#179 Emily Maichle, sollten wir öfter über den Tod sprechen?

Shownotes

Tod, Abschied, Trauer: Themen, über die viele lieber schweigen. Für Emily Maichle gehören sie zum Alltag – und zu einer Aufgabe, die für sie weit mehr als ein Beruf ist. Die Bestattermeisterin aus Geislingen nimmt Max Herrmannsdörfer mit hinter die Kulissen eines Familienbetriebs in vierter Generation und zeigt, wie vielseitig, fordernd und menschlich das Bestatterhandwerk ist. Von nächtlichen Anrufen über unvorhersehbare Einsätze bis zur Organisation ganz persönlicher Abschiede: Hier geht es nicht um starre Abläufe, sondern darum, Menschen in Ausnahmesituationen Orientierung und Halt zu geben.

Emily erzählt von Trauerfeiern mit Motorrad, Lieblingsmusik und einer Party auf der eigenen Wiese – und davon, wie eine frühzeitige Bestattungsvorsorge Angehörige entlasten kann. Sie spricht über die besondere Verantwortung ihres Handwerks, Einsätze des Death Care Teams in Katastrophengebieten, Frauen im Handwerk und ihre Rolle als Miss Handwerk 2026.

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Max Herrmannsdörfer: Handwerk erleben. Podcast mit den spannendsten Geschichten aus dem Handwerk und darüber hinaus. Heute geht es bei uns ein Thema, mit dem sich viele im Alltag wahrscheinlich zu wenig beschäftigen. Es geht das Thema Tod und es geht das Bestatterhandwerk. Und genau darüber möchte ich heute sprechen und damit ganz herzlich willkommen bei Handwerk erleben. Ich bin Max Hermannsdörfer und mein Gast ist heute Emily Meichle. Sie ist Bestattermeisterin aus Geislingen in Baden-Württemberg. und Miss Handwerk 2026. Hallo Emily. Hi Max. Emily, ich habe schon gesagt, das Thema Tod ist für viele ein Thema, wo man nicht so gerne drüber spricht und leider auch immer noch oft ein Tabuthema. Bei dir sieht es ja ganz anders aus. Ich glaube, du hast seit Stunde eins mit diesen Themen irgendwie zu tun, oder? Ja, also... Bei mir muss man immer so bisschen damit dazusagen, ich komme aus einem Familienbetrieb. Also mein Urgroßvater hat damals das Bestattungsunternehmen gegründet. Ich bin mittlerweile die vierte Generation. Also man wächst seinen Familienbetrieb natürlich auch einfach ganz anders damit auf. Und bei mir war immer der große Vorteil auch, dass das Thema Tod einfach in der Familie immer normal war. Man hat über das Sterben gesprochen und deswegen hat man da, war das nie irgendwie was Besonderes oder was, wo man sagt, Gott, da dürfen wir nicht drüber sprechen. Da wächst man dann noch einfach anders damit auf, wie jetzt in anderen Familien, wo das Thema halt nicht so präsent ist und man sagt, Gott, wir reden nicht drüber, wenn jemand gestorben ist oder wenn es irgendwie dann bevorsteht. Und das macht dann natürlich auch was mit der eigenen Einstellung dazu. du sagst schon vier Generationen im Bestatterhandwerk. Gibt es irgendjemand aus deiner Familie, der nichts damit zu tun hat? Tatsächlich nicht. Mein Bruder, der hat nach seinem Schulabschluss erstmal gesagt, er möchte was anderes machen, hat eine Ausbildung gemacht zum Nutzfahrzeug-Mechatroniker und nach seiner Ausbildung hat er dann aber irgendwann gesagt, ich würde auch gerne in Familienbetrieb kommen, der ist jetzt auch mit dabei. Also es ist wirklich Familienbetrieb durch und durch. Ok, krass. Das heißt, der Betrieb ist auch ein reiner Meichle-Betrieb oder habt ihr noch weitere Mitarbeiter?

Max Herrmannsdörfer: Wir haben noch weitere Mitarbeiter, tatsächlich so ein bisschen auch im Büro. Wir haben bei uns im Bestattungsunternehmen ein angrenzendes Trauercafé. Das heißt, die Angehörigen haben die Möglichkeit, der Trauerfeier auch dann bei uns noch mal Kaffee zu trinken. wird auch gemacht. ja auch eine Mitarbeiterin, die sich darum kümmert. Und wir haben auch Aushilfen dann, wenn es um die Überführung von Verstorbenen geht. Weil wir sind vier in der Familie. Wir haben 24 Stunden, sieben Tage, die Woche 365 Tage im Jahr Bereitschaft. Es gibt auch mal Momente, wo jemand aus der Familie einfach nicht kann, weil man ja auch vielleicht noch ein Privatleben hat. Deswegen, die Aushilfen sind da auf jeden Fall goldwert, die uns da unterstützen. Okay, Privatleben ist aber schon so eine Sache, wenn die komplette Familie tatsächlich in diesem Betrieb ist. Gibt es bei euch einen Feierabend oder ist das irgendwie immer präsent? Dadurch, dass wir natürlich die Bereitschaften haben, rechnet man immer damit, dass irgendwie auch in der Freizeit dann irgendwie ein Anruf kommen kann. Bei uns hat auch immer einer in der Familie die Telefonbereitschaft und die Leute rufen ja zu den verrücktesten Tages- und Nachtzeiten an und haben Fragen zu einer Bestattungsvorsorge oder möchten nachts zwei eine Änderung an der Todesanzeige machen. wirklich? Ja, tatsächlich gibt's die leider manchmal. Und wenn man die dann drauf aufmerksam macht und sagt, es ist nachts zwei, so wir können das am Morgen früh neun machen, das ist nicht zu spät, ich werd jetzt... heute Nacht mein Laptop nicht anmachen, nur die Änderungen an der Todesanzeige nicht machen, dann heißt es immer, ja, aber bei Ihnen, bei Google steht ja dran, bei Ihnen ist rund die Uhr geöffnet. Ich sage auch, ja, irgendwann wollen wir auch mal schlafen. Die Menschen denken da aber gar nicht dran und die meinen das niemals böse. Man muss halt einfach bedenken, dass sie in einer emotionalen Ausnahmesituation sind und dann funktionieren vielleicht auch einfach die ein oder anderen Gedankabläufe nicht mehr ganz so gut. Das ist aber auch nicht schlimm, auch dafür sind wir da und man kann es aber sonst in der Freizeit eigentlich sehr gut ausblenden. Also ich bin immer erreichbar. Viele Freunde von mir sagen, wie kannst du immer dein Handy dabei haben und immer dieses Gefühl haben, ich muss erreichbar sein, aber ich bin damit aufgewachsen. Für mich macht das gar keinen Unterschied. Also ich sitze auch nicht den ganzen Abend da und denke, Gott, hoffentlich kommt jetzt kein Anruf, sondern es passiert doch eh wie es passiert. Ich kann es ja auch nicht ändern, wenn es dann soweit ist. Und wenn ich einen ruhigen Abend und eine ruhige Nacht habe, ist auch gut.

Max Herrmannsdörfer: Das ist aber schon eine sehr besondere Einstellung zu einem Beruf, sage ich mal. Ist es für dich ein Beruf? Würdest du das so claimen? Also, es ist schon eher eine Berufung und ich finde das auch so bisschen eine Lebenseinstellung. Das ist aber eben auch genau das, dass ich für mich einen Beruf gefunden habe, für den ich einfach brenne, wo ich so die Leidenschaft für mich entdeckt habe. dann guckst du nicht am Ende vom Tag, Gott, jetzt hab ich acht Stunden gearbeitet, ich möchte jetzt Feierabend machen, sondern während es halt an einem Tag mal zehn oder elf oder auch zwölf Stunden, dann ist es nicht schlimm, weil man das irgendwie gern macht. Und das ist auch das, was ich so als Misshandwerk den jungen Menschen so ein bisschen vermitteln möchte, dass sie so einen Beruf finden sollen für den, die einfach brennen. Und dann ist auch das Thema Work-Life-Balance gar kein so großes Thema mehr, wenn man gern zum Arbeiten geht. Auf das Thema Misshandwerk werden wir auf jeden Fall im Laufe des Gesprächs zu sprechen kommen, was du da genau vermitteln möchtest und was jetzt auch in den letzten Monaten schon so passiert ist. Wenn wir bei deiner Berufung noch bleiben wollen und euren Betrieb, kannst du das mal für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer erklären. Wie muss man sich ein Bestattungsunternehmen oder speziell auch eure Unternehmen vorstellen? Was gehört alles dazu? Ja, also die Aufgaben bei uns sind natürlich super abwechslungsreich. denken, wenn sie an Bestatter denken, einfach nur, ja, der holt die Verstorbenen ab und vielleicht ist er bei der Trauerfeier mit dabei, aber es gehört ja viel, viel mehr mit dazu. Wir sind teilweise wirklich auch Eventmanager. Das ist auch manchmal so dann der Beruf, wenn ich gefragt werde, wenn ich neue Leute kennenlernen, was machst du beruflich und ich habe keine Lust, über meinen Beruf zu sprechen, sei ich denn Eventmanagerin, weil es das eigentlich ganz gut trifft. Stimmt ja auch, ja. Ja, Trauerfeiern werden immer mehr zu einem Event und Ich bin dann für die ganze Planung und Organisation zuständig. Das heißt, im Beratungsgespräch mit den Angehörigen überlegen wir, was passt zum Verstorbenen, wie können wir die Trauerfeier individuell gestalten. Dann werden die Terminabsprachen getroffen, die Blumen werden bestellt, die Musik wird ausgewählt. der Trauerfeier spielen wir die Musik ab, gucken, dass alles läuft, machen womöglich noch Erinnerungsfotos für die Familie. Also wir sind da wirklich so Mann und Frau für alles.

