# 193 Julius Raithel, wie läuft die Wanderschaft im Segelmacherhandwerk ab?

Shownotes

Mit neun Jahren entdeckte Julius Raithel das Segeln für sich, mit 16 hielt er bei einem Schülerpraktikum zum ersten Mal die Schere in einer Segelmacherei in der Hand. Heute ist er Segelmachermeister, erfolgreicher Regattasegler und Geschäftsführer von Clown Sails in Hamburg. Im Gespräch mit Handwerker Radio Moderator Yannik Häupler erklärt er, warum ein gutes Segel immer zum Boot und zum Revier passen muss und weshalb sein Gewerk weit mehr als handwerkliches Können verlangt.

Sein Weg führte Julius auf Containerschiffen über die Weltmeere und später auf eine ganz persönliche Form der Walz. In Neuseeland, England und Australien arbeitete er in verschiedenen Segelmachereien, lernte neue Fertigungsweisen kennen und nahm an bekannten Segelrennen teil. Außerdem spricht er über die Übernahme seines Ausbildungsbetriebs, die Gemeinsamkeiten zwischen Handwerk und Regattasegeln und seine wichtigste Erkenntnis aus drei Jahren auf Reisen: „People need People“.

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Yannik Häupler: Das passt und dann mache ich eine ganz kurze Anmoderation und dann können wir im Grunde rein starten. Seeluft, Rückenwind und die weite See. Für viele klingt das nach dem Traum von Freiheit, für meinen heutigen Gast ist das Alltag. Er ist Wettsegler, Segelmachermeister und reist nicht nur auf dem Wasser, sondern war auch schon auf großer Wanderschaft. Und damit herzlich willkommen bei Handwerk erleben. Mein Name ist Janik Kolbler und ich spreche heute mit Julius Reithell. Moin!

Julius Raithel: Moin!

Yannik Häupler: Julius, zum Einstieg einmal die allgemeine Frage, wie erlebst du denn aktuell das Handwerk?

Julius Raithel: ganz spannende Frage. Das Handwerk erlebe ich als das, was die Allgemeinheit zunehmend mehr schätzt und sich gleichzeitig zunehmend weniger leisten kann. was wirklich auch gerade junge Menschen interessiert, ist, glaube ich, ist das eine Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt dauerhaft zu finanzieren. Also es gibt zunehmend wieder mehr Bewerbungen. Ich finde, das Handwerk ist präsenter, sage ich mal, gerade in den Städten. dem Land ist das Handwerk mehr so eine Selbstverständlichkeit, weil man sich gegenseitig hilft und es ist, sage ich mal, etwas anderes Erleben. hier, ich lebe selbst in der Stadt, da habe ich natürlich Handwerk. am meisten sieht man die Handwerkerautos, so durch die Gegend fahren im Straßenverkehr. Und dann gibt es natürlich die ganzen Baustellen, die auch davon leben, dass Handwerker dort arbeiten. Aber es wird immer wichtiger, gerade zu Zeiten, wir Dinge aufholen müssen im Straßen- und Infrastrukturbereich, wird es immer wichtiger, das nochmal zu schätzen, weil wir in der Zukunft noch mehr Handwerker brauchen, noch mehr Leute vielleicht sogar auch aus Dienstleistungsberufen dazu aufmerksam machen müssen, dass dieses Machen, dieses Etwas-erschaffen, dass das das ist, was wir ganz, ganz dringend brauchen.

Yannik Häupler: ist was, das wir ganz dringend brauchen. es auch schon erwähnt. Viele junge Leute überlegen sich auch mehr, ob das was ist, worüber sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Wir haben in Deutschland sehr viel Zeit damit verbracht, jungen Leuten mir eingeschlossen einzureden. Man muss studieren gehen, wirklich was erreichen zu können. Wie kriegen wir deiner Meinung nach, weil ihr seid ja auch recht aktiv und ihr habt viel Nachwuchs bei euch, bei Clownsales ist ja dein Unternehmen, wie kriegen wir wieder mehr Leute ins Handwerk rein? Wie macht ihr das?

Julius Raithel: Das ist eine gute Frage. was wir tun, seit Jahrzehnten, unsere Azubis zu akquirieren, ist gute Schülerpraktika anbieten. Also Jungen, also wirklich Schülern, jungen Menschen zu zeigen, was bedeutet Handwerk, was macht das mit einem. Also das ist mehr nur als, also so ein Praktikum am Handwerk ist nicht zugucken, sondern ein Praktikum bei uns bedeutet, Von der ersten Minute an bekommen sie eine Schere in Hand und können mitmachen. Und diese Selbstverwirklichung, die sie dabei erfahren, die nehmen sie mit in ihr Leben. Und genauso habe ich auch mal angefangen. Also ich habe auch schon, bevor ich über die Berufswahl nachgedacht habe, handwerklich viel getan. Aber ich habe halt im Praktikum gemerkt, man kann da noch viel mehr Erfüllung finden als nur in einem Hobby. Und so machen wir halt eine gute Schüler-Praktikanten-Akkise, Aber auch mal Langzeitpraktikanten, haben auch mal Studenten, die das ausprobieren wollen, zu wissen, rauszufinden, ob das vielleicht mehr ihr Ding ist. Typischerweise gehen Studienabbrecher oder andersrum. Typischerweise hat man unter Handwerks- und Bewerbung auch häufiger mal Studienabbrecher. So muss man sagen, ja.

Yannik Häupler: Du hast gerade eben schon angeschnitten, du hast selber mit einem Schülerpraktikum im Grunde gestartet in die Berufswelthandwerk. Wie war das damals bei dir? Wann war das? Und was hat es dir vor allem gebracht? Also was wirklich so ein nicht nur über die Schulter gucken, sondern wirklich ins Handwerk eintauchen sozusagen?

Julius Raithel: Ganz genau. Also das, was wir damals gemacht haben oder was ich damals erleben durfte, ich war, ich muss gerade mal kurz rechnen, ich war vielleicht gerade 16 Jahre alt und hab wie gesagt auch hobbymäßig gerne was gemacht, wusste aber gar nicht so, wie sehr mir dieses Textilhandwerk jetzt liegt, dass ich hier diesen Praktumsplatz bekommen hab, das war mehr so aus der Verlegenheit, dass mein eigentlicher Praktikumsplatzwunsch sich nicht ergab. Ich wollte eigentlich zum Modellbauer gehen. war so als 13-, 14-Jähriger, war das so mein Ding, wie Modelle zu bauen, die man auf Fernsteuer und über den See fahren lassen kann oder so. Das hat mich gereizt. Da gab es hier jemanden, der Modellsegelboote baute und der war aber völlig verpeilt. hat das überhaupt nicht.

Yannik Häupler: welcher... ja... Okay.

Julius Raithel: Der hat meine Bewerbung nicht wirklich ernst genommen. Wir hatten Vorstellungsgespräche, ich rumgeführt, aber bekam keine Bestätigung und nichts. Dann suchte ich spontan was anderes. Meine Freunde haben gesagt, mach doch bei Clownsales. Das ist was, was auf jeden Fall Spaß macht, eine gute Idee. Dann bin ich hierher und der Chef hat gesagt, ja, also Frank Schönfeld, der auch Gründer war, finde ich gut, Julius, komm vorbei, wir gucken uns das an. Dann bin ich vorbeigekommen und Dann hat er gesagt, eine Bewerbung müsstest du noch nachreichen, aber ich würde sagen, du kannst ein Praktikum hier machen. Und so habe ich hier am ersten Tag gleich eine Schere in die Hand gedrückt bekommen und durfte Verstärkungen ausschneiden und Klassenzeichen ausschneiden und halt Dinge, die man in einem Segel verbaut, die man als Praktikant schon machen kann, wo es nicht so schlimm ist, wenn man sich auch mal verschneidet oder so. Ja, wir haben so ein richtiges Praktikumsprogramm eigentlich. Ab dem dritten Tag, wenn man sich gut anstellt, darf man die Nähmaschine, lernt dann eine richtige Industrienähmaschine kennen, oder bekommt dann so Aufgaben, sich damit auseinanderzusetzen. Und die Challenge für den Praktikanten ist dann schon, Sack mit rundem Boden zu nähen. Und wenn man diese Challenge ... mal bestritten hat, dann kann man, dann darf man schon Segelsäcke mitbauen und ja, ich habe so viel Spaß gehabt hier, dass ich nach zwei Wochen gesagt habe, ich könnte mir vorstellen, das als Schülerjob wieder zu machen oder weiter zu machen. Und weil ich ja immer gerne segeln gehen wollte, habe ich dann irgendwie, musste ich mein Hobby finanzieren und habe dann gefragt, ich als Schülerjob hier. anfangen kann. Und so habe ich dann in den Ferien hier auch Vollzeit dann mitgemacht, die Segelkasse aufzubessern.

