr gerne noch über irgendein Thema gesprochen, was euch persönlich mitnimmt, wo ihr sagt, da hättet ihr eigentlich noch gerne irgendwas zu gesagt? Jetzt habt ihr bei uns noch die Möglichkeit. Also ich hab, glaube ich, einen kleinen Part erwähnt. Ich hab zum Beispiel gesagt, dass es kein Mutterschutz für Selbstständige gibt. Und da ich ja selber da betroffen war, dass es halt so ein Thema, was mir immer sehr wichtig ist, dass es ja die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen echt mal nicht so einfach ist. da bin ich ganz bei Tamina. Also Thema Mutterschutzelternzeit wird bei, gerade jetzt bei Tamina, Selbstständige Frau. Da ist ein Mutterschutz... Die ja total allein gelassen. Und mir hätte eigentlich unter den Nägeln gebracht als Selbständiger, dass wir oft bei der Altersvorsorge total im Stich gelassen werden. sprudeln das Handwerk, Motor der Wirtschaft, sprudeln dem Staat Milliarden von Euros jedes Jahr in die Kassen. Aber beim Thema Altersvorsorge werden wir komplett allein gelassen. Und dann bekommen wir noch die Hinweise, wir sollen uns auch privat absichern. mit irgendwelchen Versicherungsgesellschaften, die sich nur die Hände reiben und darauf warten, dass wir irgendwelche Verträge abschließen. Und das finde ich eigentlich ziemlich ungerecht. Der Staat schützt seine Beamten mit den Pensionen und der Handwerker, eigentlich oder der selbständige Handwerker, eigentlich dem Staat so viel Geld in die Kassen spült, wird komplett allein gelassen bei der Altersvorsorge und auch bei der Krankenkasse. Also vielen Dank euch beiden. Thema Mutterschutz und Thema Altersvorsorge.
Max Herrmannsdörfer: bin weder im Handwerk noch bin ich selbstständig. Deshalb kann ich nur von außen nachvollziehen oder von mich von außen reinversetzen in eure Situationen. weiß aber, dass es Themen sind, also gerade Mutterschutz für Selbstständige. Ich bin da auch im Austausch mit der Johanna Rö, die sich da auf Bundesebene ganz stark für einsetzt. Wir werden uns jetzt am Wochenende auch bei der HeroCon in Dortmund wiedersehen. Also ich hoffe, dass da was passiert. Und ja Thema Altersvorsorge betrifft mehr oder weniger alle die Aussagen, man muss selbst irgendwie vorsorgen, die betreffen alle und da muss es Lösungen geben. Gerade für Leute im Handwerk, wie du sagst Jürgen, ganz maßgeblich zur Wertschöpfung in Deutschland auch beitragen. Es gibt ja berechtigte Kritikpunkte, die man auch an die Bundespolitik adressieren darf und muss. ohne gleich dann in die Extreme abzuwandern. glaube, damit können wir den Punkt so ein bisschen abschließen. Abschließende Frage von mir. Würdet ihr nochmal teilnehmen an so einem Format? Würdet ihr euch nochmal zwei Tage hinsetzen und mit 42 fremden Menschen diskutieren? Tamina? Ja, ich denke eigentlich schon. Es hat auch Spaß gemacht. Immer neue Leute kennenlernen ist gut und... Nö, fand ich gut. würde ich auf jeden Fall wieder dabei sein. Jürgen? Ich würde auch auf jeden Fall noch mal mitmachen. Es war eine absolute Bereicherung, auch die ganzen Leute kennenzulernen, die unterschiedlichen Leute. Das war eigentlich wirklich eine wunderschöne Erfahrung. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine zweite Auflage. Ob ihr dann wieder dabei sein dürft, weiß ich nicht. Aber ihr habt ja zumindest die Kontaktdaten von eurer Gruppe und wie ihr gesagt habt, ihr tauscht euch ja auch jetzt auch nach dem Event noch aus. Also mal gucken, vielleicht entstehen ja daraus auch noch schöne Diskussionsrunden über verschiedene Themen. Ich würde sagen, jeder der jetzt Lust hat, sich diese Formate anzuschauen, der mal wirklich sich mal ein, zwei Stunden Zeit nehmen möchte und detailliert zum Thema Demokratie, zu den Themen Gleichberechtigung, Brandmauer, sich verschiedene Meinungen anhören möchte, das gibt es alles in der ARD Mediathek.
Max Herrmannsdörfer: Was Deutschland verbindet, das einfach in die Suche eingeben und dann kommt man dann kommt man zu Doku, zu 60 Minuten oder eben zu allen Einzel-Sessions aus Leipzig und aus Baden-Baden. Ja, Tamina, Jürgen, jetzt sind wir am Ende unserer Podcast-Folge. Ich danke euch ganz recht herzlich, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Jetzt war es hier in Anführungszeichen ja nur eine Stunde und nicht zwei Tage, wie es in Leipzig und in Baden-Baden dann war. Ganz herzlichen Dank, dass ihr hier dabei wart und ich wünsche euch weiterhin alles Gute, viel Erfolg weiterhin bei euch im Handwerk. Ja, vielen Dank. Macht es gut. Ciao. Das wars mit Handwerk erleben. Dir hat diese Folge gefallen? Dann abonniere diesen Podcast, keine Folge mehr zu verpassen. Wir freuen uns auch über eine 5-Sterne-Bewertung bei deiner Podcast-Plattform. Dieser Podcast ist eine Produktion der Handwerker Radio GmbH. Weitere Informationen findest du unter handwerker-radio.de
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