Max Herrmannsdörfer: Es ist ja auch so spannend, weil bei uns gibt es einfach keinen Tagesablauf. Also viele sagen immer, wie sieht denn bei dir so ein gewöhnlicher Arbeitsalltag aus? Den gibt es nicht. Also wenn ich Glück habe, dann schaffe ich es morgens, wenn ich in Betrieb komme, kurz die Mails zu checken. Und dann ist es aber so, wenn ein Anruf kommt und wir müssen zu einer Abholung, dann ist der ganze Tagesplan, den man sich vielleicht im Kopf geschmiedet hat, über einen Haufen geworfen, weil dann einfach was anderes dazwischenkommt. Und deswegen kann man die Tage nicht planen. Man hat so die fixen Termine wie Beratungsgespräche, Trauerfeiern, die man da natürlich einhalten muss, aber alles andere drum herum ist komplett frei gestaltbar, unveränderbar. Meistens ist es dann so, wenn man sich denkt, hey, heute Mittag habe ich mal noch ein bisschen Zeit, ich könnte mal irgendwie ein bisschen Bürokratie machen. Meistens kommt dann noch womöglich der Anruf von der Polizei, dass man irgendwie zu einer Polizeiabholung muss, wo es nicht natürlichen Tod gab. Das macht es halt aber auch so spannend und abwechslungsreich. Wir haben auch vielen mit Verstorbenen zu tun, klar durch die Abholung von Verstorbenen. Und ein Mensch kann überall versterben, ob es im Krankenhaus, im Pflegeheim, bei Angehörigen zu Hause, auf der Straße ist. Und es ist ja auch immer, wenn wir irgendwo hinkommen, wir wissen ja meistens gar nicht, wie ist die Situation eigentlich vor Ort. Also das sind auch so Dinge, wenn man sagt, ja dann holst du halt an einem Tag drei Verstorbene ab, es ist ja immer das Gleiche. Ja ist es eben nicht, weil dreimal am Tag stehen die unterschiedliche Angehörige dann vor dir. Dreimal am Tag hast du ganz unterschiedliche Situationen, wo ein Mensch verstorben ist. Es ist immer spannend und es ist auch kein Trauerfall irgendwie der gleiche. Hast du noch irgendwelche Hemmungen, wenn du zu dem Fall gerufen wirst? Hemmungen tatsächlich nicht, wobei man aber auch sagen muss, es ist immer so eine leichte Anspannung, man irgendwo hinfährt. Gerade, wenn man nicht weiß, wie sind die Gegebenheiten. Und man muss ja auch dazu sagen, Menschen sterben nicht immer friedlich. Also nicht jeder geht abends ins Bett und wacht einfach morgens nicht mehr auf. Ab 95, so wie wir es uns ja eigentlich für uns alle wünschen, dass man bis ins hohe Alter fit und gesund ist und dann einfach abends ins Bett geht und morgens nicht mehr aufwacht. So Situationen hat man natürlich nicht. Und dann wird man auch als Bestatter oder als Bestatterin zu Fällen gerufen.

Max Herrmannsdörfer: Grad wenn ein Verstorbener mehrere Tage schon verstorben zu Hause lag und es ist noch keinem aufgefallen. Man hat dann natürlich auch mit gewissen Gerüchen, Körperflüssigkeiten und so zu tun, das gehört damit dazu. Aber man lernt damit umzugehen. Und ich denke mir auch dann oft, wenn ich denke, okay, es ist jetzt gerade wirklich super unangenehm, weil das riecht super streng oder dann hast du so viele kleine Tierchen da, dann denke ich mir auch immer, es müsste jetzt nicht sein. wenn ich es nicht mache, wer macht es denn dann? So und dann wird es einfach gemacht und dann ist es auch in Ordnung und dann sind wir auch dafür da und das finde ich ganz wichtig, weil es ist nachher niemandem, es ist auch den Angehörigen nicht geholfen, wenn ich dann sage ich komm und sag ja, das ekelt mich jetzt ein bisschen, ich mach das nicht. Das bringt ja auch den Angehörigen nichts. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie oft es Menschen unangenehm ist, wenn wir zu denen nach Hause kommen, weil da jemand irgendwie plötzlich verstorben ist und da ist halt bisschen chaotisch. Die entschuldigen sich erstmal und wollen uns eigentlich gar nicht reinlassen und ich sag dann immer, komme nicht zum Aufräumen. Mir ist das egal. Und ihr seid in einer Ausnahmesituation. Bei euch ist jemand verstorben, ist es doch völlig egal, ob eure Wohnung jetzt aufgeräumt ist oder ob ihr die letzte Woche nicht gesaugt habt. Das ist mir egal. Das ist gar nicht wichtig. da merkt man dann auch, was für Kleinigkeiten dann so für Familien einfach noch unangenehmer sein können. Wo ich mir denke, habt gerade einen geliebten Menschen verstorben. Das kann doch jetzt nicht der Staubsauger irgendwie euer Problem sein. Da ist ja auch jede und jede wahrscheinlich anders. wenn du zu Angehörigen kommst oder mit Angehörigen zu tun hast. glaube, auch das ist schon eine riesige Aufgabe, die ihr als Bestatterin, Bestatterin habt, da das richtige Feingefühl zu entwickeln. Wie lernt man sowas oder hat man sowas dann einfach? Also ich sage, man kann das auf jeden Fall lernen. Man muss halt versuchen, einfach offen gegenüber den Menschen zu sein. Und ich finde es ganz schlimm, wenn ich so Trauer feiern oder Szenarien von Trauer feiern habe, die sich wiederholen. Bei einem anderen Trauerfall die gleichen Lieder wie beim Trauerfall vor zwei Wochen, ich finde das immer ganz schwierig und deswegen ist es für mich auch so wichtig, die persönlichen Wünsche und auf die Familien einzugehen und wir haben so ein großes Dienstleistungsspektrum. Wenn ich jetzt Angehörigen im Beratungsgespräch erzählen würde, was wir alles anbieten können und was wir alles machen, wäre ich in drei, vier Stunden nicht fertig. Und dann ist es für uns immer, ist wie bei einem guten Handwerker, du hast so deinen Werkzeugkoffer.