Yannik Häupler: Und es ist ja anscheinend hängen geblieben, weil jetzt heute hast du den Laden im Grunde übernommen. Du bist Geschäftsführer von Clownsales, du bist Segelmacher Meister und du bist auch Wettkampfsegler. Das ist so leicht rausklingen lassen, aber ich würde trotzdem gerne die Frage stellen, so ein bisschen nach dem Vorbild der Huhn-und-Ei Frage. Was kam denn bei dir zuerst? Was, das Segeln oder das Segelmachen?

Julius Raithel: Bei mir war zuerst auf jeden Fall das Segeln. Über das Segeln habe ich auch eben diese Gemacherei kennengelernt. Bei mir hängt heute noch im Büro ein Foto, wo ich als Kind auf einem Optimist sitze und mit einem Clown-Segel über die Träne schippere. Und ja, das kam so mit neun oder zehn Jahren. Ich habe das gar nicht vom Elternhaus mitbekommen, entgegen vieler anderer Segler habe ich ... Meine Eltern sind Künstler, Musiker und Geografen. Da habe ich als Neunjähriger zu meiner Mama gesagt, Mama melde mich bitte im Segelverein an, ich möchte Segel lernen. So bin ich zu dem Segel gekommen.

Yannik Häupler: Okay, also von dir aus wirklich, was war für dich damals so das Ausschlaggebende, boah ich möchte jetzt segeln machen. War es die Nähe zum Wasser? Also bist du in der Nähe vom Wasser aufgewachsen und hast es daher mitbekommen oder kam das anders woher?

Julius Raithel: Also ich bin in Wedel an der Elbe aufgewachsen. Zwar ein paar Kilometer vom Wasser entfernt, aber die Schiffe haben mich immer fasziniert. Und mein Großvater hat auch irgendwie die See, hat der Seefahrt immer sehr gehuldigt und war sehr, war auch seefahrtsvernarrt und so konnte ich halt schon früh auch irgendwelche Knoten machen und Textilen, also Tauwerk hat mich auch immer interessiert. Ich habe als Dreijähriger schon Boote gemalt über

Yannik Häupler: Mhm.

Julius Raithel: auf meine Mahlblätter, die man dann so ausprobiert, wenn man als kleines Kind seine Zeit verbringt. auch ein ganz spannender Punkt ist, ich habe wohl auch früh angefangen zu nähen. Das wusste ich gar nicht so, war ich gar nicht so präsent. Aber als ich meinen Meisterbrief in der Hand hielt, meine Mutter mir eine Schürze überreicht und hat gesagt, Julius, diese Schürze, die hast du als Fünfjähriger an meiner Nähmaschine genäht. Ich hatte das gar nicht mehr so in Erinnerung.

Yannik Häupler: Hi.

Julius Raithel: Aber sie sagte, das war wahrscheinlich frühe Prägung.

Yannik Häupler: Richtig cool. Hast du die Schürze noch? Ja, natürlich.

Julius Raithel: Ja, natürlich. Die ist ein besonderes Stück. Die liegt hier in der Firma. Nein, das ist eine Kinderschürze. Die ist ganz klein, aus irgendeinem Bettlaken. Meine Mutter hat ein Stück altes Bettlaken genommen. Dann haben wir das verschnitten und dann hat sie mir gezeigt, wie man an der Nähmaschine näht. Und ich habe das durchgezogen. Mit allem, dazu gehört.

Yannik Häupler: Sehr cool. Benutzt ihr die auch? Ja gut.

Yannik Häupler: Cool. Okay, also aus freien Stücken, aus eigenem Interesse zum Segeln gekommen, zu Booten und darüber hinweg dann, beziehungsweise, weil dann natürlich auch das eigentliche Praktikum nichts geworden ist, dann zum Segeln machen und zu dem Praktikum gekommen. Wie kommt man von Schleswig-Holstein nach Hamburg zu Clown Sales?

Julius Raithel: Genau.

Julius Raithel: Also du meinst, von meinem Heimatort, das ist gar nicht so weit. Das kann man gut mit dem Fahrrad fahren. Also das sind so sechs Kilometer oder sieben und man ist halt auch an der Elbe. Also Clownshead ist ja in diesen ganzen Elbhäfen auch präsent und in den ganzen Vereinen und sage ich mal viele junge Leute kennen das auch wegen unserer

Yannik Häupler: Genau. Okay.

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: Ja, unser sehr begehrten Marke, Merchandise, was der, sag ich mal, Gipullover und Mützen davon, nicht nur Segel und wir haben ja mit dem Clown auch dieses sehr freundliches Logo, was sehr farbentroh auftritt, sehr bunt ist und das war irgendwie gar nicht mal so mein Berufsplan dann, obwohl ich das, obwohl ich, ja genau, obwohl ich tatsächlich die

Yannik Häupler: Mhm.

Julius Raithel: diesen Schülerjob gemacht habe, Segelmacher zu lernen, sondern ich wollte dann erstmal zu See fahren. Eigentlich wollte ich immer Kapitän werden und Nautik studieren und dann habe ich tatsächlich meine elfte Klasse auf einem Segelschulschiff verbracht. Bin da über den Atlantik gesegelt und habe währenddessen gemerkt, ja, die Seefahrt, die gefällt mir, dass ich in die Richtung möchte gehen und ich wollte Containerschiffe fahren und

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: Ich die ja auch jeden Tag hier die Elbe hoch und runter fahren. Und irgendwie hat sich diese Segelmacher-Ausbildung dazwischen geschlichen. Also mein Mentor Frank Schönfeld, der damalige Chef, der hat gesagt, ja Julius, willst du nicht die Ausbildung machen? Du kannst sie ja verkürzen, weil du ja Abitur hast und dann fährst du danach zur See. Und dann habe ich gesagt, stimmt eigentlich. Mich interessiert das ja auch alles, was wir hier machen, und mir macht das so viel Spaß. habe ich dann kurzerhand doch eingewilligt und einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, über den ich später noch sehr froh sein durfte, weil ich tatsächlich anschließend nach der Ausbildung zu See gefahren bin und nach zwei Jahren gemerkt habe, das ist nicht das, was mich auf Dauer glücklich macht, sondern ich möchte gerne mit Freunden unterwegs sein, ich möchte segeln gehen, ich möchte auf dem Wasser sein. 40 Meter Höhe auf der Brücke von dem Schiff und auf einem großen, brummenden Stahlklotz die Weltmeere fahren. Das war eine gute Zeit und die habe ich auch sehr genossen. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, praktischen Teil des Nautikstudiums gemacht und alles. Hab dann aber nach abgeschlossener NOA-Ausbildung gesagt, in der Segelmacherei werde ich glücklicher oder bin ich glücklicher, ich gehe dahin zurück.

Yannik Häupler: Mhm.

Yannik Häupler: brauchtest du sozusagen trotzdem noch festen Boden unter dir, kann man so ein bisschen sagen. Zwei Jahre hast du auf See verbracht, wo genau warst du unterwegs, wie kam es dazu?

Julius Raithel: Ja.

Julius Raithel: Ich habe eine Ausbildung gemacht. Nach der Segelmacher-Ausbildung habe ich eine Ausbildung als nautischer Offiziersassistent gemacht und bin für Hapag Lloyd auf verschiedenen Schiffen gefahren. Containerschiffen, genau. Ich habe einige Reisen gemacht, eigentlich rund Globus. Asien, Nordamerika, Südamerika, Europa. Nur Afrika habe ich gar nicht so viel kennengelernt, außer dass man halt durch den Suezkanal gefahren ist.

Yannik Häupler: Mhm.

Yannik Häupler: War die Erkenntnis, dass du dann doch lieber an größtenteils an Land bleibst und Segeln machst, anstatt selbst rauszufahren, dann die größte Lehre aus der Zeit oder gab es noch anderes?

Julius Raithel: Ich habe sehr viel gelernt in der Zeit, jeden Fall, gerade weil ich auch ganz spannende Menschen kennengelernt habe. habe gute Kapitäne gehabt, ich habe nicht so gute Kapitäne gehabt, ich habe Menschen kennengelernt, die in der Seefahrt sehr glücklich geworden sind. Die sind aber trotzdem merkwürdig geworden, so wollte ich dann nicht werden. ich habe auch

Yannik Häupler: Mhm.

Yannik Häupler: Okay, merkwürdig inwiefern.

Julius Raithel: Also man ist ja doch sozial nicht so angebunden, wie wenn man hier ein traditionelles Landleben hat. Und die sind dann etwas komisch geworden. Also entweder in ihrer Art, jeder hat ja auch einen anderen Führungsstil.