Max Herrmannsdörfer: Aber es bringt nichts, wenn du dem Kunden all dein Werkzeug hinlegst und sagst so, damit könnte ich jetzt arbeiten, sondern du musst halt zum richtigen Moment so dein richtiges Werkzeug irgendwie dann auspacken und mit dem funktioniert das dann. Und das macht dann auch Spaß, weil du merkst schon innerhalb der ersten fünf Minuten im Gespräch mit so einer Familie, in welche Richtung könnte das gehen. Und dann braucht man halt die Fähigkeit, einfach auf die Wünsche einzugehen, auf die Menschen einzugehen und dann können da aber auch ganz tolle Trauerfeiern draus werden. Kannst du mal diesen symbolischen Werkzeugkoffer von euch, du musst ihn jetzt nicht komplett auspacken, nicht drei, vier Stunden, aber kannst du mal so beispielhaft so ein paar Bestattungsarten oder Art und Weise nennen, die du euren Verstorbenen bzw. den Angehörigen anbieten kannst? Gut, wir haben natürlich so die grundsätzlichen Bestattungsarten wie die Feuerbestattung, die Erdbestattung oder auch die Seebestattung. Wir kommen hier aus Baden-Württemberg. Kein Mensch hier hat oder sehr wenige Menschen haben Bezug zur Nord- und Ostsee. Ich muss Angehörige in meinem Beratungsgespräch nicht fragen, ob die eine Sehbestattung in der Nordsee wollen. So also Thema Sehbestattung bleibt im Werkzeugkoffer, bis die Angehörigen sagen, unser Verstorbener war immer so mit dem Meer verbunden und der ist an der Ostsee aufgewachsen. Dann kann ich sagen, ihr habt da was für euch. Dann ansonsten so Dinge zum Beispiel wie Erinnerungsschmuck. Also wir haben ja die Möglichkeit von verstorbenen Fingerabdrücke zu nehmen oder auch eine Haarsträhne abzunehmen, wo dann danach so ein Erinnerungsschmuck draus gemacht werden kann. Ein Anhänger mit dem Fingerabdruck graviert oder irgendwie eine Perle, wo dann die Haare mit verarbeitet sind. Das wollen aber ganz viele Familien nicht. Und ich hab dann schon immer im Gefühl, könnte das der Familie irgendwie in ihrer Trauerarbeit weiterhelfen, könnte das was bringen, wenn die einfach noch einen Teil vom Verstorbenen bei sich tragen können. So wenn ich dann das, vor allem auch bei jungen Menschen, also wenn man Junge Angehörige hat, wenn Menschen jung versterben, die älteren Generationen wollen das nicht so. Ich sag die jüngeren Generationen, unsere Generation, so die können sehr schwer loslassen. Und dann sind natürlich so Dinge wie, nehm noch eine Haarsträhne und ich weiß, ich hab immer was von dem geliebten Familienangehörigen bei mir. Dann ist es so ein kleiner Teil, ich nicht loslassen muss, den ich bei mir tragen kann und dann ist derjenige auch immer bei mir. Das sind so Dinge. Oder auch...

Max Herrmannsdörfer: Wir können ja bei der Trauerfeier alles Mögliche dekorieren. hatten letztens eine Trauerfeier, stand das Motorrad vom Verstorbenen bei uns in der Trauerhalle und auf dem Sitz von diesem Motorrad war dann die Urne aufgestellt. Das sind auch so Dinge, die passieren einfach in so einem laufenden Beratungsgespräch oder ich hatte eine Familie, wir haben so eine klassische Trauerfeier geplant auf dem Friedhof mit einer Trauerretnerin. Und dann sagte die Familie so im Lauf des Gesprächs, nebenbei, die haben eigentlich mit sich geredet und gar nicht mit mir, weil ich was aufgeschrieben habe, sagen die, und danach gehen wir auf die Wiese von dem und feiern da ein richtiges Fest. Und dann habe ich gesagt, was für eine Wiese und was für ein Fest. Ja, der hatte ein Gartengrundstück und da haben wir immer die krassesten Feste gefeiert. Und der ist jetzt zwar nicht mehr da, aber wir lassen einen Bierwagen kommen, da wird ein Zelt aufgebaut und wir machen nach der Trauerfeier da ein Fest. Dann hab ich gesagt, was haltet ihr davon, wenn wir jetzt einfach alles, was sie die letzte halbe Stunde besprochen haben, über den Haufen werfen und wir aus dieser Trauerfeiern festmachen und wir die Trauerfeier mit der Urne vom Verstorbenen auf dieser Wiese machen? Und das haben wir gemacht. Und das sind einfach so Dinge, die können aber auch nur dann passieren, wenn Angehörige sich mir gegenüber öffnen. Gerade wenn dann solche Gespräche am Tisch, mit denen ich ja nichts zu tun hab, vielen wäre das unangenehm zu sagen, wir machen danach irgendwie ein Fest, weil die denken, die trauern nicht richtig. Aber wenn man sich mir gegenüber öffnet, dann kann man da so viel machen. Und ich werde jetzt natürlich nicht zur 95-jährigen Oma Hildegard sagen, komm, die Urne vom Opa Hans, die stellen wir jetzt bei euch in den Garten bei eurem Reihenhaus und dann machen wir da die Trauerfeier. Das wäre völlig unpassend. Also da, sind schon so Dinge. Man kann sehr viel machen, man kann Trauerfeiern sehr individuell gestalten. Bei uns haben auch Angehörige die Möglichkeit, den Verstorbenen selber mit uns nochmal zu waschen, anzugleiten und herzurichten. auch die Möglichkeit gibt's. Aber wenn ich schon das Gefühl hab, die Angehörigen haben Berührungsängste mit dem Verstorbenen, auch wenn es jemand aus der eigenen Familie ist, muss ich das denen nicht anbieten. Aber wenn ich hör, dass eine Tochter ihren Vater 20 Jahre lang gepflegt hat, der kann ich das natürlich anbieten und sagen, hey, du hast es 20 Jahre lang gemacht, warum machst du es jetzt nicht auch noch mal ein letztes Mal? letztes Mal. Ja. Also, das sind, so du merkst, das sind ganz viele Werkzeuge.

Max Herrmannsdörfer: Was man da Super spannend. Und es zeigt aber, dass eine Bestattung nicht immer nur traurig und alle in Schwarz sein muss. Also, dass es eben noch mehr gibt. Und ich weiß nicht, ob sich die Menschen da tatsächlich schon trauen, dann eben auch solche Wünsche rauszuarbeiten. Aber das ist ja dann deine Aufgabe wahrscheinlich, so wie ich es raushöre. Ja, und wir sind hier sehr, wir sind eigentlich quasi auf dem Land. Geislinge ist zwar eine kleine Stadt, aber es ist hier alles sehr ländlich. Zu mir kommen Angehörige und sagen, Frau Meichle, ist ja mein Mann gestorben, aber ich fühle mich in schwarzen Klamotten gar nicht wohl, aber ich muss ja jetzt ein Jahr nur schwarz tragen, weil was denken sonst die Nachbarn? Und ich denke mir, ey, wenn du dich in schwarzer Kleidung nicht wohlfühlst, dann zieh doch bitte an, was du möchtest. Und es ist doch völlig egal, was die Nachbarn sagen, aber es ist schon so, dass viel geguckt wird und überlegt wird. Wie können wir das so machen oder was denken dann nachher die anderen? Und das finde ich einen ganz falschen Ansatz, wer sind die anderen und mit welchem Recht fangen die an über einen Abschied zu judgen? Wo sie ja, also die sind ja dann, die Nachbarn sind dann vielleicht nicht unbedingt in Trauer, denen kann das doch völlig egal sein. Und das ist so was, wo ich die Menschen dann dazu auch ermutigen möchte, wobei ich dann auf der anderen Seite auch die Angehörigen schützen muss. Also wir haben zum Beispiel Thema Musik bei einer Trauerfeier. Also du kannst ja das ja bunter und verrückter nicht vorstellen, wie die Musik aus mal zu Trauerfeiern. Und dann passiert es auch mal, dass wir so Lieder wie Hell's Bells oder so zur Trauerfeier spielen. so ein Lied zu Beginn von einer Trauerfeier, wenn ich das abspielen muss, finde ich das selber immer sehr unangenehm, weil ich stehe dann an der Musikbox und dann fängt das Lied an und alle drehen sich zu Kriegst du die Blicke ab? Weil die alle denken, ich habe auf den falschen Knopf gedrückt. Das sind dann so Sachen, wo ich meinen Angehörigen auch rate, wir können das Lied spielen voll gern, aber lass doch den Pfarrer, die das mittlerweile auch mitmachen teilweise, solche Lieder zur Trauerfeier oder die Freien Redner, lass sie doch erst mal erzählen. Lass sie doch erst mal über die Musik sprechen, die der Verstorbene gern gehört hat und dann sag, hey, Hell's Bells war sein Lieblingslied und genau das hören wir jetzt. Dann ist es eine ganz andere Situation.