Yannik Häupler: Mhm.

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: Ja, also mir war das Soziale dann doch wichtiger. Und andersrum habe ich auch gemerkt, die Leute, die halt zu See gefahren sind, weil sie es mal als Beruf gewählt hatten und dann eben nicht so die Chance hatten, dann umzuschwenken, weil sie sich dann schon darauf eingeschlossen hatten. die sind dann vielleicht auch gar nicht so glücklich gewesen auf Dauer.

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: Okay, dass sie sich so bisschen festgesteckt gefühlt haben sozusagen. Okay. Ist dir natürlich nicht passiert, du bist wieder zurück an Land gekehrt und hast Segel gemacht. Ich bin ja wirklich relativ weit weg von Booten, von Segeln. Ich bin gebürtiger Bayer. Bei uns gibt es Berge und recht wenig Wasser. Was macht denn ein gutes Segel eigentlich aus?

Julius Raithel: Ja, genau.

Julius Raithel: Ja.

Julius Raithel: das kommt in gutes Segel, macht aus, dass es zu dem passt, was du damit machen möchtest.

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: Also auf einem bayerischen See brauchst du ein anderes Segel als auf der Ostsee oder gar wenn du über einen großen Teich schippern möchtest.

Yannik Häupler: Was ist denn für das Hamburger Gewässer das perfekte Siegel?

Julius Raithel: Also in Hamburg haben wir die Elbe und die Alster. Und zum Beispiel auf der Alster haben wir sehr stark drehende Winde. Da muss man viele Manöver fahren. Man kann ja nicht so lange in eine Richtung fahren. Da braucht man zum Beispiel ein Segel, das besser beschleunigt nach einem Manöver. Und es gibt, sag mal, ich jetzt auf der Ostseere gatter segel und es geht Geschwindigkeit.

Yannik Häupler: Mhm.

Julius Raithel: Dann brauche ich einen Segel, eher eine höhere Endgeschwindigkeit hat oder gut durch Welle fährt. Das brauche ich hier auf der Alpster nicht. Das unterscheidet die Segel, aber man kann ja noch weitergehen. Nicht nur das Profil und das ganze Design ist entscheidend, sondern auch die Materialwahl ist wichtig. Muss das Material sogar eine gewisse Dehnung haben, damit ich besonders gut trimmen kann oder soll es sehr formstabil sein? Da gibt es sehr moderne Materialien. die auch mit speziellen Fasern, also Kohlefasern, Kefflerfasern, Aramidfasern und so weiter sind und dann gar nicht mehr gewebt, da sind die Fasern reingelegt und laminiert. Solche Geschichten, kann man hinsichtlich Formstabilität und sowas ganz sehr, sehr viel machen.

Yannik Häupler: Also ist schon fast seine eigene Wissenschaft wieder.

Julius Raithel: Das ist eine ganz eigene Welt, richtige Bubble auch, auch die Segelnmacher und nicht nur die Segler, weil es sehr wenige davon gibt. Man kann sie zählen, so muss man sagen. Und man kennt sich in der Szene. Wichtig für mich ist, wenn der Kunde kommt und sagt, ich möchte den Segel, dass ich erst mal rausfinde, was möchte der Kunde damit machen. Ich brauche dem nicht das teuerste vom teuersten Verkaufen und ich brauche ihm aber auch nicht das leichteste. was sofort kaputt geht verkaufen, es geht halt darum, möchte der Fahrten segeln, möchte er Regatta segeln, so erstmal ganz grundlegend und dann auf welchem Revier ist er unterwegs, wie lange soll das Ganze halten, geht es darum das letzte Quäntchen Geschwindigkeit rauszuholen oder dass das Segel halt in 10, 15, 20 Jahren immer noch fährt.

Yannik Häupler: Ich schätze mal die Bodus-Klasse wird auch eine Rolle spielen.

Julius Raithel: Genau, es gibt da viele Bootsklassen und gerade für kleinere Bootsklassen, Jollen, kleine Kielboote sind wir spezialisiert. Das heißt, wir haben da auch ein sehr großes Schnittrepertoire und sehr viel Erfahrung. Am Ende muss es auch gut zu handeln sein. Es gibt auch Segel, die sind vielleicht super schnell, aber nicht gut zu handeln oder sehr schwierig zu steuern. Das ist sehr individuell und das macht das Handwerk auch aus, dass wir darauf eingehen können.

Yannik Häupler: Wie sieht es mit deinen eigenen Booten aus? Du bist ja nicht nur Segelsägel-Macher-Meister, bist auch Seges-Selbst, bist Wett-Segler, wenn ich das so richtig sage, wenn das der richtige Begriff ist. Okay, Regatta-Segler, Arbeitest du an deinen eigenen Segeln?

Julius Raithel: Ja, wir sagen Regatta-Segler, genau.

Julius Raithel: Ja, genau. Wir entwickeln stetig die Segel weiter und ich bin auch nicht nur in einer Bootsklasse sehr viel unterwegs. Ich habe meine Leidenschaftsklasse Pirat tatsächlich als eine, die ich schon seit dem ich 13, 14 bin segle und da auch viele Erfolge hatte schon. Ich segle aber auch in anderen Bootsklassen, die wir dann marktechnisch einfach auch bedienen.

Yannik Häupler: Mhm.

Julius Raithel: weil wir da gute Segel machen, die sind sehr begehrt, dann ist es aber auch wichtig präsent zu sein, die Meisterschaften mit zu segeln, zu zeigen, auch der Erfolg ist damit machbar und erreichbar. Das ist ja beim Regatta-Segeln immer sehr entscheidend. Und dieses ganze Regatta-Segeln ist sehr komplex. Da zählen ja technische Faktoren rein, die Natur zählt da rein. Das ist ein Schachspiel auf dem Wasser.

Yannik Häupler: Wie lange machst du das schon? Insgesamt?

Julius Raithel: Also als ich klein war und optimist gesegelt bin, da hatte ich nicht so viel Spaß am Regatta segeln. Da bin ich mal so eine Handvoll Regatten mitgefahren, weil man das irgendwie gemacht hat und die Trainer gesagt haben, wo willst du hinfahren und komm noch mit und so. Aber da haben mich immer die Eltern gestört, die dabei waren.

Yannik Häupler: waren die zu übergriffig in ihren Anforderungen.

Julius Raithel: Ja, genau. Da werden dann die eigenen Kinder immer hart gepusht. Und da gibt es so einen Konkurrenzkampf, der außerhalb des Segelens an Land auch war. Das mochte ich gar nicht.

Yannik Häupler: Also mehr Fokus auf Erfolg als tatsächlich das Hobby segeln selbst. Okay.

Julius Raithel: Genau, richtig. Und als ich dann umstieg, als Jugendlicher in den Piraten kam, weil mein Heimatverein eben eine ganze Flotte hatte und auch eine richtig tolle Jugendgruppe da rum, bin ich da richtig aufgeblüht. Und Anfang habe ich noch das erste Jahr gesagt, ne, Regatta segeln, das will ich nicht mehr. Bis mein Trainer irgendwann gesagt hat, ja Jules, probier es doch nochmal aus und dann...

Yannik Häupler: Mhm.

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: hat er mir den richtigen Segelpartner noch vermittelt und wir haben so viel Spaß gehabt, dass wir danach gar nicht mehr aufhören konnten jedes Wochenende loszuziehen und irgendwo die Wette zu segeln.

Yannik Häupler: Du hast Optimist erwähnt, das ist schätze ich auch eine Bootsklasse. Was ist da der größte Unterschied zur Piratenbootsklasse beispielsweise?

Julius Raithel: Ja.

Julius Raithel: Der Optimist ist weltweit so die Kinderwohlsklasse. also wenn man, ich sag mal, mehr als 45 Kilo wiegt, ist man eigentlich schon fast zu groß dafür. Also das segelt man so, bis man maximal 14 ist in etwa, dann steigt man normalerweise

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: Wie war dann der Umstieg zur Piratenklasse bzw. wann kamen dann auch die ersten Wettkämpfe, an denen du teilgenommen hast?

Julius Raithel: Ja, das kam dann mit 15, ne mit 14 schon. Mit 14 bin ich da ziemlich viel Licht reingestartet, hab guten Anschluss gefunden, hab meinen Spaß gehabt und das war ja natürlich auch so eine Zeit, da nabelt man sich ja schon so bisschen vom Elternhaus ab und ist froh, wenn man die Wochenenden ohne seine Eltern mit seinen Freunden verbringen kann. Und das war immer so ein Safe Space. Also man hatte ja, man war immer in guten Händen, weil man ja nie allein unterwegs war und dann hat man ...

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: Seine Ruhe gehabt von den Eltern ist das super.