Max Herrmannsdörfer: Und dann sitzen nachher auch nicht in den ersten zwei Minuten die Leute in der Trauerfeier und sagen, Gott, was hat sich Familie Müller da jetzt eigentlich für Lieder rausgesucht? Sind die bescheuert? Also es gibt dann, wir müssen die Angehörigen dann schon auch dahingehend so ein bisschen schützen, aber dafür sind wir da, die zu beraten. Und ja, so können individuelle Trauerfeiern entstehen. Und das finde ich ganz toll. Hättest du meine, ich habe lange noch mit meiner Oma zusammengearbeitet. Also wir waren eine Zeit lang, vor allem als ich frisch in Betrieb kam, drei aktive Generationen, die im Betrieb gearbeitet haben. können sich ganz viele gar nicht vorstellen. Es war auch sehr spannend, weil meine Oma zum Beispiel auf ihrem Schreibtisch stand eine Schreibmaschine. Und ich saß dann gegenüber und bei mir stand ein Computer. Also es waren dann da auch schon ein bisschen Differenzen, aber da konnte ich tatsächlich für meine Oma auch super viel Berufserfahrung, einfach was sie mir da auf den Weg gegeben hat. Das war unfassbar. Und mit der habe ich mich dann auch oft unterhalten. Und wir stellen ja mittlerweile bei 95 Prozent der Trauerfeiern ein Foto vom Verstorbenen neben der Urne oder neben dem Sarg auf. Das hätte es vor 25 Jahren, vor 20 Jahren, vor 15 Jahren nicht gegeben. Da war das die maximale Ausnahme. Mittlerweile geht es fast nicht mehr ohne. Und das ist auch wieder so ein Teil, es wird alles persönlicher und es wird alles individueller. So soll Abschied auch sein. Ja, ich finde es ja schön, dass sich dieses Thema wandelt und dass da sich auch mal mehr getraut wird oder dass man wirklich die Wünsche der Verstorbenen umsetzt und da vielleicht zu, ihr habt bei euch auf der Website, jetzt darfst du gleich sagen, wie es Ritig heißt, ist es die Bestattungsverfügung oder also das, für die Menschen selbst ihre Bestattung quasi planen können. Wie heißt das genau und was ist das? Also es gibt die Bestattungsvorsorge, also so wird sich das ganze Thema genannt. Es ist so, dass Menschen zu Lebzeiten schon ihre eigene Bestattung planen können. So wie die Menschen im besten Fall Patientenverfügungen machen, Generalvollmachten machen, so können die auch ihre Bestattung planen. Und ich finde, ist super, super wichtigen Weg. Ganz ehrlich, viele haben Angst vor diesem Schritt. Und wir beraten viele Menschen hinsichtlich der Bestattungsvorsorge. Und in 80 Prozent der Fällen kommen die Menschen und sagen, Gott, vor dem Gespräch bin ich jetzt irgendwie voll aufgeregt.

Max Herrmannsdörfer: Aber das sind die lustigsten und die amüsantesten Gespräche tatsächlich, weil das einfach so eine lockere Atmosphäre ist. Und ich sag immer, vom Über den Tod reden ist noch keiner gestorben. Und wir müssen einfach anfangen in der Generation oder auch jetzt in den jüngeren Generationen viel mehr über dieses Thema offen auch zu sprechen. Weil dann fangen wir halt an, dass so Vorurteile gar keine Rolle mehr spielen, weil einfach alle besser informiert sind. Wenn alle besser informiert sind, haben viel weniger Angst davor. Ich bekomme es ja mit die größte Angst von meinen Angehörigen, also von Angehörigen, mir ein Beratungsgespräch gegenüber sitzen, alle Sterbefälle, die ich betreue. Die Angehörigen davon sind meine Angehörigen. Viele denken dann immer, es wäre meine Familie, aber nein, es sind meine Angehörigen, die ich begleite. Die größte Angst von denen ist immer, dass die irgendwas entscheiden, was der Verstorbene so nicht gewollt hätte. Also ist es jetzt die richtige Bestattungsautokort? Hätte sich die Mama das wirklich so gewünscht? Hätte dem Opa die blaue Urne gefallen. Das sind so Kleinigkeiten, die unsichern die Angehörigen wahnsinnig. Und ich denke mir, wenn doch jeder zu Lebzeiten einfach schon mal so bisschen kommuniziert, was er möchte. Das muss gar nicht in einer Bestattungsvorsorge mit dem Bestatter sein. Aber setzt euch in der Familie zusammen und sprecht einfach mal drüber, wie sind eure Vorstellungen, was möchtet ihr. Oder auch einfach, was möchtet ihr nicht? Was wäre für euch so ein No-Go? Und kommuniziertes schreibt es dann vielleicht noch auf. dann ist es nachher so eine Entlastung für die Hinterbliebenen, weil die einfach wissen, welchem Weg können wir gehen. Und ob die Blumen dann nachher weiß sind, so Trauerfeier oder rot oder pink, ist völlig egal. Das sind dann Sachen, die können entschieden werden. Aber wenn so ein grober Weg mal vorgelegt ist, dann ist es mega. Wir haben auch Angehörige, die planen zu leben, in ihrer Bestattung bis ins kleinste Detail. Also auch da, hatte... Die gibt's und ich hatte da mal eine Frau, die, diese Frau hat mich wirklich nachhaltig sehr geprägt. die war schwer krank und die Familie war zu mir zur Bestattungsvorsorge. Und ich, das war so weit in der Planung, dass ich für sie ihre eigene Todesanzeige gestalten musste, wo einfach nur der Todestag gex'ed war und das Datum von der Trauerfeier. Und ich sagte, das ist auch als Bestatterin, ich setze am Tag mehrere Todesanzeigen, aber das war für mich irgendwie, ich saß da sehr lang davor und dachte, das ist irgendwie, das ist richtig krass. Und wie stark und mutig muss ein Mensch sein, der weiß,

Max Herrmannsdörfer: Er hat nicht mehr viel Zeit zu leben, sich damit so zu beschäftigen. Und die Frau hat das alles geplant. Und bis zu dem Moment, als sie verstorben ist, und da bin ich damals mit meinem Papa und einer Aushilfe, sind zu dritt zur Familie nach Hause gefahren, weil sie zu Hause einschlafen durfte, und als wir gegangen sind, hat der Ehemann uns drei eiskalte Flaschen Weißwein mitgegeben und hat gesagt, das stand auf der Liste meiner Frau. dass die Personen, die sie abholen, noch eine eiskalte und quasi perfekte Trinktemperatur, eine Flasche Weißwein bekommen, jeder, und abends dann diesen Weißwein noch aufmachen und einfach auf sie und auf ihr Leben anstoßen. Und also, wenn ich das heute noch erzähle, ich krieg jedes Mal Gänsehaut, weil ich fand das so stark und so krass, also auch das kann Bestattungsvorsorge sein, aber dafür sind ganz, ganz viele nicht mutig genug. Ich sag dir, ich krieg, also meine Augen wären gerade leicht feucht. Ich finde das echt, also es ist super schön, so was zu hören, weil ja, man setzt sich damit zu wenig auseinander. Aber was es dann bewirken kann, wenn man sich damit auseinandersetzt, wenn man darüber ordentlich spricht und kommuniziert und da auch dann den Druck von den eigenen Angehörigen nimmt. Ja. Also das tut ja zu Lebzeiten schon gut, finde ich. Wenn man das so macht. Und auch der Familie hat es dann in diesem ganzen Trauerprozess, auch denen hat es gut getan, weil die wussten einfach, es war mit mir schon alles besprochen, jeder wusste, was er zu tun hat. Die Enkel haben dann noch die Irne bemalt, die hatten die Irne mit nach Hause bekommen und so. Und das waren einfach, also das war so ein schöner Abschied. da wird heute noch, da waren super viele Menschen da, da wird heute noch so oft drüber gesprochen. Und ich denke mir, ja, die sitzt jetzt irgendwo da oben und denkt, ich hab da alles richtig gemacht und das ist jetzt auch schon zwei Jahre her, zweieinhalb, spreche heute noch über sie und das ist schon krass. Krass, wirklich. sowas bleibt dann auch im Gedächtnis und da wird der Tod, klar es ist nie ein schönes Ereignis, wenn niemand stirbt, müssen wir nicht drüber reden, aber man kann sich es schöner Anführungszeichen gestalten oder zumindest

Max Herrmannsdörfer: wie man damit umgeht, kann man sich schöner gestalten. Ja, und ich meine, wir bleiben auch alle nicht da. Also das ist ja auch was, was klar ist. viele kommen dann mit Mitte 50 und sagen, ja, Frau Meichel, eigentlich ist noch zu früh für eine Bestattungsvorsorge, oder? Da habe ich gesagt, also ich habe auch schon Menschen abgeholt, die waren deutlich jünger. Also es ist ja immer auch die Frage, was ist zu früh, um darüber zu sprechen? Das ist nie zu früh, weil wir wissen alle nicht, wie viel Zeit uns hier auf der Welt zu leben bleibt und deswegen müssen wir auch jeden Tag nutzen und deswegen kann man da auch mal drüber sprechen. Wo mir immer so bisschen das Verständnis fehlt und du kannst dir gar nicht vorstellen, wie oft das passiert. Das Angehörige zu mir kommt zum Beratungsgespräch, man fragt das Geburtsdatum ab und dann sind die Menschen 95, 98, 100 und du denkst dir so, okay, die werden sich ja mal Gedanken darüber gemacht haben und dann heißt es, es eine Feuer- oder eine Erdbestattung geben soll. Frau Meichel, darüber haben wir uns noch nie Gedanken gemacht. Wissen Sie, das war jetzt alles so plötzlich und unerwartet? Also, das wissen wir jetzt eigentlich gar nicht. Dann denke ich mir, okay, ich verstehe diesen Punkt, dass es auch mit 100 plötzlich und unerwartet sein kann, weil es einfach viele Menschen gibt, die in dem Alter noch fit sind, was ich, finde ich super krass. Aber ich denke mir auch so, also, was glaubt ihr denn? Wie lange hättet ihr noch leben wollen, bis dieser Moment kommt? Aber das ist dann bei ganz arg vielen gar nicht, dass dieses Bewusstsein fehlt, sondern ich glaube, das ist einfach die Angst, darüber zu reden und sich nicht trauen, dieses Thema anzusprechen. Aber das bringt dann halt nachher niemanden weiter. Ja. Wie gehst denn du persönlich mit dem Thema Du hast beruflich damit jeden Tag zu tun. Aber was macht dieser Beruf mit dir persönlich? Man versucht schon, das Leben tatsächlich anders zu schätzen, weil wir viele Familien mit schweren Schicksalsschlägen auch einfach begleiten und man sich natürlich auch mal die Gedanken macht, so was, was ist, wenn das mir in meiner eigenen Familie passiert? Dann holst du einen Verkehrsunfall ab von einem jungen Mann und denkst dir, ey, was wäre gewesen, wenn ich das gewesen wäre? Also man setzt sich da schon mehr damit auseinander, weil man es natürlich auch einfach mehr mitkriegt. Und ich habe dann für mich einfach so ein bisschen irgendwann mal mich dazu entschlossen, dass ich sage, ich möchte einfach

Max Herrmannsdörfer: die Zeit, die ich hier habe, nutzen. Ich möchte gucken, dass ich jeden Tag zu einem guten Tag mache, dass ich mich nicht zu viel über andere Idioten auf diesem Planeten aufreg, die es alle gar nicht wert sind, sondern dass man das Leben einfach viel mehr schätzt und vor allem, dass man es schätzt, wenn man morgens aufsteht und gesund ist. Ich gehe privat sehr viel laufen, weil das auch einfach für den Kopf so, da bekommt man den Kopf frei. Und ich laufe immer an einem Pflegeheim vorbei. Also da ist der Fahrradweg, das ist so meine Hauptlaufroute. Und immer sitzen da irgendwelche älteren Menschen im Rollstuhl, die nicht mehr laufen können. Und so oft werde ich dann beim Laufen so bisschen nachdenklich und denke, krass, ich hab das Privileg, ich hab zwei funktionierende Beine, ich kann laufen gehen. Und es gibt einfach Menschen, denen ist das gar nicht mehr möglich. ich finde, da darf man schon so bisschen bewusster sich auch das einfach ins Gedächtnis rufen. Bei uns kommt aber auch der Alltag dazwischen und dann regt man sich über einen Nachbarn auf oder dann regt man sich auch manchmal über andere Menschen auf wegen irgendwelchen Kleinigkeiten, die es nachher gar nicht wert sind. Und meistens ist es dann so, kommt bei uns irgendwie ein neuer Trauerfall rein oder dann im Beratungsgespräch mit Angehörigen sitzt und dich selber so ein bisschen dafür schämst, weil du denkst, ey, und ich hab mich aufgeregt, weil der Nachbar der Penner so blöd geparkt hat. Das ist es aber gar nicht wert, weil es gibt auch einfach Situationen im Leben, da kann es einen viel viel schlechter treffen. Aber es ist halt trotzdem auch der Alltag, dazwischenkommt. es ist immer so, ich… Ich erzähle hör schon raus, so das Bewusstsein ist schon ein bisschen anderes als vielleicht für Menschen, mit den Themen nichts zu tun haben. Sich bewusst zu werden, die Privilegien, man so hat, ja. Und die Probleme, die dann manchmal eben kleiner sind, als sie sein könnten. Ja. Okay. Sehr, interessant. Ich würde mit dir gern ein bisschen über den Tellerrand noch rausschauen, weil ich hab… Dein Papa war vor ein paar Wochen in Venezuela. Dort hat es Ende Juni zwei sehr schwere Erdbeben mit vielen Toten gegeben. Warum war dein Papa da?

Max Herrmannsdörfer: Es ist so, es gibt ein Team, das nennt sich das Death Care Team. Das Death Care Team hat sich 1999 tatsächlich aus einer Gruppe an Bestattern und Tarnatopraktikern Tarnatopraktiker sind nochmal speziell ausgebildete Bestatter, die sich explizit um die Rekonstruktion von Unfallopfern kümmern und auch das Konservieren von verstorbenen Körpern. Und 1999 war das Erdbeben schon in der Türkei. Und da hat sich dieses Team gegründet und ist dann damals in die Türkei geflogen, um dort Verstorbene zu versorgen. Und es ging dann weiter. waren 2004 auch beim Tsunami in Thailand, haben sich um die Rücküberführung auch von deutschen Todesopfern gekümmert. Und seitdem besteht dieses Team. Die waren auch 2023 in der Türkei beim Erdbeben und eben jetzt in Venezuela auch wieder. Und es ist halt einfach auch so ein Thema, was super wichtig ist, was jetzt deutschlandweit auch aufgezogen wird. ich denke, man kann die Ausrüstung im Hintergrund auch unschwer erkennen. Erklär mal, was steht da oder was hängt da für Leute, die nur zuhören können? Also tatsächlich ist hier im Hintergrund, also es sieht eigentlich ein bisschen aus, ich hab vorhin so meinem Vater gesagt, ich fühle mich, als würde ich in der Feuerwehr Kleidekabine sitzen. Also es sind Einsatzuniformen, ein Helm, Warnwesten, Handschuhe, stehen Einsatzstiefel auf dem Boden. Und das sind eben so Dinge, dieses Team in einen Einsatz fährt oder fliegt, je nachdem wo eben einfach eine Katastrophe passiert ist, wo sehr, sehr viele Verstorbene zu bedauern sind, fährt dieses Team dahin und kümmert sich die Bergung von Verstorbenen und auch die Identifikation zusammen mit der Polizei. Es wird jetzt auch dieses Death Care Team wird jetzt quasi auch auf Deutschland übertragen. Es nennt sich dann dieses Bestatter Notfall Team und das Bestatter Notfall Team kümmert sich dann auch vor allem deutschlandweit darum, wenn Großschadenslagen passieren, sei es ein Flugzeugabsturz, eine Bahnentgleisung oder alles was passieren kann und wir einfach eine Vielzahl an Verstorbenen haben, dass dort dieses speziell ausgebildete Team an Bestattern kommt.

Max Herrmannsdörfer: und sich die Bergung und Versorgung von den Verstorbenen kümmert, dass einfach Einsatzkräfte wie die Bundeswehr, das Rote Kreuz, das CHW sich die Bergung von den lebenden Menschen kümmern kann. Es ist natürlich auch nachher eine psychische Entlastung. Wir haben jeden Tag mit Verstorbenen zu tun. Klar ist es auch für uns nochmal ein Unterschied, wenn es dann auf einmal hunderte Verstorbene an einem Tag sind, die es zu versorgen gilt. Aber diese ganzen Einsatzkräfte, in Katastrophengebiete fahren und fliegen. Die haben ja immer diese Motivation, sie wollen Menschenleben retten. Und jedes Menschenleben, was die nicht retten können, zieht denen natürlich wahnsinnig viel Energie. Und wir als Bestatter bekommen und sagen, ey, unsere Mission ist es, Ange-, oder den Verstorbenen einfach noch mal so die letzte Würde zu geben, die identifizieren zu können, dass sich die Angehörigen verabschieden wollen. Das heißt, wir Bestatter sind nicht diejenigen, alles auch psychisch einfach an denen alles vorbeigeht und uns das egal ist, sondern wir gehen mit einem anderen Mindset in so Einsätze rein und können damit natürlich halt auch die Rettungskräfte einfach deutlich unterstützen. Den Aspekt hatte ich so tatsächlich noch gar nicht auf dem Schirm. Das ist natürlich auch für die Hilfskräfte, die sich ja tatsächlich das Leben retten kümmern, dass es auch für die eine ganz arge Entlastung ist, wenn die Verstorbenen von Spezialisten, sag ich mal, geborgen oder aufbereitet werden. dann klar, die Angehörigenseite, das ist natürlich dann für die Menschen brutal wertvoll, wenn da würdevoll mit den Verstorbenen umgegangen werden kann. Jetzt sind solche Extremereignisse wie Erdbeben natürlich schon auch für euch oder für euren Berufsstand schon was sehr Außergewöhnliches. Wie ist dein Papa auch damit umgegangen? Ja, also es ist tatsächlich natürlich, wenn dann dieses Team nach Hause kommt, die haben auch Möglichkeiten dann von einer Versorgung, also auch von einer psychischen Versorgung, wo die da Anspruch dann auch drauf haben. Aber tatsächlich ist es da einfach viel so dieses Nach Hause kommen und diese Geschichten einfach erzählen, was man dort erlebt hat. Und man merkt dann auch, als ihr jetzt zurück kam, es gab so ein, zwei Geschichten, die ihr einfach immer wieder erzählt hat, wo man merkte, okay, die