Yannik Häupler: Glaube ich dir sehr gerne, besonders draußen auf der See, wir wahrscheinlich gut seine Ruhe haben können, auch wenn es bestimmt ganz gerne mal auch bisschen stressig gewesen ist. Kann ich mir zumindest vorstellen, so bei Wind und Wetter auf dem Wasser kann es auch schon mal ein bisschen Nervenkitzel geben. Was ist denn für dich, also was zieht dich denn beim Segeln an? Was ist denn so für dich? Wo liegt die Leidenschaft im Segeln, größte? Woher kommt die?

Julius Raithel: Also die größte Leidenschaft kommt erst mal daher, dass ich, sobald ich auf dem Wasser bin, alles andere gut ausblenden kann. Was einen so an Land beschäftigt oder was auch im Alltag sonst los ist. Man ist einfach dann auf dem Wasser. man, natürlich hier in Land näher hat man auch sein Handyempfang oder so, aber gerade wenn man größere Touren macht, dann ist man auch davon frei und kann sich einfach auf das konzentrieren, was man macht. ist im Hier und Jetzt. Wenn man natürlich auch noch den Spaß mit anderen hat, sprich die Wette segeln. Ich bin schon ein sehr kompetitiver Mensch. Mich kitzelt das auch, selbst wenn ich... Meine Freundin sagt immer, Jules, kannst du es nicht auch mal abschalten? Weil wir hier, keine Ahnung, nur... Sie ist auch Regatta-Seglerin, aber wenn wir mal im Urlaub sind und intern segeln auf der Ostsee... Dann säge ich auch trotzdem gerne, ich da drüben ist nach einem anderen und dann will ich trotzdem vor dem Seil.

Yannik Häupler: Sehr cool. Also sehr viel Freude auch aus dem freundschaftlichen Wettkampf. Aber man macht es dann irgendwo auch, natürlich zu gewinnen. Du hast auch eine Menge gewonnen. Ich glaube 2016, 2017, 2018, 2019, 2022 und 2025. Ich weiß nicht, ob ich was vergessen habe. Da hast du sowohl deutsche Meistertitel als auch Europameistertitel richtig bekommen. Wie lief das ab? Wie kam es dazu, dass du da...

Julius Raithel: Ja, genau.

Julius Raithel: Ja.

Julius Raithel: Ja.

Yannik Häupler: teilgenommen hast.

Julius Raithel: Also ich muss jetzt einmal differenzieren, das ist in verschiedenen Klassen und ich glaube auch einige Jahre dazwischen. Also je nachdem, ich habe da immer mal wieder verschiedene Klassen gesegelt und auch einiges gewonnen. Ich habe diese Leidenschaft ausgebaut mit dem Segeln zusammen mit meinem Segelpartner Frida. Wir haben uns kennengelernt 2010. Und das war reiner Zufall, dass wir jetzt zusammen gekommen sind fürs Segeln, weil ich eigentlich mit seinem Bruder segeln wollte und er sagte, nee tut mir leid, ich hab leider keine Zeit. Frag doch mal meinen kleinen Bruder. Und wir sind zusammen zu einer Regatta gefahren, das war auch noch so eine Partyregatta zum Jahresabschluss und das hat ihm so gefallen, dass er gesagt hat, kann er sich vorstellen weiterzumachen. Aber er kam dann aus einer anderen Bootsklasse und wir haben die Folgejahre dann in eine Kombination gesegelt, dass ich gesteuert habe und er halt der Vorschrutter war, also die Crew an Bord. Und danach bin ich ja zu See gefahren. da ist er dann mit unserem Schiff, also dem Vereinsboot ist er dann unterwegs gewesen und hat selber halt gesteuert. Und als ich wieder kam, haben wir gesagt, komm wir tauschen jetzt einfach mal, denn wir haben da mehr Leistungsversprechen drin gesehen sozusagen. mehr Perspektive. Und das haben wir immer weiter ausgebaut. Und wenn man das viel macht, man sagt ja mal so gerade, das ist ja auch nicht nur ein Segeln, das ist im Handwerk ja auch, wenn man das tausendmal gemacht hat, dann meistert man die Sache und das kann man aus verschiedenen Perspektiven sehen, aber wir sind einfach tatsächlich dann immer besser geworden und haben irgendwann diesen Sprung geschafft, nicht mehr irgendwo im Mittelfeld oder am vorderen Mittelfeld mit zu segeln, sondern uns mit den Besten da auch zu matchen.

Julius Raithel: auch ernst genommen zu werden. Wenn dann die alten Hasen da merken, okay, da kommt jetzt so eine junge Crew, die müssen wir auch mal decken oder verteidigen gegen die, sonst fahren die hier an uns vorbei. Man hat ja nicht einen direkten Gegner, sondern macht ja in so einer Fleet-Race, nennen wir das, in so einer Flotte hat man dann ganz viele Gegner und alle versuchen halt mit ihren Windbedingungen, die herrschen. ganz vorne zu landen. Und da sind wir immer besser geworden. die ersten Titel, ich glaube, bin 2015, ich chilenischer Meister geworden im Pirat. hat mich Frank Schönfeld damals mit nach Chile rüber genommen, weil es dort auch Piraten gibt. dann, da haben wir das erste Mal zusammen gesegelt und dann habe ich eben ihn als Mentor auch gehabt. Also ich bin auch viel mit ihm unterwegs gewesen. Da bin ich ja in der Vorschut auch weiterhin gesegelt. Ich habe die meisten Titel auch an der Vorschau ersegelt mit anderen Steuerleuten. Bis zum letzten Jahr, 2025, habe ich den ersten Titel als Steuermann Ich bin dann in einer Klasse umgestiegen und habe gesagt, ich segle nicht mehr mit Frank zusammen. In Konga war das und habe selbst gesteuert. Wir haben den Deutschmeister erreicht und das haben wir dieses Jahr nochmal wiederholen.

Yannik Häupler: sehr voll.

Julius Raithel: Also genau, und im Piratenwahn das drei Europameisterschaften, die wir hintereinander tatsächlich gewonnen haben.

Yannik Häupler: Sehr cool. Hast du eine präferierte Position auf dem Boot? Also bist du lieber Steuermann oder bist du lieber Crew?

Julius Raithel: Also ich bin auf jeden Fall lieber Crew und also lieber Foreshooter. Gibt es in einem klassischen Denken, der Steuermann immer der Wichtige, aber das ist auf einem Zweimannboot nicht so.

Yannik Häupler: Ja klar, man teilt sich vermutlich die Aufgaben

Julius Raithel: Richtig, und wenn einer nicht performt, dann kann der andere auch nicht das erreichen, was man zusammen machen kann. Es echtes Team. Man muss sich seine Aufgaben teilen, muss gut kommunizieren und jeder hat auch seine Verantwortlichkeiten. Auch da gibt es wieder diese Parallele zum Handwerk, kann ich einfach immer nur wieder nur sagen.

Yannik Häupler: Gibt es einen Wettkampftitel, auf den du besonders stolz bist, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Vielleicht weil er besonders hart war zu kriegen, weil irgendwas Besonderes passiert ist?

Julius Raithel: Hmm...

Julius Raithel: Also die Piraten-EM-Titel, sind schon was sehr Besonderes, weil das Feld sehr stark ist. vielleicht auch gerade der erste, der, also man muss dazu sagen, wir sind erst Europameister geworden und danach haben wir es erst geschafft, in der Klasse Deutscher Meister zu werden. Und auf dieser Europameisterschaft, das war 2019, habe ich auch meine Freundin kennengelernt. Die ist Schweizerin und segelt auf Pirat. Inzwischen leben wir aber zusammen in Hamburg. Genau. Da sind wir in die Türkei gereist. Wir sind vor Istanbul den Erentitel gefahren. Das war auch als Reise eine tolle Erfahrung. Natürlich ist der erste Titel als Steuermann auch etwas Besonderes. Was wir letztes Jahr erreicht haben, hätten wir nie gedacht, dass wir das schaffen.

Yannik Häupler: Cool. Okay.

Yannik Häupler: Mhm. Okay.

Julius Raithel: Wir wussten, kommen vorne mit unter die ersten sechs, sag ich mal. Aber dann am Ende auf dem Treppchen ganz oben zu stehen, das war schon ein starkes Gefühl. Gerade wenn das eben nicht die gewohnte Position ist.

Yannik Häupler: glaube ich gerne. ein krasses Gefühl, das glaube ich sehr gerne. Gibt es solche Momente auch in deinem Handwerksalltag, die vergleichbar für dich sind?