Max Herrmannsdörfer: belasten ihnen doch ein bisschen, aber da ist es dann sehr wertvoll innerhalb von der Familie auch einfach drüber zu reden. Und dann kann man damit umgehen, weil wir ja auch diese Fälle, die uns einfach ein bisschen nähergehen, die haben wir in unserem Alltag ja auch und da wissen wir auch, wie wir damit umzugehen können, ist natürlich in so einem Einsatz nochmal eine andere Anzahl, was man da am Tag dann runterrattert, wenn man das so möchte, weil es auch einfach gar nicht anders geht. Aber dieses Team fliegt da runter und weiß ja schon, was auf sie zukommt. Und Ja, also es ist dann da, es geht auf jeden Fall. Und wie gesagt, die haben immer noch mal die Möglichkeit, sich dann da auch professionelle Unterstützung dazuzuholen, was auch an manchen Stellen nicht schlecht ist, weil Bestatter sind die harten Hunde natürlich. Klar, nee, uns geht nichts, zu nah. Aber es ist natürlich dann hinter der Fassade, sieht es dann auch noch mal ein bisschen anders aus. Ja, das sind natürlich schon extreme Seiten des Berufs. Wir haben über die schönen, ich weiß nicht, also würdest du Ist es pietätlos, wenn man über die schönen Seiten des Berufs spricht? Eigentlich ja nicht, weil ihr macht ja für die Angehörigen, für deine Angehörigen, macht ihr ja alles besser als vorher im besten Fall. Ja, es ist so. Also wenn der Verstorbene oder wenn der Angehörige verstorben ist natürlich. Ja, also ich bezeichne meinen Beruf auch selber als schön. Ich sage ungern, ich habe Freude an meiner Arbeit, aber es ist einfach schön und wir kriegen super viel Wertschätzung und Dankbarkeit von den Angehörigen. Und das ist in ganz wenigen Berufen so. Und das ist tatsächlich schön. Und das ist auch ein schönes Gefühl. ich bin nicht verantwortlich für die Schicksalsschläge, die eine Familie erleben muss. Aber was ich machen kann, ich kann für die Familie da sein. Ich kann der eine Unterstützung in der schweren Zeit sein und kann versuchen, dass die ihren Weg ins Leben wieder gehen. Sei es durch eine gute Begleitung und eine würdevolle Trauerfeier. Das ist alles, was ich machen kann. Und ich bin nicht dafür verantwortlich, dass jemand stirbt. Das muss ich mir manchmal auch so ein bisschen ins Bewusstsein wieder rücken, wenn ich dann manchmal wieder denke, wie kann so was passieren? Und wenn es mich dann auch mitnimmt, dann sage ich, ich kann an der Situation nichts ändern. Ich kann nur maximal versuchen, die Situation für die Angehörigen so erträglich wie möglich zu machen. Der Beruf Bestatterin, Bestatter, Bestattungsfachkraft ist gerade angesagt, würde ich sagen, wenn man sich so die Ausbildungszahlen anschaut.

Max Herrmannsdörfer: In den vergangenen 10, 12 Jahren hat sich die Ausbildungszahl verdoppelt und das weißt du besser als ich, es sind wahnsinnig viele Frauen, auch junge Frauen, die in diesen Beruf gehen, die dieses Handwerk erlernen wollen. Kannst du dir diesen Hype erklären? Ja, also es geht schon so ein bisschen in die Richtung, dass vor allem die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft gerade so ein bisschen ... eine Trendausbildung ist. Ich bin selber auch im Prüfungsausschuss, also ich nehme auch Gesellenprüfungen, Zwischenprüfungen ab. Ich finde es super schön, dass sich junge Menschen da damit auseinandersetzen. Viele gehen in den Beruf, weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einem Bestatter gemacht haben in der eigenen Familie oder dann aber dieses andere Extrem. Die jungen Menschen haben sehr positive Erfahrungen mit einem Bestatter gemacht, der die begleitet hat, irgendwie in einem Trauerfall in der Family. Und dass die dann sagen, okay, das sind so Vorbilder, das möchte ich irgendwie auch machen. Und die fangen dann die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft an. Dazu muss man sagen, gerade auch dieses Negativbeispiel, was man sehr, viel hört, also dass der Bestatter halt eigentlich da irgendwie jetzt nicht so die Kompetenzen hatte, jemanden zu bestatten. In Deutschland darf jeder Bestatter werden. Also wenn du morgen keine Lust mehr hast auf deinen Beruf, dann kannst du dir einen Gewerbeschein holen und kannst übermorgen Bestatter werden, ohne Ausbildung, ohne alles. Und das ist so ein bisschen das Problem, auch die Gesellschaft einfach nicht weiß. Man hat so ein Vertrauen in den Bestatter, dass er schon weiß, was er tut. Aber es gibt halt mittlerweile in Deutschland ganz viele Betriebe, die wissen vielleicht nicht unbedingt, was sie tun. Deshalb kämpfen wir auch gerade für die Meisterpflicht zu sehr. Also der Berufsverband kämpft da sehr dafür, dass die Meisterpflicht eingeführt wird, dass wir einfach die Qualitäten vom Bestatter so ein bisschen anheben, dass es einfach kontrollierbarer wird. Das Problem ist, wenn wir Angehörige in so einem Trauerfall nicht richtig begleiten, dann hinterlassen wir der nachher einen seelischen Schaden, bleibt fürs ganze Leben. Und ohne das Bestatterhandwerk da jetzt, oder ohne das Friseurhandwerk zum Beispiel da jetzt kleinzureden, wenn ich morgen zum Friseur gehe und der Friseurmeister schneidet mir meine Haare schief, dann sehe ich halt vielleicht für Wochen ein bisschen komisch aus, aber es wächst wieder nach. So und es...

Max Herrmannsdörfer: Also ein psychischer Schaden wächst halt nicht einfach in vier Wochen irgendwie wieder nach und dann ist es kein Thema mehr. Deswegen ist es auch sehr heikel. Ansonsten, ich bin super stolz, dass so viele Frauen ins Bestatterhandwerk gehen. Wir sind natürlich ein sehr empathisch geprägter Beruf, was dann den Frauen doch auch einfach nochmal besser liegen kann, nicht muss. Ja, aber es ist einfach ein sehr kreativer Beruf und deswegen finde ich das auch toll, dass so viele Frauen das machen. Zumal man ja eigentlich so, wenn also die meisten Menschen, wenn die an Bestatter denken, denken die an so älteren Mann im schwarzen Anzug. Es ist leider so. Ich muss es viel zu oft sagen, aber es beschreibt einfach die Wahrheit und dann finde ich das genau wichtig, dass wir jungen Menschen auch einfach den Leuten zeigen können, so hey, wir sind Bestatter und wir können das auch und... Nur weil wir Frauen sind, sind wir da nicht weniger wert oder haben weniger Qualifikationen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich zu Angehörigen nach Hause komme. Und vor allem früher war das ganz krass, wenn ich mit meinem Date dann zu einer Abholung gefahren bin und dann der Angehörige gesagt hat, ja, Herr Meichle, wo ist denn noch Ihr anderer Mitarbeiter? Und mein Vater gesagt hat, ja, ich hab doch meine Tochter dabei, sind zu zweit, wie viel soll noch kommen? Ja, das Mädchen kann doch jetzt hier nicht meinen Vater aus dem zweiten Stock tragen. So und das sind dann... So Situation, wo du daneben stehst und denkst, okay, glaubst du wirklich, wenn ich es nicht könnte, wäre ich hier? Also man muss sich da schon als Frau, aber das ist ein Handwerksproblem generell. Man muss sich als Frau da einfach so bisschen mehr beweisen, aber das macht uns auch stärker. Es ist aber natürlich schon mühsam, sage ich mal, wenn man regelmäßig auch mit solchen Aussagen konfrontiert ist. Und ja, du sagst, es ist jetzt kein exklusives Problem des Bestatterberufs, sondern... Das ist in ganz vielen Handwerksberufen leider noch so. Deshalb, ich finde es umso schöner, wenn es auch Vorbilder gibt aus den Gewerken. Und da gibt es ganz, ganz, ganz viele tolle Vorbilder und Frauen im Handwerk, die ihr Handwerk zeigen und da Unterstützung auch bieten für junge Frauen, die diesen Beruf vielleicht lernen wollen und die sich aber vielleicht nicht trauen oder die sich getraut haben und dann schlimme Erfahrungen gemacht haben. Also...