Julius Raithel: Also besondere Momente im Handwerksalltag sind vor allem auch, das Produkt entsprechend erfolgreich ist. Also wenn andere Leute mit unseren Segeln ihre Titel erreichen, das ist was Besonderes. Also das erfahren wir immer wieder und das ist ja auch das, woran wir immer arbeiten, dass unsere Segeln einfach, selbst wenn wir selber nicht an Bord sind, halt mit unseren Werksfahrern oder Kunden halt aufs Treppchen fahren und Ansonsten habe ich hier in der Werkstatt natürlich auch immer durch die stetige Entwicklung so Durchbrüche, wo ich merke, boah, jetzt haben wir es verstanden, aber wenn wir dann irgendwas neu umprobiert haben, wie funktioniert das, wie... Also es geht ja immer darum, dass diese Segel jetzt nicht nur zum Kunden und zum Revier passen, sondern dass die auch zu bestimmten Bedingungen passen oder zu bestimmten Ricks, also wie der Mast sich biegt, das ist was... je nach Rekt-Typ ganz verschieden. Wir sind ein sehr junges Team. Wir haben natürlich eine ganze Menge Erfahrung vom alten Team übernommen. Aber mein Lehrmeister Frank und seine beiden Segelmacher sind nicht mehr dabei, sind auch in Rente gegangen. Das ist natürlich so, wenn man dann als junge Leute, man kann nicht alles wissen, was jemand anderes vorher irgendwie mal generiert hat und an Erfahrung kann man ja nicht einfach von 0 auf 100 übernehmen, sondern man übernimmt so viel man kann und den Rest muss man dann selber erfahren. sich da reinzuarbeiten und eigene Systeme zu schaffen, das auch reproduzierbar zu machen, das alles zu dokumentieren und dann dem Kunden Auf Anhieb das Richtige zu machen, das ist die Kunst. Und da bin ich auch sehr stolz auf mein Team, weil wir das hinkriegen, uns in neue Themenbereiche einzuarbeiten, in denen wir zum Beispiel noch gar keine Erfahrung haben und trotzdem sehr schnell zu sehr guten Ergebnissen kommen. Und das sind so die Erfolge, die ich wirklich feiere.

Yannik Häupler: gerade schon kurz darauf eingegangen bist. Wie war denn die Übernahme des Betriebs von Frank zu dir mit Wissen, dass auch verloren gegangen ist? Wie lief das ab?

Julius Raithel: Du hast ja vorhin schon ganz kurz angeschnitten, dass ich ja auch noch auf der Walz war und es gab unterwegs irgendwann einen Anruf von Frank, sag mal, wo steckst du eigentlich? Und ich lag irgendwo auf der Couch, es war mitten in der Nacht in Sydney in Australien und dachte, wieso, wo stecke ich eigentlich? bin in Sydney, was willst du? Und er sagt, ja, kommst du denn wieder und was?

Yannik Häupler: Genau.

Julius Raithel: Wir wollten ja irgendwann mal das mit der Firmenweiterführung planen und habe ich auch gemerkt, dass meine Waldschutzende geht. Irgendwie habe ich meine drei Jahre voll gehabt und da bin ich. dann 2019 wiedergekommen hierher und hab gesagt, okay, dann lass uns das jetzt wirklich angehen und hab, sag ich mal, eine Position bekommen, in der ich hab dann ein eigenes Büro hier im Gebäude gekriegt und er hat mir sehr viel überlassen an Organisation, an Aufträgen, an Mitarbeitern. Ich hab mich schon voll und ganz irgendwie auszubildenden gekümmert und hab dann ja immer mehr auch diese ganzen die ganze Bürokratie und den Bürokramen kennengelernt. Das kannte ich natürlich aus meiner Weiterbildung, ich habe ein Betriebsstudio des Handwerks gemacht, auch das ist in Realität ja nochmal ganz anders. Nur einen Segelschein zu haben heißt noch nicht, dass man gut mit dem Wind umgehen kann. Damit kann man es eigentlich ganz gut vergleichen. Und dann haben wir uns erstmal festgelegt auf mindestens ein Jahr Übergabefrist oder haben gesagt, okay, wir machen das jetzt erstmal. ein Jahr zusammen gucken, dann haben wir gemerkt, so ganz können wir es noch nicht übergeben. Dann sind wir noch ins zweite Jahr gegangen und dann kam Corona.

Yannik Häupler: Okay. Das hat es dann wahrscheinlich nochmal ein ganzes Stück schwieriger gemacht, das alles über die Bühne zu bringen.

Julius Raithel: Genau, also das hat tatsächlich richtig so einen Cut da reingebracht, auch für ihn, weil er gar nicht wusste, okay, wo geht es jetzt hin? Er hatte ja noch die ganze Verantwortung, ihm gehörte das Unternehmen noch. Andererseits haben wir dann mit den Mitarbeitern und gutem Marketing haben wir das hingekriegt, selbst genähte Masken zu verkaufen und uns damit über Wasser gehalten, weil ja plötzlich schlagartig, man durfte sich nicht mehr treffen, die Leute sind nicht mehr segeln gegangen. Es gab den Lockdown, also

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: blieben auch die Aufträge weg, aber die Masken wurden gekauft und wir hatten so Stickmaschine, da konnten wir dann auf die Maske so vorne drauf stecken, husten, wir haben ein Problem oder ich lächel gerade oder sowas und haben auch Masken mit Logos gemacht für Firmen. Naja, so haben wir uns über Wasser gehalten.

Yannik Häupler: Sehr cool.

Julius Raithel: Als dann wieder gesegelt werden durfte, wir gemerkt, es geht weiter, die Leute kommen wieder. Und diese Wassersportbranche hat so einen richtigen Boom erlebt danach, weil die Leute nicht mehr so weit weggefahren sind, die haben sich Boote gekauft, die wollten hier in der Heimat dann irgendwie ihre Zeit draußen verbringen. Das war auch ganz wichtig, dass man eben draußen sein konnte. Und da hat der Segelsport, ja, gerade auch der Segelfreizeitsport, gar nicht mal das Regatta segeln, sondern hat so einen richtigen... Aufschwung gehabt. Und in dem haben wir es dann geschafft, die Firma endgültig zu übergeben. Da muss man sich am Ende noch einigen und das ist gar nicht so einfach. das weiß jeder. Genau. Mir war klar, ich kann dieses Unternehmen nur übernehmen, wenn ich es auch kaufe. Also, ganz oder gar nicht, war sozusagen die Prämisse und das war auch für uns beide gut. Also es gab einen richtigen Cut.

Yannik Häupler: Ja, was war da der größte Knackpunkt?

Julius Raithel: Wir haben uns irgendwann geeinigt, dank externer Unterstützung. Ich noch mal loben, jeder Handwerker, der nicht weiß, wofür die Handwerkskammer da ist, der hat sich noch nicht richtig mit dem Angebot auseinandergesetzt. Die Handwerkskammer hat mir sehr stark weitergeholfen. Ich habe auch gute Betreuung bei der Bank gehabt. durften wir dann auch schlussendlich die Einigung über einen, sag ich mal, befreundeten Mediator haben wir dann gefunden. Es gab dann jemand, der für uns beide eine Vertrauensperson war, mit dem wir dann ausgeheckt haben, wie wir das Unternehmen genau übergeben. Das war auch allerhöchste Einwand in irgendwie gibt es keine zwei Könige in einem Reich. Das funktioniert nicht auf der Art.

Yannik Häupler: kann nur zu Problemen führen. Gut, hast das im Grunde vorhin auch schon so bisschen angerissen, bzw. wir haben es schon ein paar mal angerissen, Thema, wegen dem wir eigentlich vor allem sprechen, du warst auf der Weiz, was ja für euer Gewerk eigentlich eher unüblich ist. Wie kam es dazu, dass du auf die Weiz gehst?

Julius Raithel: Genau.

Julius Raithel: Das ist eine sehr gute Frage. war so, ich damit eigentlich nie viel Kontakt hatte, weil du schon gesagt hast, dass es einfach nicht so gängig ist in unserem Metier. Wenn man jetzt Tischler oder Zimmerer ist oder so, da gibt es noch mehr Leute.

Yannik Häupler: Also die klassischen Gewerke, die man sich auch vorstellt, wie sie durch die Straßen laufen. Auf der Walz ja, aber beim Singlemacher...

Julius Raithel: Genau. Ja, und ich habe mich dann, ich, ich mich hatte begeistert, dass ich mal eine Frau kennengelernt habe, eine Segelmacherin, die das gemacht hat. Und die hat das tatsächlich auf traditionelle Art und Weise gemacht. Die hat einen Schacht, einen Schacht gefunden, den sie sich anschließen konnte und hat sich tatsächlich selbst eine purporote Tracht oder Kluft genäht, die, also sag ich mal, unsere Zunftfarbe ist ja rot als Textiler. Und da haben wir

Yannik Häupler: Mhm. Okay. Okay, also...

Yannik Häupler: Ja.

Julius Raithel: Die hat uns in der Berufsschule besucht und da habe ich schon gestaunt. Das hat mich sehr beeindruckt, wie sie da mit roter Schlachhose aus Kort und rotem Zylinder und so super schick auftrat. Irgendwie ist dieses Bild mir in Erinnerung geblieben. Ich habe dann ja relativ früh nach dem ich von See wieder kam, meinen Meister angestrebt und gemacht. gemerkt dann, das ist mir noch nicht ausreichend an unternehmerischem Know-how, ich möchte noch den Betriebswirt machen. Das ist ja auch für viele gar nicht so klar, dass der Betriebswirt des Handwerks noch ein höherer Abschluss ist als der Meister. Wir haben ja vorhin darüber gesprochen, einem wird in der Schule eingetrichtert, müsst studieren. Das wertet das Handwerk insofern ab, als dass gar nicht erzählt wird, was man alles lernen kann und was das auch für ein Werdegang sein kann. Und den habe ich halt apö für mich entdeckt. Und nach meinem Betriebswirt bin ich halt wieder als Segelmacher hier in der Firma eingestiegen und habe aber gemerkt... Du kannst die jetzt gar nicht übernehmen, weil du gar nicht andere Firmen kennst. Du hast jetzt immer in deinem Ausbildungsbetrieb gearbeitet. Ich habe mich zwar super wohl gefühlt, zu Hause, es ist wie eine Familie hier. Aber trotzdem wollte ich auch andere Dinge kennenlernen. Und so ist eben diese Idee mit der Walz wieder aufgekommen. Meine Idee war, ich will irgendwo ganz weit weg hin, ich will reisen und ich will andere Firmen kennenlernen. Und das habe ich dann auch. Genau, da habe ich mich informiert, was heißt das denn überhaupt auf der Weize zu sein. Und traditionellerweise hat man dann ja sehr klare Regeln.

Yannik Häupler: Ja, zum Beispiel keine eigenen elektronischen Geräte, soweit ich weiß. Hast du dich an diese klassischen Regeln dann gehalten?

Julius Raithel: Nein, ich nicht. habe mir von vornherein, nachdem ich mich damit auseinandergesetzt habe, ganz klar gesagt, Julius, du machst das nicht traditionell. Du machst das mit deinen eigenen Regeln. Und ich durfte fliegen, ich durfte Geld verdienen, ich durfte auch nach Hause. Das war mir ganz klar, weil ich eben auch diesen Kontakt zu meinem Heimatbetrieb nicht verlieren wollte. Und so bin ich halt auch zwischendrin immer zur Hochsaison. zu den Peak-Zeiten tatsächlich hier wieder nach Hamburg gekommen und habe hier auch mein Regatta-Feld nicht so verlassen. Also viele haben das gar nicht so mitgekriegt, dass ich eigentlich neun bis elf Monate im Jahr unterwegs war und mich trotzdem habe auf die Meisterschaften blicken lassen, bin trotzdem mit die Wette gesegelt, dann wieder abzuhauen und woanders auf der Welt zu arbeiten. das habe ich angefangen in Neuseeland, bin da auch wirklich so... mit dem Rucksack. Ich hatte schon einen Job als ich losgelegt habe. Den habe ich mir über einen Kontakt besorgt, habe mich da beworben, hatte ein ganz grauenvolles Vorstellungsgespräch über Skype damals mit dem obersten Chef und dem Werkstattleiter. Ich dachte ja, okay, ich habe neun Jahre Englisch in der Schule gehabt, bis zu See gefahren, kann Englisch und dann sprichst du dann mit den TVs und verstehst plötzlich Kein Wort mehr. Das war wirklich ganz, ganz merkwürdig. Was ich aber am Ende des Gesprächs verstanden habe, war, hol den Visum und komm her.

Yannik Häupler: Mehr braucht's nicht.

Julius Raithel: Genau. Und genau das habe ich gemacht. Ich habe mir ein richtiges Arbeitsvisum geholt. Nicht nur Work and Travel, sondern so, ich da richtig Kohle verdienen konnte, auch die Flüge zu finanzieren und auch länger als ein halbes Jahr da arbeiten darf und so weiter. Und das war gar nicht so einfach, dieses Visum zu bekommen. Aber als ich es dann endlich hatte, habe ich sechs Tage später einen Flug gebucht und bin einfach hingedüst. Als ich da ankam, ich keinen Schlafplatz für die erste Nacht. Ich wusste nicht, wie ich übermorgen zur Arbeit komme. Ich bin auch am Donnerstag in Auckland angekommen und hab ... Montag sollte es losgehen. Ich wusste, ich weiß, dass ich Geld verdienen kann. Aber ich muss noch Zeit überbrücken bis zum ersten Gehalt. Wenn man in Deutschland Geld verdient hat und den dortigen Lebensstandard erhalten soll, fragt man sich, warum lebe ich zwei Wochen lang von Spaghetti mit Tomatensoße? So bin ich da reingestartet und hab zum Glück einen Kollegen gefunden, den, oder die haben die mir vermittelt, der auch ein bisschen Deutsch konnte und der auch dort mal hingezogen ist. Der lebt heute immer noch da, aber der hat mir in diesen ersten Tagen ein Fahrrad vermittelt, sodass ich in der großen Stadt auch unterwegs sein konnte und zur Arbeit kam und hab dann irgendwie von Nacht zu Nacht mich da von Hostel und zu nächsten Backpackern dann durchgeschlagen, weil die haben immer gesagt, ja eine Nacht kannst du hier schlafen, aber morgen musst du wieder woanders sein. So habe ich dann aber nach zwei Wochen meine Wohnung, meine erste gefunden und irgendwann habe ich das Fahrrad gegen ein Roller eingetauscht und dann irgendwann habe ich den Roller gegen ein Auto eingetauscht und dann mir noch ein Surfboard gekauft und bin dann viel mehr surfen als segeln gewesen und habe in einer sehr großen Segelnmacherei gearbeitet bei Doyle damals.

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: Mhm.

Julius Raithel: Die war auch eine ganz spannende Zeit. wurden gerade aufgekauft oder die Firma wurde auch übergeben und ist international expandiert. Dann haben wir viele Neustandards entwickelt. Alleine diese Dinge zu sehen, wie man woanders auf der Welt arbeitet, das hat mich total begeistert.

Yannik Häupler: Was würdest du sagen, war der größte Unterschied zur Art und Weise, wie man in Deutschland im Gewerk arbeitet?

Julius Raithel: Also man muss sagen, der größte Unterschied ist eigentlich in dem gar nicht so im technischen Selbst, sondern in dem, ja wie kommt man voran? Also hier nach Pareto Prinzip 80 20 Regel, das können wir Deutschen ja immer gar nicht so gut. Wir wollen ja immer 100 Prozent und das muss ausgereift sein im Kopf schon bis zum Ende und dann können wir das auch perfekt bauen und wenn es nur der Prototyp ist, so ungefähr und Damit kann man aber keinen Entwicklungsstand halten. Wenn sich eine Entwicklung schnell voranschreitet, dann muss man halt bei 80 Prozent Schluss machen und dann schon mit dem nächsten anfangen, das nächste Teil auszuprobieren oder umzusetzen. Und das habe ich da sehr gut gelernt, dass man schnell zu Ergebnissen kommt, mit denen man weiterarbeiten kann.

Yannik Häupler: Also sich nicht so sehr in einem vorgefertigten Plan festfahren sozusagen und auch ein bisschen flexibler arbeiten. So habe ich das jetzt ein bisschen verstanden.

Julius Raithel: Ja, flexibel sein, das ist das eine. Und das andere ist eben auch zufrieden zu sein. das Ziel ist natürlich ein hundertprozentiges Produkt, aber es dauert sehr lange da hinzukommen, wenn ich jeden Schritt hundertprozentig ausführe. Und das können die Kiwis echt gut.

Yannik Häupler: Mhm.

Yannik Häupler: Also so bisschen von dem Drang zur Perfektion ablassen und sich mit dem sehr guten Ergebnis, dass vielleicht nicht das 100 % Ergebnis ist, auch mal zufrieden geben, wenn man einfach nicht vorankommt am Ende mehr. Okay. Es hat bei dir aber, beziehungsweise worauf ich erst eingehen würde, du hast erwähnt, die Kommunikation war beim Vorstellungsgespräch schwierig. Wurde das besser, wo du dann eine Weile in Neuseeland warst?

Julius Raithel: Ja, genau.

Julius Raithel: Ja, richtig.