Max Herrmannsdörfer: Ich hoffe sehr und wünsche es dem Handwerk als allgemeiner Berufsstand, dass sich das verbessert, es sich verändert. Du hast ja jetzt auch viel Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Gewerken. Siehst du, dass sich das ändert? Spürst du die Verbesserung? Ja, also und wir haben ja gesehen in der Tagesschau, die vor ein paar Tagen gesagt hat, das Handwerk wird immer beliebter und auch immer mehr Frauen machen so diese klassischen Männerhandwerksberufe. Ich finde das sehr stark und ich finde auch, da macht das Handwerk aktuell alles richtig. Wie du sagst, wir brauchen einfach Vorbilder, die zeigen, was da möglich ist und dann müssen wir vielleicht einfach ein bisschen aufhören, das immer zu kategorisieren in Frauen und Männer, sondern einfach die Arbeitskraft sehen, wie sie da ist. Und wir Frauen haben vielleicht dann nicht immer die Kraft, wie sie einen Mann hat, aber die brauchen wir auch gar nicht, weil wir haben sonst andere Ideen oder Ansichten, wo das Handwerk einfach auch davon profitieren kann. Und das finde ich ganz wichtig. Es sollte am Ende des Tages egal sein, ob bei einer Familienhandwerker zu Hause vor der Tür steht und ob der jetzt kurze, dunkle Haare hat oder ob die jetzt blonde, lange Haare hat. Es ist doch völlig egal und nicht, wenn wir unsere Arbeit gut machen. dann spielt das Geschlecht überhaupt keine Rolle. Und ich finde, da müssen wir hinkommen. Gar nicht so dieses, weil wir Frauen wollen ja auch die Männer nicht aus dem Handwerk drängen. Das ist ja dann auch immer oft so, was die Frauen jetzt wieder wollen, die tun so, als würden wir die Männer nicht brauchen. Doch, weil wir brauchen die Männer ja trotzdem, aber wir müssen so eine Zusammenarbeit irgendwie schaffen, dass wir halt einen Part haben, der stark ist, der die Sachen machen kann, die vielleicht die andere nicht machen kann und die hat dafür die clevereren Ideen, wie man irgendwelche... tricky Probleme lösen kann. Ja, und ganz ehrlich, das habe ich jetzt auch schon in mehreren Gesprächen gehört. Auch für einen vermeintlich starken Mann ist es nicht gut, man, keine Ahnung, versucht, eine Kessel alleine zu schleppen. rein aus gesundheitlicher Sicht ist es nie gut, wenn man versucht, schwere Dinge alleine zu tragen. Und deshalb, es ist völlig egal, ob Mann oder Frau, macht euch euren Rücken nicht kaputt, sondern

Max Herrmannsdörfer: Dafür habt ihr ein Team, dafür seid ihr ein Team. Ja, und wir sind nur gemeinsam stark. Eine alleine kann es nicht sein. Wir müssen da alle zusammenhalten. Emily, du bist ja jetzt als Miss Handwerk 2026 quasi Botschafterin nicht nur deines Berufs, sondern generell auch des Handwerks. Was hat sich in den letzten Wochen, den letzten Monaten so für dich verändert? Du hast den Titel jetzt seit Anfang März. die Zukunft Handwerk in München. Ja, ist jetzt ein paar Wochen her. Ja, ist ein paar Wochen her. Die Zeit ging rasend schnell bis jetzt. Sehr viele Termine auch. Ich durfte sehr, sehr viele coole Menschen kennenlernen. Ich durfte sehr, sehr viele coole Handwerker kennenlernen und musste feststellen, wir hatten es ja am Anfang von unserem Gespräch schon mal ganz kurz, so diese Handwerksbubble, was da für krasse Macher mit dabei sind. Und das finde ich richtig stark. Und das ist auch das, was ich den jungen Menschen einfach ans Herz legen möchte. Die Welt braucht viel mehr Macher und die Gesellschaft braucht viel mehr Menschen, die was für die Gesellschaft machen und gerade in Zeiten, in denen Menschen Angst haben müssen, dass die KI irgendwelche Berufsgruppen ersetzt. Das kann uns im Handwerk niemals passieren. Die KI kann uns maximal unterstützen, aber kein Handwerker kann jemals durch irgendwas ersetzt werden. Und das finde ich ganz, ganz, ganz wichtig. Und das liegt mir auch am Herzen, den jungen Menschen einfach so bisschen ans Herz zu legen und dass sie vielleicht auch wirklich über den Tellerrand rausschauen. Wir haben so viele Handwerksberufe. sag, da findet jeder seine Berufung. Und wenn jeder seine Berufung findet, dann hat man Sonntagabends kein Problem mehr, dass man denkt, du Gott, morgen ist Montag und ich muss wieder zum Arbeiten, sondern freut man sich, wenn man am Montagmorgen wieder arbeiten gehen darf. Weil du gerade die KI angesprochen hast. Ja, ich weiß, da gibt es ganz viele. Horror Szenarien, was die KI alles wegnehmen kann. Ich würde es mal speziell auf euren Beruf, euer Gewerk beziehen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine KI in ein paar Jahren Verstorbene versorgen möchte oder dann Angehörige vertreuen möchte. Ich glaube, das ist utopisch, oder? Das funktioniert nicht, weil unser Beruf und unser Arbeitsalltag lebt ganz arg viel von dieser zwischenmenschlichen Kommunikation und Angehörigen, die in

Max Herrmannsdörfer: Problem haben, stellen wir uns vor, in unserer Familie ist jetzt jemand verstorben und wir sind komplett hilflos, wenn wir gar nicht wissen, was wir machen müssen. Dann rufen wir beim Bestatter an und dann geht eine KI-Stimme ans Telefon. Wenn Sie einen Sterbefall so bedauert haben, dann drücken Sie die eins. Wo sind wir eigentlich? Das ist ja das Letzte, was eine Familie in diesem Moment möchte. Sondern die möchten, dass da jemand ans Telefon geht, einmal das Beileid ausspricht und dann auch einfach einen Weg aufzeigt, wie man mit der Situation jetzt umgeht und wie es weitergeht. Deswegen, also es kann niemals funktionieren. Was wir jetzt mittlerweile schon ein paar Mal gemacht haben, tatsächlich mit KI Dekorationen von Trauerfeiern zu erstellen und zu visualisieren, dass sich die Angehörigen besser vorstellen können. Also die KI kann maximal nur eine ganz große Unterstützung werden. Das kann ja als Werkzeug dienen. Richtig, ein weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten. wir in unserem Beruf in Redaktionen auch die KI als Werkzeug benutzen können. Aber trotzdem, letztendlich muss der Mensch immer noch drüber gucken und muss mit dem Werkzeug arbeiten können und braucht die Kompetenz. Und ja, das ist bei euch noch viel mehr als jetzt vielleicht in unserem Beruf. ja, gerade das Beispiel mit, da geht eine KI ans Telefon bei einem Sterbefall. Ja, das stelle ich mir, stelle ich mir schwierig vor. Es gibt Betriebe, da passiert es. Ja, okay. Bei euch geht aber noch ein Mensch ran. uns geht immer ein Mensch ran. Auch nachts zwei, wenn in der Todesanzeige noch eine Korrektur gemacht werden muss. Auch dann ist die Emily und ihr Team parat. Okay, gut zu wissen. Wenn wir auf Miss Handwerk nochmal zurückkommen, was steht da jetzt noch an? Was sind deine Pläne? Was möchtest du in den nächsten Monaten umsetzen? Also konkrete Pläne habe ich mir ehrlich gesagt gar nicht gemacht. Ich habe gesagt, alle Veranstaltungen überall, wo ich den Menschen, vor allem jungen Menschen, was erzählen kann, wie wertvoll das Handwerk ist, die nutze ich und die Gelegenheiten nehme ich dann auch mit. Wir haben ja keine Pflichttermine, die wir irgendwie unbedingt erfüllen müssen, was das Ganze natürlich ein bisschen einfacher macht, das Ganze auch zu gestalten. Aber ich bin schon überall, wo man mich fragt, ob ich bei einer Losprechung noch eine Rede halten könnte. Ich schrei überall, ich bin dabei.