Julius Raithel: Ja, natürlich wurde das besser. Ich habe aber auch lange gebraucht, ich sagen. Und obwohl ich da gearbeitet habe und mich ja jeden Tag unterhalten habe, ich sagen, es hat so vier Monate gedauert, bis ich sie wirklich alle verstanden habe. ich muss dazu sagen, ich bin nicht nur einmal dort gewesen, ich bin noch ein zweites Mal wieder hin. Das war halt im Zuge der Walz. als ich dann

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: Das zweite Mal da war, kam irgendwann mal ein Neuseeländer zu mir und hat mich gefragt, aus welcher Region ich denn komme. Das war so der Ritterschlag des Sprachlichen, weil ich wahrscheinlich genug mein Kiwienglisch in meinen Bart genuschelt habe, dass er mich auch nicht verstanden hat, ich mir heute gesagt. Also wir haben das, ich habe das ganz gut hingekriegt irgendwann. Das Sprachliche ist im Handwerk ja auch zweitrangig, sage ich mal. Man muss sich natürlich, man muss kommunizieren, man aber, ich mal, sich verstehen, was man möchte, aber Wenn man es macht und es ist das richtige Ergebnis, dann ist auch schon mal alles gut.

Yannik Häupler: Okay, also so ein bisschen Vertrauensbasis. Ich sehe ihn, der weiß, was er tut. Da kann ich drauf vertrauen, dass es auch was wird. Okay. Wie ging es weiter mit der Weiz? Weil du hast gesagt, du bist irgendwann wieder gekommen. warst aber nicht nur in Neuseeland, richtig?

Julius Raithel: Ja, genau, richtig.

Julius Raithel: Richtig, genau. Also das erste, was ich dazu sagen muss, ist, mich hat natürlich auch gereizt dort zu segeln, weil es auch ein Segel-El Dorado ist, nicht nur ein Backpacker-El Dorado. Und sehr viele berühmte Segler von dort kommen. Es gibt dort in der Ecke der Welt auch berühmte Segelrennen, die ich mit segeln wollte. Und ja, habe ich.

Yannik Häupler: hast du denn an einem Teil genommen? Okay.

Julius Raithel: Das war dann halt mein nächstes Ziel, dass ich gesagt habe, ich will unbedingt dieses Sydney Hobart Race mit segeln. Was als eines der härtesten Amateurrennen, sag ich mal, gilt, die man überhaupt so segeln kann. Das ist gar nicht so einfach gewesen und ich habe es im ersten Jahr tatsächlich auch nicht hingekriegt. ich hatte dann meinen Job schon gekündigt und habe gesagt, ich reise jetzt bereits noch ein bisschen das Land bevor ich weiterziehe. Und dann erkape es sich leider so, dass mein Vater starb und ich erstmal wieder zurück nach Hause musste oder wollte auch. Und das Coole war, dass ich auch von der Firma Dort richtig gut aufgefangen wurde, weil die mir gleichzeitig angeboten haben, wenn ich wieder nach Europa gehe, einen Job in England zu machen. Weil die in ihrer Expansion in England einen, einen Loft übernommen haben, in der es galt, die Technologie aus Neuseeland dorthin zu bringen und da halt zu etablieren. Und dann, nachdem ich dann zwei, drei Monate hier zu Hause war mit meiner Familie, habe ich gesagt, so ich muss jetzt wieder weiter, mich zieht es wieder raus und bin dann halt für die gleiche Firma nach England gegangen und habe dort auch eine gute Zeit gehabt.

Yannik Häupler: Was war so... Was war so das Spannendste, was du dann in England erlebt hast?

Julius Raithel: Also diese Ernüchterung war glaube ich das erste. Ich sollte dahin. Die haben gesagt, ja, du bringst dann, ich mal, unsere Fertigungsprinzipien und die neue Technologie von hier dahin in diese Loft, die wir da jetzt übernommen haben. Und ich hatte mir total den Kopf zerbrochen. Ja, da sind ja sicherlich lauter Siegelmacher, die das alle besser können als ich. Was soll ich denen dann erzählen und so? Und dann kam ich dahin und wurde total herzlich aufgenommen und merkte auch, ja. Da sind halt auch viele, die in diesem Handwerk arbeiten, die es aber nicht so gelernt haben wie ich. Also da ist mir dann nochmal so ganz klar geworden, deutscher Ausbildungsabschluss bedeutet auch was. Und dass man hier in eine Berufsschule gegangen ist und ein duales System durchlaufen hat mit Theorie und Praxis, das ist nicht überall so auf der Welt, sondern das ist eigentlich fast nur hier so.

Yannik Häupler: Okay, also schon ein Unterschied im Qualitätsstandard dann.

Julius Raithel: Ja, oder im Bildungshintergrund auch. das heißt nicht, dass sie doof sind oder irgendetwas, aber da fehlt, da sind tolle Praktika, aber denen fehlt dann teilweise theoretisches Wissen. Und wahrscheinlich haben genau das die Kiwis auch geschätzt, die mich da hingeschickt haben und gesagt haben, das brauchen wir da vor Ort. da haben wir dann.

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: Ja, klar.

Julius Raithel: Ich habe tolle Freundschaften geknüpft. Ich habe bei einem anderen Segelmacher gewohnt, dem ich heute noch, ich durfte später sein Trauzeuge sein, bin heute noch gut befreundet mit ihm und habe da halt auch einen Anlaufpunkt, den ich so nicht verliere. Das ist schon eine tolle Ecke und auch seglerisch ist der Süden England. Also ich war in Hambel, das habe ich noch gar nicht gesagt, ich war in Hambel bei Southampton. Und das ist ja in Europa auch einer der bekanntesten Segelspots eigentlich. Im Solent zu segeln, habe ich auch gerade letzten Sommer noch mal sehr intensiv gemacht. bin den Admiral's Cup mit gesegelt. Das ist gerade für den Podcast ein kleiner Exkurs. das war auch für mich dann das Pendant sozusagen zu diesem Sydney-Hobart-Race, was ich dann in Australien ein Jahr später auf meiner Walz mitsegeln durfte. Ich habe jetzt geschafft, beiden Hemisphären dieses Rennen zu fahren, was sehr bekannt ist und sehr berüchtigt.

Yannik Häupler: Das ist jetzt schon angeschnitten. Du bist dann noch weiter nach Australien. Wie ging es da für dich weiter für deine VITES?

Julius Raithel: Genau. In Australien ist eben die Sydney-Obert-Race und das war gar nicht direkt, dass ich nach Australien gegangen bin. Ich bin halt von England erst mal wieder nach Neuseeland, weil ich das Gefühl hatte, ich habe da meine Zeit noch nicht zu Ende gebracht und habe erst mal wieder dort gearbeitet. in diesem zweiten Jahr, in dem ich dann dort war, habe ich dann geschafft, einen Spot in diesem Rennen zu bekommen und bin dann rüber nach Australien, nur für das Rennen.

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: Ich das Rennen mit gesegelt und habe danach noch mit einem klitzekleinen 20 Liter Rucksack Tasmanien für einen Monat per Anhalter bereist. Das war auch cool. Ich habe an jedem Spot eigentlich meiner Walls immer versucht, selbst wenn ich da nicht gearbeitet habe, die Firmen kennenzulernen. Und es gibt ja nicht so viele Segelmacher sein, also in jeder großen Stadt vielleicht ein, zwei. Und ich habe die immer besucht und habe halt...

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: cool.

Julius Raithel: habe mich genauso vorgestellt, wie ich unterwegs war und habe gesagt, ich möchte eure Firma kennenlernen. Auch wenn ich jetzt nur in einer Handvoll Firmen gearbeitet habe unterwegs, habe ich doch, wenn ich sie zähle, locker 20 Sägemachereien kennengelernt. So als andere Betriebe, wo man mal reingeschnuppert hat für den Tag, sich umgeschaut hat, mit Menschen gesprochen hat, andere Fertigungsweisen gesehen hat, andere Werkstatt ausbauten auch, das ist auch ganz spannend gewesen. Oder nicht nur Segelmacherien, sondern auch Tuchhersteller, Tuchhändler, Maschinenhersteller habe ich mir angeguckt. habe tatsächlich einen, gibt einen Neuseeländer, der CNC-Maschinen für Segelmacher baut, den habe ich besucht. All diese Kontakte, die helfen mir heute noch weiter am Alltag, weil wir zum Beispiel eine Maschine von dem haben. Wenn ich den anschreibe, der sofort, wer ist da am anderen Ende der Leitung, was hat der für eine Maschine, was sind die Anforderungen. Solche Kontakte habe ich geknüpft. Dieses erste Rennen, dieses erste Sydney-Hobart, in ich gesegelt bin, das hat mir eben auch den Kontakt verschafft, wieder dort einzusteigen bzw. dort vor Ort einen Segelmacher in Sydney kennenzulernen, bei dem ich dann ein Jahr später, in meinem dritten Jahr... angefangen habe. Das ist auch eine Freundschaft, die bis heute besteht. Wirklich eine schöne Zeit haben wir dann da gehabt.

Yannik Häupler: Sehr cool.

Yannik Häupler: Gab es noch mal Unterschiede zwischen der Art Weise wie man in Neuseeland, England und Australien arbeitet?

Julius Raithel: Ja, Vom Arbeiten her würde ich gar nicht mal so sagen, dass es großen Unterschied gibt. es ist schon mental... Es sind verschiedene Kulturen. Das ist eigentlich besonders spannend. ist ja alles englischsprachig. ist alles unterm Kammann-Wars. Eigentlich waren sie alle unter dem englischen Königshaus vereint. Und trotzdem waren sie sehr verschieden und haben auch sehr verschiedene Blicke.

Yannik Häupler: Okay.

Julius Raithel: sage ich mal aufeinander. Es gibt verschiedene Kulturen dahinter. In Australien und Neuseeland ist die Geschichte verschieden, die Ureinwohner anders. Der Umgang damit auch mit dieser etwas schwierigen Thematik zwischen den Weißen und den Ureinwohnern, da sind die Neuseeländer, den Australiern auf jeden Fall sehr weit voraus. Das kann ich bestätigen. Es gibt auch, sage ich mal, Gründe, warum ich sagen würde, das ist jetzt natürlich meine persönliche Meinung und Erfahrung. Ich könnte mir vorstellen, Neuseeland permanent zu leben, aber nicht in Australien. Auch wenn Australien ein wunderschönes Land ist.

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: Was ist denn das größte Argument dafür, dass du nicht in Australien leben wollen würdest?

Julius Raithel: Ich würde sagen, ist der Geist, der hinter dem oder hinter einem Land steht, was sein Geld aus dem Boden gräbt.

Yannik Häupler: Ich Kohlekraft ist sehr starker Exportgeber bzw. der meiste Umsatz kommt durch die Kohlekraft und die sind international ja etwas kritisch gesehen, es nett auszudrücken.

Julius Raithel: Den Angriff!

Julius Raithel: Ja, wenn halt der Premierminister mit einem Stück Kohle ins Parlament läuft und vorne steht und es hochhält und sagt, this is our future, dann denke ich, kann man so sehen, sehe ich anders. Man muss das jetzt wieder, okay, das eine ist Politik, aber im Mindset, ich habe die Austria unglaublich gern und ich habe ganz, ganz viele tolle Menschen kennengelernt.

Yannik Häupler: Ja...

Julius Raithel: Die haben einen super coolen Mindset. Wir können von denen ganz viel lernen in Sachen Gelassenheit, in Lebensfreude, Sachen, wie gestalte ich meinen Alltag, in Sachen Kreativität. Aber dennoch stelle ich mir auch vor, zum Beispiel mit einem uralten Monat vollkommen zu gehen oder, ja, da. Das ist ein superspannendes Land und ich würde auch unbedingt wieder dahin reisen, aber ich würde da trotzdem nicht leben wollen. ist einfach.

Yannik Häupler: Bevor wir zum letzten Teil unseres Interviews kommen, noch eine Frage. Was ist denn, würdest du sagen, die größte Lehre, die du jetzt aus diesen drei Jahren Weiz gezogen hast?

Julius Raithel: Die größte Lehre ist People need people. Also wir sind unterwegs, andere Menschen zu treffen und wir leben auch davon, andere Menschen zu treffen und es ist so, dass wir...

Julius Raithel: einfach erfolgreicher sind und glücklicher, wenn wir das im sozialen Umfeld leben und nicht alleine für uns sind und unterwegs sind. Also ich bin auch total gerne alleine unterwegs gewesen. Ich war nie einsam. Ich habe immer tolle Leute getroffen. Aber ich wurde auch immer ganz herzlich aufgenommen. Ich könnte unzählige lustige Geschichten erzählen, wie ich wo, auf wen getroffen bin. Also das ist wirklich... eigentlich alleine, wie ich an meine Jobs gekommen bin. Irgendwo aufgeschlagen und gesagt, moin, hier bin ich. Wie sich so eine Verbindung entsteht, ist was ganz Einzigartiges und Besonderes, was uns Menschen irgendwie auch auszeichnet und eben deswegen glücklich macht.

Yannik Häupler: Ich nochmal eine Stunde darüber sprechen. Vielleicht ein andermal.

Julius Raithel: Endlos.

Yannik Häupler: auch. Gut, dann kommen wir zum letzten Themenkomplex. habe, wir haben immer am Ende unserer Folgen so ein paar vorgefertigte Fragen und ich würde dich einfach, bzw. erstmal kommen drei Fragen. Da kannst du auch gerne ein bisschen überlegen, falls du ein bisschen Überlegungszeit brauchst. Und dann kommen immer so vier schnelle Fragen, also vier Begriffe mit vier schnellen Antworten drauf. Und ich würde jetzt einfach mal mit der allerersten Frage einsteigen, wenn du mit jemanden tauschen könntest. Für einen Tag, für eine Woche, für einen Monat, für ein Jahr, ganz egal, mit wem würdest du tauschen?

Julius Raithel: mit wem würde ich tauschen wollen?

Julius Raithel: Das ist eine spannende Frage, weil ich ganz häufig denke, ich will nicht tauschen.

Yannik Häupler: Also... Also... Okay. Ja.

Julius Raithel: Es gibt jetzt eine lustige Sache. Es gibt so einen Song. I wanna be a girl for a day. Kennste den?

Yannik Häupler: Ja. Es sagt mir so vom Titel jetzt gerade nichts, aber ich hab ihn sicher schon gehört.

Julius Raithel: aus unserer Jugend ist, müsste das sein. Der müsste so ungefähr 25 Jahre alt sein. Das wäre eine lustige Erfahrung, glaube ich.

Yannik Häupler: Okay.

Yannik Häupler: Okay, nehmen wir so mit. Nächste Frage, was bedeutet für dich Handwerk?

Julius Raithel: Handwerk bedeutet für mich machen. Handwerk bedeutet für mich etwas erschaffen und Handwerk bedeutet für mich gleichzeitig Ästhetik und Kreativität.

Yannik Häupler: Dann abschließend noch, wenn du, beziehungsweise für die Fragen abschließend, wenn du eine Sache im Handwerk sofort ändern könntest, was wäre das?

Julius Raithel: Das wäre in der Allgemeinheit und in der Gesellschaft eine andere Wertschätzung für dieses nicht nur Geistige, sondern auch mit den Händen Schaffende.

Yannik Häupler: Okay, sehr schön. okay. Dann habe ich jetzt abschließend noch vier kurze Begriffe für dich und würde dich bitten, kurz und knapp auch darauf zu antworten. Wir beginnen mit Was ist Heimat für dich?

Julius Raithel: also eine höhere Wertschätzung.

Julius Raithel: in Hamburg an der Elbe sein.

Yannik Häupler: Hast du ein Vorbild?

Julius Raithel: Ich habe viele Vorbilder.

Julius Raithel: Ja, sag ich eigentlich, ne?

Yannik Häupler: Okay. Wenn du ein spezifisches Grade im Kopf hast, gerne.

Julius Raithel: Ein Vorbild ist für mich Uli Libor. Das ist ein Olympionike der deutschen Segelszene. hat zwei Medaillen geholt in den 60er Jahren.

Yannik Häupler: Okay, sehr cool. Was bedeutet für dich Glück?

Julius Raithel: Glück bedeutet für mich, zu Hause zu sein im Herzen meiner Mitmenschen.

Yannik Häupler: Und dann abschließend noch, hast du ein Motto?

Julius Raithel: Hmm... Bier klauen?

Yannik Häupler: Sehr schön, lebst du das auch jeden Tag?

Julius Raithel: Ja, ich versuch's.

Yannik Häupler: Okay, sehr schön. sind wir auch am Ende unserer Folge angekommen. Ich danke dir vielmals für die Einblicke ins Segelmacherhandwerk, ins Segeln und natürlich auch in die Weiz in deinem Gewerk. Ich wünsche dir alles für die Zukunft, dass du immer Rückenwind hast und dass das Segelmacherhandwerk auch in Zukunft noch weiter bestehen bleibt und vielleicht mehr junge Leute auch zu euch wiederkommen. Ich danke dir vielmals für deine Zeit und wünsche dir einen schönen Tag.

Julius Raithel: Danke, Yannick, den wünsche ich dir auch. Danke fürs Interview. Ciao.

Yannik Häupler: Danke, ciao!

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