Max Herrmannsdörfer: Weil ich bin nicht Misshandwerk geworden, jeden Termin abzusagen und sagen, ne, darauf habe ich jetzt keine Lust, das gehört jetzt ein Jahr dazu. Und wenn das Jahr auch ein bisschen anstrengend ist, ich habe einen Reisegutschein gewonnen, dann kann ich nächstes Jahr danach dann erstmal Urlaub machen und mich erholen. Aber ja, also einfach jedes Sprachrohr, das irgendwie die Möglichkeit gibt, so gewisse Dinge und Werte der Gesellschaft weiterzugeben, die werden genutzt. Was war so in deiner Zeit als Misshandwerk, so bisher die Besonders die Erfahrung? Ist dir irgendwas besonders in Erinnerung geblieben? Also super spannend, weil es sind super viele Dinge. Also gerade zum Beispiel die HeroCon in Dortmund, wo man einfach so viele Menschen kennengelernt hat. Dann aber auch unterschiedliche Kampagnen, Drehs, die man sonst hatte. Also es sind super, super viele Dinge, die da passiert sind. Und jede Veranstaltung ist für sich dann auch irgendwie so speziell und so eigen besonders. Also deswegen, es gibt jetzt so keinen, also mir fällt gerade tatsächlich kein Highlight ein, weil irgendwie alles für sich so ein Highlight ist. Ja, da bin ich gespannt, was da noch für Highlights kommen in den nächsten Monaten und wo du noch überall sprechen darfst, wo du noch teil sein, teilhaben darfst. Wünsche ich dir auf jeden Fall schon ganz viel Spaß und ganz viel Erfolg damit. Dankeschön. Ich habe jetzt zum Abschluss unseres Podcasts noch ein paar Fragen, die stellen wir allen unseren Gästen. Das ist kleiner Abschlussblock. Die erste Frage, wenn du mal die Möglichkeit hättest, mit jemandem zu tauschen. mal einen Tag in ein komplett anderes Leben reinzugucken oder in einen anderen Beruf oder wo auch immer. Mit wem würdest du gerne mal tauschen? Also ich würde da tatsächlich mal tauschen mit so einem, ich sag's mal, mit so einem richtigen Handwerk und mit jemandem, der auf der Baustelle arbeitet. Da habe ich jetzt, seit ich mit Handwerk bin und mit so vielen Menschen dazu zu tun habe, da hätte ich mal richtig Lust dazu, einfach da auch mal die Seite zu sehen. Ja, also so was in die Richtung ist auf jeden Fall. Spezieller Gewerkwunsch oder tatsächlich eher so, wenn du sagst Baustelle, Baugewerbe. Ja, irgendwie sowas. Okay. Also es sollte ja nicht ganz unmöglich sein, mal irgendwie ein Praktikum oder so zu organisieren. Ja, das wird auch irgendwann gemacht, das weiß ich. Okay, weil du jetzt muss ich auf das nochmal zurückkommen, weil du gesagt hast, ja so richtiges Handwerk in Anführungszeichen. Du hast mir vorab vor unserer Aufnahme auch erzählt, dass Bestatterhandwerk wird

Max Herrmannsdörfer: ab und zu in Gesprächen gar nicht so richtig als Handwerk wahrgenommen. Ist das tatsächlich so, oder, dass ihr da irgendwo hinter runterfallt? Ja, also man hat uns als Bestatter im Handwerk eigentlich so gar nicht wirklich auf dem Schirm. Viele sagen immer, ihr gehört doch nicht zum Handwerk, aber doch, auch wir gehören zum Handwerk wie ein Bäcker, wie ein Friseur eben auch, weil ich sag, jeder im Handwerk tut ja was für die Menschen und genauso machen wir es auch. Und dann muss es nicht irgendwie ein Werkstück sein, was am Ende des Tages rauskommt, sondern Unser Handwerk ist halt einfach der Umgang mit Angehörigen und mit trauernden Familien. Ja, ja. Und dann letztendlich die Versorgung von Verstorbenen. Natürlich, das ist dann doch auch Handwerk. Ja, auch das. Natürlich darf man nicht vergessen. Und auch so Dinge wie ein Sarg-Ausschlag und so weiter. Also ich kann auch mit einem Hammer in der Hand umgehen. Das klappt schon auch. Also das sind natürlich so... viele unterschiedliche Dinge auch das ausheben von einem Grab zum Beispiel. Jede Bestattungsfachkraft, jeder ausgebildete Bestatter kann mit einem Bagger einen Grab ausheben. Man sieht es nicht unbedingt immer allen an, aber auch das wird geprüft und das muss man können und es ist einfach so vielseitig. Ja, ja und zeigt halt wirklich, welche Möglichkeiten es im Handwerk gibt. Wir haben über 130 Ausbildungsberufe und da zählt der Beruf Bestattungsfachkraft genauso mit dazu. Also da machen wir einen Haken dran und nageln es nochmal an die Wand. Bestatter sind Handwerker. Richtig. Punkt. Nächste Frage, Emilie. Was bedeutet für dich persönlich Handwerk? Für mich bedeutet Handwerk was, ich habe es vorhin schon mal angesprochen, dass wir mit unseren Händen was für die Gesellschaft machen. Und das tun wir im Handwerk irgendwie alle. Sei es, wenn irgendjemand morgens anruft und sagt, Gott, bei mir kommt kein Wasser aus dem Wasserhahn mehr raus, so und das wird dann behoben. Also, das sind ja immer die Handwerker, die irgendwas für die Gesellschaft machen und das ist das Handwerk eigentlich für mich. Dieses, wir Menschen tun was für andere Menschen und tun Gutes damit. Ich habe zum Abschluss noch vier Begriffe mit der Bitte, kurz und knapp auf diese Begriffe zu antworten. Erster Begriff, was ist für dich Heimat?

Max Herrmannsdörfer: Das Gefühl von Zuhause und Geborgenheit. Und das ist in Geisslingen? Ja. Hast du irgendein Vorbild? Ein Vorbild gar nicht konkret, aber tatsächlich geht es schon so in die Richtung, auch diese Vorbilder fürs Handwerk, die viel auf Social Media machen, die viel ihre Berufe auch einfach so bisschen zeigen, was sie da machen. Ich finde, sind Vorbilder, die unsere Gesellschaft braucht und das sind die Vorbilder, junge Menschen brauchen. Und auch mittlerweile kann man auch dich als Vorbild dann dazuzählen. Vorbild für dein Gewerk. So hätte ich das jetzt nicht gesagt, aber... Ja, aber es gehört doch mit dazu. Also wenn wir über Vorbilder gesprochen haben und für Vorbilder für das Handwerk und da bist du als Handwerk natürlich jetzt noch mehr natürlich mit eins der Vorbilder für andere Generationen. So, darfst du auch annehmen. Das mache ich jetzt einfach mal. Letzter Begriff, letzter Punkt. Hast du irgendein Motto? Lebe dein Leben, solange du gesund bist und Zeit hast und verschieb nicht zu viel auf morgen. Das passt ja ziemlich genau zu dem, was wir auch gesprochen haben, wie du auch dein Leben gestalten möchtest. Ja, richtig. Emily, ich hoffe, wir können mit diesem Gespräch so den einen oder anderen Anstoß geben an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, die ja genauso auch mit dem Thema Tod irgendwann konfrontiert werden. Und für mich sind jetzt zwei Also zwei Tipps würde ich eigentlich gerne rausgeben. Die Bestattungsvorsorge, da sollte man sich mal kümmern. Guckt euch das mal an und informiert euch darüber. Und da hast du vorher auch ein Wort gesagt, einfach das Leben jeden Tag zu einem guten Tag gestalten. Auch das nehme ich jetzt mal mit hier ins Auto rein, weil ich finde, das sollten wir alle ein bisschen mehr bedenken oder sich mehr in den Kopf bringen.

Max Herrmannsdörfer: Ja, das Leben leben und glücklich sein, wenn man das Leben leben darf. So sieht's aus. Emily, dann danke ich dir ganz recht herzlich für deine Zeit. Hier war uns im Podcast. Dankeschön, dass du uns in das Bestatterhandwerk mitgenommen hast. Dir persönlich alles, alles Gute und bis bald. Ja, danke für die Einladung. Bis bald. Mach's gut. Ciao. Ciao. Abonniere diesen Podcast, keine Folge mehr zu verpassen. Wir freuen uns auch über eine 5-Sterne-Bewertung bei deiner Podcast-Plattform. Dieser Podcast ist eine Produktion der Handwerker Radio GmbH. Weitere Informationen findest du unter www.handwerker-radio.de

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